Seuche grassiert weiter

Geflügelpest in Polen und Dänemark veranlasst weitere Keulungen

Während es bei uns noch relativ ruhig ist bei der Geflügelpest, melden unsere Nachbarländer große Ausbrüche in Ställen. In Polen sind die Geflügelpreise drastisch eingebrochen.

Während sich die Lage in Deutschland zwischenzeitlich etwas beruhigt hat, mussten in der vergangenen Woche in Dänemark und Polen weitere Nutztierbestände wegen der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) gekeult werden.

In Dänemark war nach Angaben der dortigen Veterinär- und Lebensmittelbehörde ein Hühnerbestand mit rund 700 Tieren in Jütland betroffen. Dort seien im Rahmen der seuchenrechtlichen Vorschriften die Keulung der Herde und die Ausweisung von Sperr- und Beobachtungszonen angewiesen worden.

In Polen bestätigte die Oberste Veterinärbehörde einen Seuchenfall in einem Putenmastbetrieb in der Wojewodschaft Masowien. Hier müssen mehr als 34.000 Tiere getötet werden. Es handelt sich um den zweiten Seuchenfall in einem Nutztierbestand in dieser Region. Landesweit wurden in diesem Herbst bereits sechs Ausbrüche verzeichnet, wegen denen insgesamt mehr als eine Million Nutztiere gekeult werden mussten.

Unterdessen hat die Geflügelpest auch in Frankreich die ersten landwirtschaftlichen Betriebe erreicht. Wie das Pariser Landwirtschaftsministerium berichtete, wurde der H5N8-Subtyp des Virus zunächst in einer Entenmast mit 6.000 Tieren in der Gemeinde Benesse-Maremne im Südwesten des Landes nachgewiesen. Der gesamte Bestand des betroffenen Betriebs wurde vorsorglich gekeult. Um das Gelände seien eine Schutzzone mit einem Radius von 3 km sowie im Umkreis von 10 km eine Beobachtungszone eingerichtet worden; zudem gälten strenge Hygienevorschriften, teilte das Agrarressort mit.

Kurze Zeit später wurde das Virus in 15 km Entfernung in einer weiteren Entenmast gefunden, die Behörden vermuten einen Zusammenhang mit dem ersten Nachweis.

Auch bei Wildvögeln gab es neue Nachweise. Laut Ministerium wurden tot aufgefundene Gänse und Schwäne in den Départements Loire-Atlantique und Merthe-et-Moselle postitiv auf das Virus getestet. Dies galt ebenso für Deutschland, wo das Virus nach Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) erstmals bei fünf Höckerschwänen in Hessen bestätigt wurde.

Preise eingebrochen

Die polnische Geflügelwirtschaft steht nicht nur wegen der sich ausbreitenden Geflügelpest unter erheblichem Druck. Darüber hinaus muss auch sie mit den wirtschaftlichen Folgen der anhaltenden Corona-Pandemie fertigwerden.

Ökonomen zufolge erlebt Polen aufgrund der damit verbundenen Einschränkungen die erste Rezession seit fast 30 Jahren. Die Erzeugerpreise für Geflügelfleisch sind nach Angaben des Verbandes der polnischen Geflügelproduzenten drastisch eingebrochen. Inzwischen erzielten beispielsweise Hähnchenmäster bei Produktionskosten von umgerechnet 0,80 €/kg im Verkauf oft weniger als 0,45 €/kg.

Der Verband warnte deshalb vor zahlreichen Insolvenzen in der Geflügelproduktion und erneuerte seine Bitte an die Politik, die Branche mit schnellen finanziellen Hilfen zu unterstützen. Im vergangenen Jahr wurden in Polen 2,59 Mio t Geflügelfleisch erzeugt; damit war das Land der größte Geflügelfleischproduzent in der EU.

Mettenleiter warnt vor trügerischer Ruhe

Thomas Mettenleiter

Thomas Mettenleiter (Bildquelle: Beckhove/FLI)

Thomas Mettenleiter, Präsident des staatlichen Friedrich-Loeffler-Instituts, warnte indes im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass jederzeit mit weiteren Ausbrüchen der Krankheiten zu rechnen sei.

"Der Vogelzug ist jetzt weitestgehend abgeschlossen. Für Entwarnung ist es aber zu früh." In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass sich Zugvögel bei Kälteeinbrüchen schnell wieder in Bewegung setzten und so das Virus einschleppen könnten. Zudem sei der Erreger mittlerweile auch in heimischen Vögeln zu finden. "Wir müssen also mit weiteren Einträgen auch in Ställe rechnen."

Zehntausende Legehennen, Puten, Gänse und Enten aus betroffenen und angrenzenden landwirtschaftlichen Betrieben besonders in Mecklenburg-Vorpommern waren zuletzt getötet worden. Mettenleiter verteidigte in der "NOZ" die Tötungen als "geeignetste Maßnahme" zur Seuchenbekämpfung: "Das Ziel ist, weder kranke Tiere noch den Erreger selbst in den Ställen zu haben. Und da ist die Keulung immer noch das beste Mittel."

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