Photovoltaik

Zubau von 140 GW Solar-Dachanlagen bis 2030 möglich

Mit einem massiven Zubau von Photovoltaikanlagen könnte Deutschland seine Energie- und Klimaziele erreichen, zeigt eine neue Studie. Das könnte einen neuen Bürgerboom auslösen.

In den kommenden zehn Jahren ist ein massiver Ausbau insbesondere von Photovoltaikanlagen auf Dächern nötig und möglich. Bis 2030 kann vornehmlich mit Dachanlagen ein Zubau auf bis zu 140 Gigawatt Leistung realisiert werden. Mit diesem neuen Bürgerenergie-Boom würden die drohende Ökostromlücke verhindert und die Klimaschutzziele erreicht. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Studie, die das Analysehauses Energy Brainpool im Auftrag der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG erstellt hat.

Die Ausschöpfung des PV-Kleinanlagenpotenzials erfordert einen ambitionierten Zubaupfad, der von den heutigen 4 Gigawatt (GW) pro Jahr in 2019 auf 12 GW pro Jahr ab 2024 bzw. 14 GW pro Jahr ab 2027 ansteigt. In 2030 läge damit der Anteil der installierten Leistung von PV-Kleinanlagen bei 140 GW (zusammen mit Freiflächenanlagen läge die Leistung bei 170 GW). Dies bedeutet eine Verdreifachung des Anteils von PV-Kleinanlagen bis 2030. Aus Sicht der EWS – die sich seit über 20 Jahren für den Ausbau von bürgereigenen PV-Kleinanlagen engagieren – verdeutlicht die Studie, dass das derzeit brachliegende Potenzial unbedingt genutzt werden muss, um Energiewende und Klimaschutz endlich wieder Schwung zu verleihen.

Experten kritisieren Ausbauziele

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz mit anschließender Expertendiskussion in Berlin wurden die zentralen Ergebnisse der Studie mit Blick auf die anstehende Novelle des EEG beleuchtet. Große Einigkeit bestand darin, dass das enorme Potenzial der PV-Kleinanlagen genutzt werden sollte, es aber an den notwendigen Maßnahmen im vorliegenden Entwurf für die EEG-Novelle mangele. Besonders kritisierte die Expertenrunde die Annahmen der Bundesregierung über den Strombedarf in 2030 und die damit verbundenen zu geringen Erneuerbaren-Ausbauziele. Dies würde zu einer Diskrepanz zwischen Erzeugung und Bedarf führen, die derzeit unter dem Schlagwort Ökostromlücke diskutiert wird. Thorsten Lenck, Leiter Erneuerbare Energien beim Thinktank Agora Energiewende, hält die bisherige Prognose angesichts wachsender Elektromobilität und nötigem Ökostrom in Wärmesystemen für unzureichend: „Wenn der Nenner anwächst, muss auch der Zähler größer werden. Wir brauchen den Zubau von 10 Gigawatt jährlich eigentlich schon jetzt.“

Dach-PV als Schlüssel zur Energiewende

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), ist selbst davon überzeugt, dass im Bereich der Photovoltaik endlich ein Boom auf den Dächern nötig ist. Angesichts der europäischen Verschärfung des Klimaschutzziels im Rahmen des Green Deals müsse man die Ausbaupfade ohnehin noch einmal prüfen. „Das steht über allem: Wenn ich ein Ziel habe, muss ich einen Pfad haben, der dieses Ziel gewährleistet.“

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), schätzt das in der Studie angelegte Verhältnis von PV-Kleinanlagen zu anderen Erneuerbaren-Energien-Anlagen als realistisch ein. Dabei betont er, dass man natürlich auch Wind und andere Erneuerbare Quellen für die Energiewende benötige.

Neuer Solarboom notwendig

Die Notwendigkeit des massiven Zubaus von PV-Kleinanlagen unterstreicht auch Christian Rickerts, Staatssekretär im Berliner Senat für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Der von Energy Brainpool errechnete Zubau trifft die ambitionierten politischen Ziele des Berliner Senats. Dieser möchte die Solarleistung bis 2050 auf 4,4 GW Leistung ausbauen. „Wir müssen um das Vierzigfache besser sein als das, was wir aktuell haben“, meint Rickerts und fordert eine formelle Solar-Baupflicht für neue Gebäude, bei Dachsanierungen sowie Mieterstrom-Vereinfachungen. Schließlich sei Berlin zu 70 Prozent eine Mieterstadt.

Abschließend erinnerte EWS-Vorstand Sebastian Sladek daran, dass die Zeit für den Klimaschutz davonlaufe. Aus Sicht der EWS sollten daher alle tatsächlich verfügbaren Potenziale endlich genutzt werden. Die Studie verdeutliche dabei, dass ein zweiter Boom der dezentralen, bürgereigenen Energiewende machbar sei. „Und als Genossenschaftler sage ich: Was einer nicht schafft, schaffen viele.“


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