Der Kampf ums Ei

Otte-Kinast sieht „Meilenstein beim Ausstieg aus dem Kükentöten“ erreicht

Forscher machen bei dem optisch-spektroskopischen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei weiter Fortschritte, lobt Barbara Otte-Kinast. Werbeaussagen von Aldi irritieren allerdings die Branche.

Während die Verbraucherorganisation foodwatch gegen eine aus ihrer Sicht irreführende Aldi-Kampagne zum Kükentöten klagt, arbeiten Wissenschaftler und Unternehmen an der Entwicklung von tierschutzgerechten Alternativen.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bezeichnete am vergangenen Mittwoch in Hannover ein entsprechendes Projekt der Technischen Universität (TU) Dresden und der Visbeker Firma Agri Advanced Technologies (AAT) als „Meilenstein beim Ausstieg aus dem Kükentöten“.

Das Agrarressort fördere das Vorhaben bis Ende 2022 mit insgesamt 248.000 €. Ziel sei es, ein optisch-spektroskopisches Verfahren zur Geschlechtsbestimmung vor dem siebten Bebrütungstag im Hühnerei zu entwickeln und zur Praxisreife zu führen. Ab diesem „kritischen“ Tag beginne nämlich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen das Schmerzempfinden des Hühnerembryos.

„Aufgrund der hohen Tierzahlen sehe ich Niedersachsen besonders in der Verantwortung, beim Ausstieg aus dem Töten der männlichen Küken der Legelinien voranzugehen“, sagte die Ministerin. Laut dem Projektleiter an der TU Dresden, Prof. Gerald Steiner, soll die Übertragung der optisch-spektroskopischen Geschlechtsbestimmung in die Praxis der Brütereien ein Erfolg für den Tierschutz werden.

AAT-Geschäftsführer Jörg Hurlin zufolge geht es auch um die Entwicklung einer Automatisierung, die den hohen Ansprüchen einer modernen Brüterei hinsichtlich der Messgenauigkeit und des Durchsatzes gerecht wird. Der vom Bundeslandwirtschaftsministerium angekündigte Termin für den Ausstieg aus Verfahren, die die Geschlechtsbestimmung erst nach dem sechsten Bruttag leisten, ist der 1. Januar 2024.

Verarbeitete Ware nicht berücksichtigt

Unterdessen hat die Verbraucherorganisation foodwatch das Handelsunternehmen Aldi Nord wegen aus ihrer Sicht irreführender Werbeversprechen zum Kükentöten verklagt. Auf seinen Internetseiten behaupte der Discounter, „als erster Lebensmittelhändler“ das Kükentöten zu „beenden“.

foodwatch bezeichnete die Werbung als Verbrauchertäuschung, weil sich das Unternehmen mit dem Versprechen lediglich auf sein Sortiment der Schaleneier beziehe, nicht aber auf Eier, die für verarbeitete Produkte wie Nudeln und Fertiggerichte verwendet würden. Zudem kritisierte die Organisation, dass Aldi Nord das Kükentöten - anders als die Werbung suggeriere - noch lange nicht abgeschafft habe. Vielmehr habe das Unternehmen lediglich das Ziel ausgegeben, diese Praxis bis spätestens Ende 2022 zu beenden.

foodwatch-Strategiedirektor Matthias Wolfschmidt erklärte, dass Aldi Nord den Wunsch der Verbraucher nach mehr Tierschutz schamlos ausnutze und vollmundige Versprechen mache, die nicht gehalten werden könnten könne. foodwatch mahnte auch die Handelskette Lidl für ihre „Kükentöten-Kampagne“ ab.

Der Discounter hatte in Werbeprospekten und auf einer Internetseite unter dem Titel „Schluss mit Kükentöten“ versprochen, dass man mit diesem Verfahren „jetzt Schluss“ mache. foodwatch kritisierte hier, dass sich Lidl dabei lediglich auf die schrittweise Umstellung seines Schaleneiersortiments beziehe. Das Unternehmen stoppte auf die Abmahnung hin die betreffende Werbung.

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