Kommentar

Kükentöten: (K)eine Lösung für Hähne

Deutschland plant ab 2022 ein Verbot des Kükentötens. Bei diesem Thema stehen sich Tierwohl und Nachhaltigkeit gegenüber. Ohne Kompromisse geht es nicht, denn die eine Lösung wird es nicht geben.

Als ich vor 25 Jahren im Rahmen meiner Diplomarbeit in einer Brüterei arbeitete und durch eine Tür zum Hinterhof lugte, fuhr mir der Schreck in die Glieder. Unzählige Küken piepsten in einer Tonne, die gerade mit CO2 befüllt wurde. Auch wenn dieses Erlebnis bei mir einen bleibenden Eindruck hinterließ – damals nahm auch ich das Töten als systemgegeben hin.

Heute wird zum Glück nicht mehr weggeschaut. Deutschland plant ab 2022 ein Verbot des Kükentötens – und das im Alleingang. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Juni 2019 steht das Ziel fest. Auch Handelsunternehmen überbieten sich in Hochglanzprospekten mit Bekenntnissen zum Verzicht auf das Kükentöten. Wie das allerdings genau gehen kann, ist unklar.

In den 1950er-Jahren begann die Spezialisierung in der Hühnerzucht. Aus ehemaligen Rassehühnern entstanden Hybridzüchtungen. Masttiere zur Fleischerzeugung können männlich oder weiblich sein. Hähne legen jedoch bekanntlich keine Eier. Und Hähne aus Legehennenlinien setzen zudem kaum Muskeln an. Sie benötigen viel Futter und verbrauchen Ressourcen. Die Zeit bis zur Schlachtung ist lang. Kurzum: Die Aufzucht ist ineffizient und unrentabel.

Kleineren Initiativen gelingt inzwischen die ­Aufzucht und Vermarktung dieser sogenannten Bruderhähne. Im großen Stil funktioniert der künstlich geschaffene Markt allerdings nur mit Lohnmast. Stallplätze für 45 Mio. Hähne sind in Deutschland aber nicht zu realisieren. Hinterfragt werden muss, wo all das Fleisch dieser ­Hähne bleibt.

Das Zweinutzungshuhn wird von den Bioverbänden favorisiert, fristet aber ein Nischendasein. Bleibt noch die Geschlechtsbestimmung im Ei. Obwohl diese bislang mit 5 Mio. € gefördert wurde, gibt es derzeit noch kein Verfahren, das auch nach 2024 angewendet werden darf. Funktionierende Tests erfolgen in einer Zeitspanne, in der unklar ist, ob der Embryo schon Schmerz empfindet. Hintergründe erfahren Sie in unserem Einblick. Mit dem auf den Tag genau definierten Gesetz will Julia Klöckner einer erneuten Ethikdiskussion vorbeugen.

Tierwohl und Nachhaltigkeit stehen sich beim Thema Kükentöten gegenüber. Ohne Kompromisse geht es nicht, denn die eine Lösung wird es nicht geben.


Diskussionen zum Artikel

von Wilfried Brade

Danke, Herr Schmidbauer für ihren wertvollen Kommentar, aber

ist dies nicht nur ein weiteres Beispiel für die aktuelle Agrarpolitik in D. Ich darf den berühmten Agrarökonomen aus Göttingen, den Herrn Spiller (natürlich ohne landwirtschaftliche Ausbildung wie viele seiner Kollegen), und der hier das BMEL seit Jahren erfolgreich berät, ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Kükentöten läuft wie Corona-Politik

Man hat ein Ziel, weiss aber nicht, wie man es umsetzen soll. Und dann wird herumgehampelt, Beschlüsse gefaßt, die so unbedacht sind, wie eben Schwarm-Dummheit nur sein kann. Es fehlt ein echtes Konzept, das umsetzbar ist, es wird rein auf Hoffnung gesetzt, die Wissenschaft wird schon ... mehr anzeigen

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