Windkraftanlagen sind keine „tickenden Zeitbomben“

Der Bundesverband Windenergie reagiert auf einen kritischen „Welt“-Artikel, in dem der TÜV-Verband nach aktuellen Havarien strengere Prüfungen für Windräder fordert.

Mit einer technischen Verfügbarkeit von inzwischen 98 Prozent gehörten Windenergieanlagen zu den sichersten Bauwerken in der vom Menschen geprägten Landschaft, meint der Bundesverband Windenergie (BWE). Mit dieser Aussage reagiert der BWE auf einen kritischen Artikel der Zeitung „Die Welt“ vom 27. Mai 2018. Darin zitiert das Blatt den TÜV-Verband, der eine steigende Gefahr für schwerwiegende Havarien sieht. 

Von einer „tickenden Zeitbombe“ spricht in dem Artikel TÜV-Experte Dieter Roas, der einem Arbeitskreis aller Zugelassenen Überwachungsstellen vorsteht. Viele Windräder würden sich einer Betriebszeit von 20 oder gar 25 Jahren nähern. Grundsätzlich seien die Anlagen auf 20 Jahre ausgelegt, für eine Verlängerung der Betriebserlaubnis seien zusätzliche Prüfungen nötig. „Aber was Strukturfestigkeit und Materialermüdung angeht, wissen wir nicht, woran wir sind“, zitiert das Blatt Roas. Aufseiten der Betreiber wünsche er sich ein „ausgeprägteres Risikobewusstsein.“ Das könnte auch der Staat mit einer Prüfpflicht wecken.

Ausgefeilte Wartungskonzepte sollen Fehler schon früh erkennen

Im Bereich Wartung und Betrieb Windenergie an Land seien heute 25.400 Arbeitnehmer beschäftigt, das entspräche etwa 20 Prozent der Beschäftigten in der Windenergiebranche, hält der BWE entgegen. Mittlerweile würden die sicherheitsrelevanten Bauteile nicht nur in regelmäßigen Intervallen überprüft, sondern zusätzlich über digitale Sensoren und intelligente Condition Monitoring Systeme (CMS) überwacht.

„Die Sicherheit der Anlagen ist der Branche ein großes Anliegen. Hohe Standards haben dazu beigetragen, dass Windenergieanlagen heute eine technische Verfügbarkeit nahe 100 Prozent aufweisen“, betont der Verband in einer Pressemitteilung. Die Betreiber würden selbst kleinste Reparaturen schnell vornehmen um größere Schadensfälle zu vermeiden, die dazu führen könnten, dass Anlagen über längere Zeit keinen Strom einspeisen.
Die bestehenden Wartungszyklen seien etabliert und zuverlässig. Die regelmäßigen Prüfungen würden von anerkannten, unabhängigen Sachverständigen vorgenommen. Die endgültige Entscheidung, ob Sachverständige akzeptiert werden, liege immer bei den örtlich zuständigen staatlichen Behörden, die die Prüfberichte entgegen nehmen und dokumentieren.

Typenprüfung und wiederkehrende Pflichtprüfungen

„Windkraftanlagen werden in Deutschland auf Basis der Richtlinie des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) typengeprüft und genehmigt. Diese Typenprüfung bildet die Basis für Baugenehmigungen“, argumentiert der BWE weiter. Während der Aufstellung finde eine Bauüberwachung statt. Mit Inbetriebnahme würden alle Komponenten, die den Betrieb und die Sicherheit beeinflussen können, abgenommen. Alle zwei bis vier Jahre findet in der Betriebsphase die „wiederkehrende Prüfung“ statt.  Dabei würden der Anlagenzustand durch anerkannte Sachverständige im Hinblick auf Sicherheit und ordnungsgemäße Wartung untersucht. Turnusmäßig würden zudem Steuerelemente, Rotorblätter, Triebstrang und alle weiteren sicherheitsrelevanten Verschleißteile geprüft.

In dem Artikel der „Welt“ führt das Blatt an, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu Schäden an Anlagen käme. Berichte würden vom windkraftkritischen Verein „Vernunftkraft“ gesammelt. Inzwischen umfasse die Liste der Windrad-Havarien mehrere DIN-A4-Seiten. Menschen seien allerdings bislang nicht zu Schaden gekommen. „Obwohl die rund 30.000 Windenergieanlagen in Deutschland systematisch gewartet und durch unabhängige Sachverständige begutachtet würden, lassen sich Schäden niemals ausschließen“, führt der BWE aus. Das würden auch Vorfälle in anderen Branchen zeigen. Große Havarien blieben trotzdem seltene Einzelfälle, die sich fast immer auf Unwetterereignisse zurückführen lassen. „Die Sicherheit der Windenergieanlagen ist gewährleistet – egal ob Neuanlage oder Altanlage“, so der BWE.

Dass der Bundesverband der deutschen TÜV im Bereich der Instanthaltung von Windenergieanlagen Wachstumspotenziale und Geschäftsmodelle erkennt, sei legitim. Die dabei angeschlagenen schrillen Töne seien dagegen unangebracht.

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