Video aus Putenstall

Animals Rights Watch wirft ZDG-Vizepräsident Storck Tierquälerei vor

In einem neuen Tierrechtlervideo ist die Nottötung einiger Puten sowie die Ausstallung zu sehen. Medien griffen das am Dienstag bereitwillig auf. Wir haben nachgefragt bei Gut Jäglitz.

Mit einem neuen - heimlich erstellten Video – sorgt die Tierrechtsorganisation Animals Rights Watch aktuell für Aufmerksamkeit. Dieses Mal im Visier ist der Putenstall von Thomas Josef Storck, dem Vorsitzenden des Verbands Deutscher Putenerzeuger (VDP) und Vizepräsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG).

Wie die Aktivisten auf ihrer Homepage berichten, haben sie auf Video festgehalten, wie Mitarbeiter kranke Tiere erschlagen würden und auch mit den lebenden nicht zimperlich umgehen. Die Rede ist davon, dass Tiere „wie Fußbälle getreten“ würden; Arbeiter würden ihnen „aus Spaß Federn herausreißen“.

Die Aufnahmen sollen aus zwei Ställen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stammen. Laut den Tierrechtlern sei dies keine Ausnahme. Tote, kranke und verletzte Puten gehörten in jeder deutschen Mastanlage zum Alltag. Gelenkentzündungen, Knochenprobleme, Brustblasen, Federpicken, Kannibalismus und hohe Sterberaten seien direkte Folgen der in Deutschland üblichen Mastbedingungen, heißt es. Die betroffenen Tiere seien von vornherein als „Verluste“ einkalkuliert. Puten, die nicht transportfähig seien, würden noch im Stall erlöst.

In diesem Zusammenhang kritisiert Animal Rights Watch die Veterinärbehörden. Deren Kontrollen seien keine Lösung, sondern ein Teil des Problems Tierindustrie. So haben die Tierhaltungsgegner nach eigener Aussage auch zufällig solch eine Kontrolle auf Video bekommen. Sie soll nicht mehr als vier Minuten gedauert haben, in denen sich die Veterinäre kaum von der Stelle bewegten. Der Verein ist daher überzeugt, dass die Behörden gar nicht an effektiver Kontrollen interessiert seien und diese oft auch nicht gewollt sei.

Stellungnahme Gut Jäglitz GmbH, Garrel

Putenstall

Putenstall von Gut Jäglitz (Bildquelle: www.gutjaeglitz.de)

Da die Tierrechtler mit ihrem Material u.a. an den SPIEGEL gegangen sind und dieser am Dienstag per Meldung und -->Video umfangreich berichtete, hat der Fall bundesweit Aufmerksamkeit gefunden. Auf Anfrage von top agrar Online teilt die Betreiberfirma Gut Jäglitz GmbH & Co. KG Ostprignitz aus ihrer Zentrale in Garrel mit, dass auf den gezeigten Aufnahmen einer großen Herde Tiere in einem „sehr guten Zustand“ und „einwandfreien Haltungsbedingungen“ zu sehen seien.

Zu sehen seien weiter Nottötungen verletzter Tiere. „Die Videoaufnahmen des Mitarbeiters, der auf einzelne Tiere einschlägt, sind erschreckende, aus Sicht eines Putenhalters schlimme Bilder. Der Mitarbeiter (…) ist heute von uns verwarnt und freigesetzt worden, so dass er nicht mehr für die Tierbetreuung zuständig ist. Wir bedauern es sehr, dass die Tierrechtsgruppe und der Journalist (Anm. d. Red. „des Spiegels“) diese Aufnahmen nicht früher zur Verfügung gestellt haben, obwohl die Aufnahmen bereits Anfang November entstanden sein sollen. Sonst hätten wir schon früher handeln und den Mitarbeiter aus der Tierbetreuung abziehen können“, so die Verwaltung.

Sie weist weiter darauf hin, dass der Mann vorher sorgfältig ausgewählt und auch in der tierschutzgerechten Nottötung geschult worden sei. Wie in den Videos zu sehen, habe er die konkreten und detaillierten Handlungs- und Arbeitsanweisungen für solche Fälle missachtet.

Man sei in höchstem Maße betroffen und traurig, so die Firma weiter. Verärgert zeigt sich die Gesellschaft zudem über das am Ende des Videos zu sehende Verhalten von Mitarbeitern einer Fachfirma, die für die Ausstallung gebucht war. Auch dort seien die Mitarbeiter eigentlich fachlich geschult. Man habe die Firma um Prüfung gebeten.

Abschließend weist Gut Jäglitz darauf hin, dass einzelne, wenige verletzte Tiere keinen Rückschluss auf eine in ihrer Gesamtheit vermeintlich tierschutzwidrige Tierhaltung erlauben. „Nicht anders als auch beim Menschen lassen sich bei einer großen Zahl von Individuen einzelne Verletzungen nie ganz ausschließen. Wenn es daher in einer Stallung mit mehreren Tausend gesunden und vitalen Tieren drei oder vier verletzte Tiere mit frischen Verletzungen gibt, wie sie in den vom SPIEGEL verbreiteten Videoaufnahmen gezeigt werden, sind solche Bilder dieser wenigen Tiere gerade nicht als repräsentativ für den Zustand der gesamten Herde anzusehen“, so Gut Jäglitz, das alle Interessierten und Journalisten zu einer Stallbesichtigung einlädt.