Für jeden Typ das beste Futter

Wie viel Potenzial steckt in der tierindividuellen Fütterung von Aufzuchtferkeln und Mastschweinen? Ein Verbundprojekt soll Klarheit bringen.

Egal ob im Deckzentrum, Warte- oder Abferkelstall: Sauen werden in der Regel einzeltierbezogen gefüttert. Wichtigstes Ziel der individuellen Futtervorlage ist es, die Sauen während der Trächtigkeit optimal in Kondition zu bringen und in den drei bis vier Wochen der Laktation in Topform zu halten. Entscheidend ist dabei, dass die Sauen nicht zu stark absäugen.

Künftig typbezogen füttern?

Die Einzeltierfütterung wäre auch in der Ferkelaufzucht, insbesondere aber in der Mast, von Vorteil. Denn passt man das Futter immer unmittelbar an den individuellen Bedarf an, sinken nicht nur die N-Ausscheidungen, sondern auch die NH3-Emissionen.

In der Praxis lässt sich die tierindividuelle Fütterung bei Gruppenhaltung jedoch viel schwieriger umsetzen als bei den Sauen. Weil die Schweine in Gruppen fressen, können einzeltierbezogene Merkmale wie die Futteraufnahmekapazität und der Typ (frohwüchsig oder nicht, mager oder fett) bei der Futterzuteilung nicht berücksichtigt werden. Auf vielen Höfen wird deshalb immer nur ein Teil der Tiere optimal versorgt, da sich alle Schweine einer Altersgruppe mit einer Durchschnittsmahlzeit begnügen müssen. Dabei zeigt sich:

  • Die zu gut versorgten Schweine verfetten schnell. Besonders Tiere mit hoher Futteraufnahmekapazität sind kaum zu bremsen, sie setzen schnell Fett an und nutzen daher die angebotenen Nährstoffe nicht optimal für ihr Wachstum. Das liegt u.a. daran, weil die Futterzusammensetzung weder die Höhe der tatsächlichen Futteraufnahme noch die Unterschiede im Zuwachs (u.a. Proteinbedarf) optimal berücksichtigt.
  • Tiere mit einer niedrigen Futteraufnahme wachsen im ungünstigsten Fall langsamer oder erreichen schlechtere Ergebnisse bei der Schlachtkörperklassifizierung. Das kann unter anderem daran liegen, dass den Tieren Energie fehlt und/oder der Proteingehalt der Ration nicht passt.

Die Durchschnittsfütterung führt dazu, dass die Nährstoffausscheidungen im Verhältnis zu dem, was an Zuwachs produziert wird höher ausfallen als sie müssten, weil insbesondere die „schlechten Futterverwerter“ die Ration nicht optimal verdauen.

Wie hoch die daraus resultierenden Nährstoffausscheidungen sein können, zeigt das folgende Beispiel: Ein Mastschwein verbraucht während der Mast bei nährstoffangepasster Fütterung und 90 kg Zuwachs im Schnitt 250 kg Alleinfutter. Laut aktuellem DLG-Leitfaden nimmt das Tier in dieser Zeit etwa 6 kg reinen Stickstoff auf. Davon werden nur rund 2,3 kg in Körpermasse überführt, die restlichen gut 60% werden über Kot und Harn ausgeschieden. Würde man die Fütterung stärker an den Tiertyp anpassen,...