Windenergie

Windwärmespeicher beheizt ganzes Dorf

Ein Windpark in Nechlin (Brandenburg) wird an windigen Tagen nicht abgeschaltet, sondern der Strom in Form von Wärme gespeichert.

Nutzen statt Abschalten: Nach diesen Motto betreibt der Energiedienstleister Enertrag einen neuartigen Windwärmespeicher im Brandenburger Energiedorf Nechlin. Der erneuerbare

Strom aus einem benachbarten Windfeld in der Uckermark, der an besonders windigen Tagen entsteht und nicht in das Stromnetz eingespeist werden kann, wird zur Erhitzung des Wassers im Windwärmespeicher genutzt. Das Nahwärmenetz transportiert diese Wärme in die Häuser und kann so alte Öl- und Gasheizungen ablösen. Mit einem Windwärmespeicher wie in Nechlin können zukünftig zahlreiche Gemeinden und Städte mit erneuerbarer Wärme versorgt werden.

Bei Nechlin erzeugen 17 Windenergieanlagen jährlich etwa 70 Mio. Kilowattstunden CO₂-freien Strom. An besonders windreichen Tagen regelt der Netzbetreiber mehrmals monatlich die Anlagen ab. Insgesamt bleiben dadurch bis zu 5 Prozent des Windstroms ungenutzt.

Doppelter Nutzen bei Abschaltung im Winter

Die Windenergieanlagen werden besonders häufig im Winter abgeschaltet, wenn die Heizungen in den Häusern am meisten Wärme bereitstellen müssen. Jetzt springen bei drohender Abschaltung die Heizstäbe im Windwärmespeicher automatisch an. Das Windfeld ist direkt über ein Stromkabel mit dem Speicher verbunden. Dort wird mit Heizspiralen rund eine Million Liter Wasser auf bis zu 93 Grad Celsius erwärmt. Bei Bedarf wird das Warmwasser dann in das örtliche Nahwärmenetz abgegeben. Bei starkem Wind benötigt der Speicher nur wenige Stunden zum Aufheizen und kann das Dorf bis zu zwei Wochen vollständig mit Wärme versorgen. Dabei ist die Windwärme aus Nechlin nicht nur hundertprozentig CO2-frei, sondern auch deutlich günstiger als eine Ölheizung, betont Enertrag.

Vorbild für andere Dörfer und Städte an Windenergiestandorten

Der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie in Brandenburg, Hendrik Fischer, machte die Bedeutung des Windwärmespeichers für die Energiewende deutlich: „Der Speicher ist ein gutes Beispiel dafür, wie mittels der Power-to-Heat-Technologie überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien für die Wärmeversorgung genutzt werden. Er leistet einen Beitrag dazu, dass auch die Wärmewende endlich vorankommt.“

Umlagesystem macht Speicher unwirtschaftlich

Der Windwärmespeicher Nechlin ist Teil des WindNODE-Netzwerks und des SINTEG-Förderprogramms. Das Bundeswirtschaftsministerium hat für die Schaufensterprojekte rechtliche Sonderregeln geschaffen, ohne die der wirtschaftliche Betrieb des Windwärmespeichers unmöglich wäre. Unklar ist derzeit, wie es nach Ende des SINTEG-Programms Ende November 2020 mit der Windwärme in Nechlin weitergeht. Enertrag-Gründer Jörg Müller stellt dabei eine klare Forderung an die Politik: „Nur durch rechtliche Änderungen im EEG und bei der Stromsteuer können Millionen Menschen Zugang zu günstiger und CO2-freier Wärme bekommen. Es ist absurd, dass im Vergleich zu Öl und Gas auf Windwärme ein Vielfaches an staatlichen Abgaben zu zahlen ist. Dadurch verpufft wertvolle Energie ungenutzt.“

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