Geschlechtsbestimmung im Ei zu spät?

Streit: Wann spürt der Küken-Embryo im Ei Schmerz?

Zwischen Fachleuten und Tierschützern ist ein Streit entbrannt, ab wann ein Küken im Ei Schmerz empfindet. Hintergrund ist die neue endokrinologische Geschlechtsbestimmung per SELEGGT-Methode ab dem 9. Tag. Das Argument: Das Kükentöten geht unvermindert weiter, wenn männliche Eier anschließend einfach entsorgt werden.

Seit Jahren wird die Geschlechtsbestimmung von Hühnerküken im Ei als Lösung des Tötens von männlichen Küken präsentiert. In den Medien interessiert aufgenommen wurde vor einiger Zeit das von der Firma SELEGGT eingesetzte endokrinologische Verfahren zur Geschlechtsbestimmung, an dem der Handelskonzern Rewe beteiligt ist.

Generell habe die Regierung aber bei den derzeit in Frage kommenden Alternativen wie Bruderhähne, Zweinutzungshühner und Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei keine Präferenz und folglich auch keine Ziele in Bezug auf deren Marktanteile. Sie ist jedoch der Ansicht, dass sich das Kükentöten in der Breite am schnellsten durch die Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei beenden lassen dürfte.

Womit jetzt keiner gerechnet hat, ist Kritik von Tierschützern an der Untersuchung. So könne von Respekt vor der Kreatur keine Rede sein, meint Inga Günther, Geschäftsführerin des Verbands Ökologische Tierzucht laut der Süddeutschen Zeitung. 21 Tage werde ein Ei bebrütet, an Tag neun werde bei der In-ovo-Methode "gesext", also nach Geschlecht selektiert. "Es ist erwiesen, dass Hühnerembryonen ab dem siebten Tag bereits ein Schmerzempfinden haben", sagt Günther. "Das Tier lebt, es muss fachgerecht getötet werden."

Auch Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, ist der Ansicht, dass die Küken im Ei Schmerz empfinden. „Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist als kurzfristige Lösung zur Vermeidung des Kükentötens akzeptabel, sofern ein Schmerzempfinden des Embryos sicher ausgeschlossen werden kann. Das ist bei der von Frau Klöckner viel gepriesenen endokrinologischen SELEGGT-Methode aber nicht der Fall, da die Eier zuvor bereits acht bis zehn Tage bebrütet werden. Wenn das Küken im Ei dann tatsächlich Schmerzen empfindet, macht es keinen großen Unterschied, ob es vor oder nach dem Schlupf getötet wird“, sagte sie.

Rusche schlägt vor, stattdessen alle Bemühungen darauf auszurichten, die spektroskopische Geschlechtererkennung im Ei voranzubringen und diese Methode, die bereits früher - am vierten Bruttag - angewandt werden kann, zügig zur Serienreife zu bringen.

Klar müsse aber auch sein, dass die Geschlechtsbestimmung im Ei nur eine technische „Lösung“ sei, die das grundsätzliche Problem, nämlich die extrem spezialisierte Zucht auf Lege- bzw. Mastleistung bei den Hühnern, nicht löst. „Als einzige langfristige Lösung kommt daher nur eine Rückkehr zu Zweinutzungshühnern in Frage“, so Rusche.

Stimmt nicht, kontert die Leipziger Forscherin Almuth Einspanier, die die SELEGGT-Methode entwickelt hat. "Es ist sicher belegt, dass es ab dem elften Tag ein Schmerzempfinden gibt, vorher nicht." Eine Lösung in dem Streit ist nicht in Sicht - und auch keine preisgünstige Hühnersorte, bei der beide Geschlechter sich gleichermaßen nützlich machen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Kommentare!

Nimmt man alle 5 vorherigen Kommentare zusammen, so denke ich, ist alles gesagt. Sicherlich, die Tierschützer haben zumindest in einem Punkt Recht, das Problem ist die spezialisierte Zucht. Aber warum lösen sie es nicht? Müssen sie halt mal auch den Kunden überzeugen ihr Bruderhahnkonzept besser anzunehmen und diese Hähnchen auch zu kaufen. Aber anscheinend hört sich beim Geld wieder mal, wie so oft, die Freundschaft auf, bzw. trennt sich die Spreu vom Weizen.

von Harald Finzel

"Womit jetzt keiner gerechnet hat, ist Kritik von Tierschützern an der Untersuchung."

Haben manche tatsächlich geglaubt, dass die "Tierschützer" sich mit irgend etwas zufrieden geben? Wie naiv kann man sein? Hey, die Dauerempörung ist deren Geschäftsmodell! Ohne Mimimi keine öffentliche Aufmerksamkeit und damit auch keine Spendengelder! Mit diesen ganzen Dauerrückzugsgefechten, wird die Verlagerung der Landwirtschaft ins Ausland nicht gestoppt. Sondern nur, indem der Bauernverband die Deutungshoheit zurüchgewinnt. Mit der derzeitigen Verbandsstruktur wird das aber nicht gelingen.

von Gerhard Seeger

Ca. 40 mio. Küken werden jährlich durch Begasung getötet,

das ist Fakt. Würde jeder Bürger dieses Landes alle zwei Jahre ein (Bruder-)Brathähnchen zum Stückpreis von vielleicht 15,- € erwerben wäre diese ganze Diskussion für die Katz. Jeder Tierschützer/-rechtler der gegen die Kükenbegasung Front macht, aber selbst kein Bruderhähnchen verzehrt ist im Prinzip ein Heuchler. Ebenso jeder Katzenhalter der seiner "Killingmachine" großzügig Freigang (Streunen) ermöglicht.

von Hermann Bramkamp

Schitzophrenie ohne Ende mit abartigen Gedanken

Liebe Frau Günther, jährlich werden mehr als100000 ungeborene Menschen im Mutterleib getötet,die meisten Abtreibungen werden aufgrund sozialer Indikation vorgenommen . Wo bleibt da der Aufschrei in unserer Geselschaft. Eine vom Gesetzgeber geduldete Tötung ungeborener Leben. Sorgt sich da jemand um das Schmerzempfinden des menschlichen Embryos. Wo bleibt da der Angagierte Einsatz der Tierschützer. Das menschliche Leben ist das kostbarste was wir haben. Jemand der das menschliche Leben achtet und schützt, achtet und schützt auch Tiere aber ohne dabei zu vergessen , das Tiere Tiere sind.

von Albert Maier

Schizophren!!

Mittlerweile steht der Tierschutz weit über dem Menschenschutz. Das ist krankhafte Schizophrenie und Zeichen einer zunehmend dekadenten Gesellschaft!

von Thilo Frankfurth

Paragraph 218 beim Mensch

Beim Mensch darf man bis zur 12 Woche abtreiben und hier kommen die Tierschützer wieder, krank!

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