Antwort auf FDP-Frage

Bundesregierung gibt ausführlich Auskunft zu Antibiotikaresistenzen

Auf Anfrage der FDP hat die Bundesregierung ausführlich Zahlen zur Häufigkeit und Verbreitung von Keimen und antibiotikaresistenten Krankheitserregern geliefert. Hier ein Auszug...

Bei der Antibiotikaanwendung in der Geflügelmast sieht die Bundesregierung noch Optimierungsbedarf.

Die verantwortlichen Wirtschaftsbeteiligten sollten geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit und zur Vermeidung bakterieller Infektionen in Geflügelbeständen systematisch und kontinuierlich ergreifen, um die Voraussetzungen für eine dauerhafte Reduktion des Antibiotikaeinsatzes zu schaffen, heißt es in einer Antwort auf Anfrage der FDP.

Das Bundesagrarministerium stehe deshalb im intensiven Dialog mit den beteiligten Branchen. Mit der Geflügelwirtschaft sei verbindlich vereinbart worden, dass diese in den kommenden zwei Monaten Maßnahmen vorlegt, die zu einer signifikanten Reduktion des allgemeinen Antibiotikaeinsatzes sowie insbesondere des Einsatzes von Reserveantibiotika führen sollen.

Vollständige Antwort

Resistenzentwicklung bei Bakterien Escherichia (E.) coli

E. coli sind in praktisch jeder Kot- oder Blinddarminhaltprobe von warmblütigen Tieren nachweisbar und werden deshalb häufig als Indikatorkeim für die Resistenzsituation bei Tieren verwendet. Zur Entwicklung der Resistenz von E. coli bei Masthühnern, -puten, -schweinen und -kälbern zeigen folgende Abbildungen, dass sich im Laufe der Jahre der Anteil gegen alle Substanzen empfindlicher Isolate in allen Populationen tendenziell erhöhte.

Resistenz von E. coli aus Kotproben von Masthähnchen und Mastputen im Bestand – Anzahl der Resistenzen. (Bildquelle: Bundesregierung)

Resistenz von E. coli aus Kotproben von Mastschweinen (Schw.) und Mastkälbern (Kalb) im Bestand (Best.) und am Schlachthof (SH) – Anzahl der Resistenzen. (Bildquelle: Bundesregierung)

Selektiver Nachweis Cephalosporin-resistenter E. coli (ESBL/AmpC-Verdacht)

Mittels selektiver Nachweisverfahren lassen sich Cephalosporin-resistente E. coli mit größerer Empfindlichkeit nachweisen, da das Wachstum nicht-resistenter Organismen unterdrückt wird. Die Ergebnisse dieses Nachweisverfahrens müssen daher separat betrachtet werden. Abbildung 3 zeigt die Ergebnisse solcher selektiver Untersuchungen, die seit 2013 im Rahmen des Zoonosen-Monitorings durchgeführt werden. Zeitliche Trends sind hier noch schwer abzuschätzen, da die jeweiligen Populationen bisher höchstens zweimal untersucht wurden.

Nachweis Cephalosporin-resistenter E. coli mit selektiven Nachweisverfahren in verschiedenen Lebensmittelketten seit 2013 im Zoonosen-Monitoring (Bildquelle: Bundesregierung)

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)

MRSA wurden in den untersuchten Tierbeständen in den letzten Jahren in unterschiedlicher Häufigkeit nachgewiesen. Besonders hohe Nachweisraten wurden in Schweinbeständen gefunden, gefolgt von Mastputen- und Mastkälberbeständen. In Mastrinderbeständen und Milchrindbeständen wurden MRSA seltener nachgewiesen, wobei der Nachweis in Milchviehbeständen sich zwischen den ersten Un-tersuchungen in 2009/2010 und 2014 deutlich erhöhte.

Anteil MRSA-positiver Staub-/Kot-/Sockentupfer bzw. Milchproben aus Tierbeständen seit 2009 (Bildquelle: Bundesregierung)

Campylobacter (C.) spp. bei Geflügel

Sehr häufig werden bei allen Tierarten Campylobacter spp. im Darm nachgewiesen. Allerdings wurden nur vom Huhn und der Pute regelmäßig Isolate gewonnen und auf ihre Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen untersucht, weil dem Geflügel eine erhebliche Bedeutung als Quelle von Campy-lobacter-Infektionen des Menschen beigemessen wird.

Aufgrund von Unterschieden im Resistenzniveau sind C. jejuni und C. coli getrennt zu betrachten. Während Resistenzen gegenüber Tetrazyklin und Erythromycin insbesondere bei der Pute eher zurückgingen, nahm die Resistenz gegenüber den (Fluor-)chinolonen Ciprofloxacin und Nalidixinsäure vor allem bei C. jejuni sowohl bei Puten als auch bei Masthähnchen eher zu. Die Zahl gegenüber allen Testsubstanzen empfindlicher Isolate veränderte sich nicht signifikant.

Resistenz von C. coli und C. jejuni aus Blinddarmproben von Masthähnchen am Schlachthof gegenüber antimikrobiellen Substanzen – Anzahl der Resistenzen. (Bildquelle: Bundesregierung)

Resistenz von C. coli und C. jejuni aus Blinddarmproben von Mastputen am Schlachthof gegenüber antimikrobiellen Substanzen – Anzahl der Resistenzen. (Bildquelle: Bundesregierung)

Resistenzentwicklung bei Tierpathogenen

Bei Escherichia (E). coli-Isolaten von Kalb und Jungrind, isoliert aus Enteritis-Infektionen, zeigten sich 2017 kaum Veränderungen im Vergleich zum Studienjahr 2006/2007. Die Resistenzraten lagen bei Wirkstoffen, für die klinische Grenzwerte vorlagen, zwischen 76 % (Ampicillin) und 16 % (Amoxi-cillin/Clavulansäure).

Die Resistenzraten für E.coli-Isolate von Schweinen mit einer Enteritis lagen zwischen 63 % für Ampicillin und 3 % für Amoxicillin/Clavulansäure. Für die Wirkstoffe Tetrazyklin (56 % vs. 78 %) und Trime-thoprim/Sulfamethoxazol (51 % vs. 46 %) wurden bei dieser Tierart für das Studienjahr 2017 niedrigere Resistenzraten ermittelt als für das Vergleichsstudienjahr 2005/2006.

Auch bei E. coli-Isolaten vom Masthähnchen haben sich die Resistenzraten im Verlauf von 10 Jahren nur wenig verändert. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nur wenige Isolate eingesandt wurden, so dass die Resistenzdaten nur Hinweise liefern können.

Für die Wirkstoffe Tetrazyklin (26 % vs. 23 %) und Trimethoprim/Sulfamethoxazol (20 % vs. 13 %) wurden höhere Resistenzraten für das Studienjahr 2017 ermittelt als für das Vergleichsjahr 2008.

Bei der Pute zeigten die Wirkstoffe Ampicillin (46 % vs. 62 %), Tetrazyklin (26 % vs. 70 %) und Trimethoprim/Sulfamethoxazol (13 % vs. 37 %) niedrigere Resistenzraten für 2017 als im Studienjahr 2006/2007. Bei Enrofloxacin hingegen stieg im Laufe der Studienjahre die Resistenzrate von 2 % auf 7 % an.

Zugelassene Reserveantibiotika für Tiere

Für die folgenden Wirkstoffklassen und Wirkstoffe sind Zulassungen für Tierarzneimittel vorhanden:

  • Cephalosporine 3. Generation: Cefoperazon, Cefovecin, Ceftiofur
  • Cephalosporine 4. Generation: Cefquinom
  • Fluorchinolone: Danofloxacin, Enrofloxacin, Marbofloxacin, Orbifloxacin, Pradofloxacin
  • Makrolide: Gamithromycin, Spiramycin, Tildipirosin, Tilmicosin, Tulathromycin, Tylosin, Tylvalosin
  • Polymyxine: Colistin (Polymyxin E), Polmyxin B

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Anteil der Erreger auf Fleisch, Fischprodukten und Gemüse

Fleisch: Escherichia (E.) coli

Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings wurde die Resistenz von E. coli aus dem Fleisch vieler Tierarten untersucht. Die Abbildungen zeigen, gegen wie viele Antibiotika die untersuchten Isolate von Hähnchen-, Puten-, Kalb- und Schweinefleisch resistent waren.

Anteil der Isolate von E. coli aus Hähnchenfleisch und Putenfleisch, die gegen keine bzw. mehrere der untersuchten Antibiotika resistent waren. (Bildquelle: Bundesregierung)

Anteil der Isolate von E. coli aus Kalbfleisch und Schweinefleisch, die gegen keine bzw. mehrere der untersuchten Antibiotika resistent waren (Bildquelle: Bundesregierung)

Selektiver Nachweis Cephalosporin-resistenter E. coli

Bei der Untersuchung von Fleisch wurden solche Bakterien bisher vor allem auf Geflügelfleisch nachgewiesen, während der Nachweis auf Rind- und Schweinefleisch seltener gelang.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)

Auch MRSA wurden bisher besonders häufig auf Puten- und Hähnchenfleisch nachgewiesen, während der Nachweis auf Schweine-, Rind- und Kalbfleisch seltener gelang.

Anteil MRSA-positiver Proben von frischem Fleisch unterschiedlicher Tierarten im Zoonosen-Monitoring 2009–2017 (Bildquelle: Bundesregierung)

Campylobacter (C.) spp.

Campylobacter (C.) spp. werden häufig in Hähnchen- und Putenfleischproben nachgewiesen, während Fleisch von Schweinen und Rindern seltener kontaminiert ist. In den letzten Jahren waren ca. 51,8 % der Proben von Hähnchenfleisch (2017) und 15,9 % der Proben von Putenfleisch (2016) im Einzelhandel positiv für Campylobacter spp.. Die folgenden Abbildungen zeigen die Resistenz von C. coli und C. jejuni aus Hähnchen- und Putenfleisch im Einzelhandel gegenüber antimikrobiellen Substanzen. Es zeigte sich bei den Isolaten aus Hähnchenfleisch ein Rückgang des Anteils gegen alle Testsubstanzen sensibler Isolate. Bei Isolaten aus Putenfleisch zeigte sich keine deutliche Veränderung.

Resistenz von C. coli und C. jejuni aus Hähnchenfleisch gegenüber antimikrobiellen Substanzen. Anzahl der Substanzklassen, gegen die die Isolate resistent waren (Bildquelle: Bundesregierung)

Resistenz von C. coli und C. jejuni aus Putenfleisch gegenüber antimikrobiellen Substanzen. Anzahl der Substanzklassen, gegen die die Isolate resistent waren (Bildquelle: Bundesregierung)

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Stimmen

Carina Konrad, FDP: „Im Kampf gegen resistente Erreger müssen Human- und Veterinärmedizin unbedingt verantwortungsvoll zusammenarbeiten. Das Ziel muss sein, den Antibiotikaverbrauch weiter zu minimieren und Reserveantibiotika ausschließlich im Humanbereich einzusetzen. Die Bundesregierung muss endlich aus ihrer Innovationslethargie herauskommen und staatliche Forschungseinrichtungen stärker fördern.“

Friedrich Ostendorff, Agrarsprecher der Grünen: "Die Ergebnisse der Evaluierung des Antibiotikaminimierungskonzepts geben keinen Grund zur Entwarnung: Die Situation bei den besonders kritischen Wirkstoffklassen ist dramatisch. 40 % der Antibiotika in der Geflügelhaltung gehören zu den so genannten Reserveantibiotika. Die Bundesregierung hat außerdem Hinweise darauf, dass Colistin illegal in hohem Maß eingesetzt wird. Landwirtschaftsministerin Klöckner muss endlich handeln und die Geflügelmast in gesunde Bahnen lenken. Ein erneutes Leugnen und Verschleppen von Problemen wie bei der Dünge-Verordnung kann keiner gebrauchen, der die Landwirtschaft in eine gute Zukunft führen will."

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Der EsRAM-Forschungsverbund hat diese Woche seine Ergebnisse zur Antibiotikaresistenzen-Forschung bei Mastgeflügel vorgestellt.

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Die deutschen Schweinehalter haben zwischen 2014 und 2017 rund 43 % weniger Antibiotika eingesetzt. Laut einem Bericht des BMEL wurden die Erwartungen damit aber nicht erfüllt.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Restistenzen beim Menschen?

Gibt es auch ähnliche Zahlen für die Resistenzentwicklung beim Menschen. Das wäre hochinteressant. Nach Zeitungsberichten hat man eher das Gefühl, die Probleme beim Menschen nähmen immer mehr zu. In den Tierbeständen scheint es relativ stabil zu sein bis hin zu vielfacher Verbesserung

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