Rasseschau als Spreader-Event

10 neue Geflügelpestausbrüche bei Kleintierhaltern in Mecklenburg-Vorpommern

"Eine derartige Situation hat es in unserem Land bisher noch nicht gegeben", sagt Till Backhaus. Nach einer Geflügelschau in Demmin ist es bei etlichen Hobbyhaltungen zu Vogelgrippe gekommen.

In zehn Geflügelbeständen in Mecklenburg-Vorpommern sind seit vergangenen Freitag amtlich bestätigte Geflügelpest-Fälle registriert worden. Nach Angaben des Landwirtschaftsministerium sind sie in den fünf Landkreise Nordwestmecklenburg, Rostock, Ludwigslust-Parchim, Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald festgestellt worden, berichtet der NDR.

Es handelt sich demnach in sechs Fällen um Hühner, in zwei Fällen um Gänse und in einem Fall um Enten. Zudem gibt es zahlreiche weitere Verdachtsfälle. Betroffen sind derzeit nur Hobby-Züchter, keine großen kommerziellen Geflügelbetriebe, heißt es.

Laut Agrarministerium wurden bislang 620 erkrankte Tiere getötet. Unter den Hobby-Züchtern sei die Stimmung angespannt, wenn nicht sogar katastrophal, zitiert der NDR den Landesvorsitzenden des Bundes der Rassegeflügelzüchter, Steffen Kraus. Bei einigen stehe das Lebenswerk auf dem Spiel, an dem einige 40 oder gar 50 Jahre gearbeitet haben, so Kraus bei NDR MV Live. Der Verband habe zu Spenden aufgerufen, um den betroffenen Züchtern zu helfen.

Landesverbandsschau in Demmin offenbar Spreader-Event

Der Ursprung der derzeitigen Häufung der Vogelgrippe-Fälle ist nach Ansicht des Landwirtschaftsministeriums vermutlich in der Landesverbandsschau der Rassegeflügelzüchter in Demmin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) zu suchen, wo sich vor neun Tagen offenbar ausgestellte Tiere infiziert haben.

Das Ministerium vermutet, dass sämtliche Regionen Mecklenburg-Vorpommerns betroffen seien könnten, da in Demmin 241 Aussteller aus dem ganzen Nordosten zusammengekommen waren. Mehrere weitere Geflügelschauen wurden deshalb am vergangenen Wochenende abgesagt.

Sorge vor erstem Ausbruch in Landwirtschaft

Agrarminister Dr. Till Backhaus reagiert betroffen: „Ich bin in großer Sorge um die Tierhaltung im Land und die Rassevielfalt. (…) Es besteht die Gefahr, dass das hochpathogene Virus in Nutztierbestände gelangt. Das muss unbedingt vermieden werden. Deswegen ist es nötig, Auffälligkeiten umgehend den Veterinerämtern zu melden. Eine derartige Situation hat es in unserem Land bisher noch nicht gegeben“, so Backhaus.

Nach derzeitiger Informationslage sind alle sechs Landkreise und die Stadt Rostock direkt oder indirekt von der Infektionslage betroffen, da bei der Geflügel­ausstellung in Demmin 241 Aussteller aus ganz Mecklenburg-Vorpommern vertreten waren.

„Die Alarmkette steht. Alle Drähte laufen bei uns zusammen“, erklärt Minister Backhaus. „Die zustän­digen Veterinärämter in den Landkreisen sind in ständigem Austausch und berichten dem Landes­krisenzentrum im Ministerium.“


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