Rheinische Post

Bundesregierung droht Brütereien mit gesetzlichem Verbot des Kükentötens

Sollte die Geflügelbranche weiterhin die Beendigung des Kükentötens nur halbherzig angehen, droht die Bundesregierung mit verbindlichen Ausstiegsfristen.

Die Bundesregierung droht den Brütereien in Deutschland mit einem gesetzlichen Verbot des Kükentötens, wenn sie nicht in absehbarer Zeit auf das Schreddern der männlichen Tiere verzichten. Über ihre Forderung nach einem konkreten Vorschlag der Wirtschaftsseite für einen abgestuften Ausstieg aus dem Töten der Eintagsküken habe Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zuletzt Mitte Oktober mit den "wesentlichen Beteiligten" gesprochen, teilte ihre Ministerium in einer Antwort auf eine schriftliche Frage der Grünen mit.

"Ein solcher Vorschlag liegt noch nicht vor", heißt es in dem Schreiben, das der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Mittwoch) vorliegt. Als Zeitpunkt für den vollständigen Ausstieg sei aber an Ende 2021 festzuhalten. Ferner heißt es: "Sollte sich der Prozess nicht wie erwartet fortsetzen, wird seitens der Bundesregierung der Erlass einer gesetzlichen Regelung zur Beendigung des Kükentötens mit verbindlichen Ausstiegsfristen nicht ausgeschlossen."

Allerdings hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, das Töten von Eintagsküken "bis zur Mitte der Legislaturperiode" zu beenden. Die Grünen-Politikerin Renate Künast sagte: "Die große Koalition bricht den eigenen Koalitionsvertrag, um den Interessen der Agrarindustrie erneut den Vorrang vor dem grundgesetzlich geregelten Tierschutz zu geben." Der im Grundgesetz verankerte Tierschutz werde immer wieder mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit und durch regelmäßig verlängerte Ausnahmen ausgehebelt. Das müsse Klöckner abstellen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Gerner

Knackpunkt: "Die Bundesregierung droht den Brütereien IN DEUTSCHLAND mit einem gesetzlichen Verbot"

Da weder die Verbraucher, noch die Wähler und erst recht nicht die Politiker die Zusammenhänge begreifen, wird folgendes eintreten: Ein striktes Schredderverbot wird in Deutschland Gesetz. Die deutschen Brütereien haben ab dann einen weiteren gravierenden Wettbewerbsnachteil. Also werden Eier eben ins benachbarte Ausland gekarrt, dort ausgebrütet, die unnützen Küken geschreddert und die benötigten wieder hergekarrt. Was bringt das dem Tierschutz? Was bringt das dem Küken? Nichts! Im Gegenteil! Nicht nur, dass dem Küken der Bruder genommen wird, sondern auch noch die Strapazen des Rücktransports aufgebürdet werden. Dazu das Risiko der Keimverschleppung. Oder wird gleich die ganze Produktion hinter die Grenze verlagert. Und dafür pendeln dann die LKW hin und her, mit all den negativen Auswirkungen (Luftverschmutzung, Lärm, CO², Überlastung der Straßen und Autohöfe...) --------------------------------------------------------------- Ein Verbot bringt dem Tier also nur dann effektiv etwas, wenn gleichzeitig der Import von Küken, Geflügel, Eiern und allen Folgeprodukten aus allen Ländern, die ein Schreddern erlauben, wirksam unterbunden wird. Das würden wir auch begrüßen. Hierbei wird aber weder die EU, noch die mächtige Welthandelsorganisation mitspielen.

von Gerd Schuette

Ein Verbot wird das Problem nur ins Ausland verlagern und die Küken fahren dann ein paar Kilometer mehr. Im Ergebnis ist zwar keinem Tier geholfen aber vielleicht können ein paar Wählerstimmen generiert werden.

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