Gaskrise – schlägt jetzt die Stunde für Biogas?

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine offenbart, wie krisenanfällig Deutschland aufgrund der Importabhängigkeit ist. Heimische Energien wie Biogas könnten Auftrieb bekommen. Doch die Politik setzt fast nur auf neue Importe.

Wie die Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 könnte auch der Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine ein Wendepunkt in der Energiepolitik werden: Während Fukushima das unkalkulierbare Risiko der Kernenergie offenbarte, zeigt der Konflikt mit Russland überdeutlich die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Gasimporten.

Aus Sorge vor einem Lieferstopp hat Wirtschaftsminister Robert Habeck Ende März erstmals die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. „Es gibt aktuell keine Versorgungsengpässe. Dennoch müssen wir die Vorsorgemaßnahmen erhöhen, um für den Fall einer Eskalation seitens Russlands gewappnet zu sein“, begründete er.

Starke Abhängigkeit

Die Sorge ist nicht unbegründet. Deutschland ist mit einem Gasimport von rund 85 Mrd. m3 der größte Erdgasnutzer der EU. Der Importanteil von russischem Gas liegt bei 55%. Damit gehört Deutschland zu den EU-Staaten mit der größten Abhängigkeit von Russland. Ein weiterer Knackpunkt: Deutschland besitzt bis dato keine Terminals in den Häfen, um Flüssiggas (Liquified Natural Gas, LNG) zu importieren. Während andere Länder nach der Annexion der Krim 2014 LNG-Terminals gebaut haben, hat Deutschland die Abhängigkeit von Russland mit dem Bau der Pipelines Nordstream I und II sogar erhöht, teilt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit.

Die Gaskrise sorgt jetzt dafür, dass die EU und Deutschland aufgeschreckt sind. Für weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland hat die EU-Kommission beispielsweise den Plan „RePowerEU“ entwickelt. Er beruht auf drei Säulen:

  • mehr Einfuhren von Erdgas von nichtrussischen Lieferanten,
  • Produktion und Einfuhr von Biomethan und Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen,
  • Einsparen von fossilen Brennstoffen durch mehr Energieeffizienz und mehr erneuerbare Energien in Wohn- und Geschäftsgebäuden, in der Industrie und im Energiesystem.

Mit den Maßnahmen im Rahmen des Plans „REPowerEU“ könnte Europa schrittweise mindestens 155 Mrd. m³ fossiles Gas einsparen; dies entspricht der Menge, die 2021 aus Russland eingeführt wurde.

„Der Ukrainekrieg hat ganz plötzlich dazu geführt, dass nachhaltig erzeugtes Biomethan aus Europa politisch zur Chefsache geworden ist“, erklärte Harmen Dekker, Geschäftsführer des Europäischen Biogasverbandes (EBA) aus Brüssel.

Potenzial in Europa

Die rund 20000 Biogasanlagen in Europa erzeugen heute ca. 17 Mrd. m3 Biogas zur Strom- und Wärmeproduktion sowie 3 Mrd. m3 Biomethan, also auf Erdgasniveau aufbereitetes Biogas. Laut EU-Kommission könnten die Anlagen bis 2030 etwa 35 Mrd. m3 Biomethan erzeugen, bis 2050 etwa 100 bis 160 Mrd. m3. „Das entspricht allein 30 bis 50% des künftigen...

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