Grüne Woche

Deutschland und Frankreich steigen aus dem Kükentöten aus

Julia Klöckner spricht sich dafür aus, alle derzeit bestehenden Alternativen zum Kükentöten zu fördern. Leider liege das Aufnahmepotential des Marktes für Bruderhähne nur bei 5 Mio. Küken pro Jahr.

Deutschland und Frankreich haben sich als Ziel gesetzt, das Kükentöten bis Ende des Jahres 2021 zu beenden. Das erklärten Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihr französischer Kollege Didier Guillaume in Berlin.

Den Landwirtschaftsministern zufolge hat Deutschland bereits 8 Mio Euro in die Forschung zu Alternativen des Kükentötens investiert, Frankreich 4,5 Mio Euro. So seien beispielsweise zwei Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei entstanden, wovon eine bereits in der Praxis erprobt werde.

Klöckner sprach sich dafür aus, alle derzeit bestehenden Alternativen zu fördern, die das Kükentöten beenden könnten. Neben der Geschlechtserkennung im Ei seien dies die Aufzucht männlicher Tiere und die Nutzung von Zweinutzungsrassen. „Kein Aussortieren ist unter ethischen Gesichtspunkten das bessere Verfahren“, betonte die Ministerin. Allerdings liege das Aufnahmepotential des Marktes für Bruderhähne laut Berechnungen ihres Ministeriums nur bei 5 Millionen Küken im Jahr; getötet würden jedes Jahr indes rund 45 Millionen Küken.

Diese Maßnahme allein reiche daher nicht aus. Guillaume betonte die Bereitschaft der französischen Geflügelzüchter, um an tragfähigen Lösungen mitzuarbeiten.

Geflügelbranche zieht mit

Unterstützung bekamen sie unter anderem vom Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Dessen Präsident Friedrich-Otto Ripke gab jedoch zu bedenken, dass der Ausstieg eine „erhebliche Kraftanstrengung“ bedeute.

Ripke kündigte den Aufbau einer gemeinsamen Branchenplattform der deutschen Geflügelwirtschaft mit ihren Partnern aus dem Lebensmitteleinzelhandel und den an der Forschung und Entwicklung beteiligten Unternehmen an, um kükentötenfreie Lieferketten anbieten zu können.

Einem nationalen Gesetz für ein Verbot des Kükentötens in Deutschland erteilte der ZDG-Präsident indes eine Absage, weil damit das Problem lediglich ins Ausland verlagert würde. Erforderlich sei stattdessen eine verbindliche europaweite Regelung. „Wir wollen einen echten Ausstieg so schnell wie möglich“, betonte Ripke. Er appellierte an die Ressortchefin, den Lösungswillen der Wirtschaft im Schulterschluss mit dem Lebensmitteleinzelhandel und den an der praktischen Umsetzung beteiligten Unternehmen anzuerkennen.

Welche Zwischenetappen notwendig sind, um den Ausstieg bis 2021 zu schaffen, soll laut Klöckner in regelmäßigen weiteren Treffen von Experten aus Deutschland und Frankreich erarbeitet werden. Die beiden Agrarminister sehen sich eigenen Angaben zufolge als Vorreiter in der EU und wollen eine europaweite Regelung voranbringen. Beim nächsten Agrarrat solle das Thema auf der Tagesordnung stehen wie auch während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.


Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Und, wo werden die armen Tiere hin Exportiert?

Die Wissenschaft muss sich anstrengen, um das Ganze im Griff zu bekommen! Das sehen wir uns an, da wartet ganz DE drauf!

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