Aus der Szene

Tierretter holen 850 Hühner bei Landwirt ab

Der Verein „Rettet das Huhn" hat am Wochenende hunderte Hühner bei einem Landwirt abgeholt und an Privatleute verteilt. Die Tierhaltungsgegner verurteilen die Geflügelhaltung.

Der Verein „Rettet das Huhn e.V.“ aus Wolfsburg hat sich zur Aufgabe gemacht, schlachtreife Legehennen zu übernehmen und an private Liebhaber zu vermitteln. Aus ihrer Haltung machen die Mitglieder dabei keinen Hehl.

Auf ihrer Homepage beschreiben die Aktivisten die landwirtschaftliche Geflügelhaltung als "Gefangenschaft in Massentierhaltungen", es ist die Rede von „Entsorgung“ im Schlachthof, von Hennen als „Abfallprodukt der Eierindustrie“ und einem "lebensverachtenden System".

100.000 Tiere soll der Verein schon vermittelt haben, berichtet der NDR dazu. Am Sonntag brachten Mitglieder nun 850 alte Legehennen bei privaten Haltern unter. Sie stammen laut dem Sender von einem Freilandbetrieb im Landkreis Gifhorn. Zahlreiche Helfer seien vor Ort gewesen, um die Tiere einzuladen. Sie seien durchweg guter Gesundheit gewesen, eine Tierärztin habe einige kranke Tiere behandelt, vier seien in eine Klinik (!) gekommen. Die Zusammenarbeit mit dem Landwirt sei sehr gut, der Verein habe dort bereits mehrfach Hühner abgeholt, so eine Sprecherin der „Hühnerretter“.

Die Aktivisten wollen in dem Zuge über die „Zustände in der Legehennenindustrie“ aufklären und hatten nach eigener Angabe im Juli schon 4.000 Tiere in Schleswig-Holstein eingesammelt.

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Geflügelverband erarbeitet Charta

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Die Europäische Geflügelfleischwirtschaft (AVEC) wird bis Anfang kommenden Jahres eine Nachhaltigkeitscharta vorlegen (Bildquelle: Logo)

Unterdessen hat sich die europäische Geflügelfleischwirtschaft (AVEC) dazu verpflichtet, bis Anfang 2022 eine Nachhaltigkeitscharta zu entwickeln. Ziel ist es, Umwelt, Soziales und Wirtschaft im Einklang mit den Zielen des EU Green Deals und der Farm-to-Fork-Strategie weiterzuentwickeln.

"Die kommenden Herausforderungen für unseren Planeten können nicht allein bewältigt werden. Es braucht einen gemeinsamen Ansatz. Aus diesem Grund haben wir uns in der gesamten Produktionskette von der Zucht bis zur Vermarktung verabredet, konkrete Nachhaltigkeitsziele für den Geflügelfleischsektor in der EU zu erarbeiten", sagt Paul Lopez, Präsident der AVEC. Mit der sogenannten "Berliner Erklärung" verpflichten sich die AVEC und ihre nationalen Mitgliedsverbände, für eine nachhaltige Zukunft einzutreten.

"Dass wir uns geschlossen als Branche verabreden konnten, ist ein wichtiger Schritt für mehr Nachhaltigkeit. Mit der deutschen Delegation haben wir maßgeblich daran mitgewirkt und bekennen uns nachdrücklich zu den Inhalten. Wir werden uns jetzt dafür stark machen, dass die Nachhaltigkeitscharta belastbare Ziele für die europäische Geflügelfleischwirtschaft formuliert", unterstreicht Paul-Heinz Wesjohann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Geflügelschlachtereien. Die Charta soll im Rahmen des EU-Green Deals und der Farm-to-Fork-Strategie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, in Europa bis 2050 klimaneutral zu werden.  

Der 78-jährige Wiesenhof-Gründer war nicht erneut als Vize-Präsident bei der AVEC angetreten. Neu im Führungsgremium ist daher Franz-Josef Rothkötter. Neben den weiteren Vertretern aus Italien, den Niederlanden und Polen ist Rothkötter zum Vize-Präsidenten gewählt worden. Er wolle den offenen und konstruktiven Dialog mit den EU-Institutionen und Politikern fortsetzen, um gute tragfähige Lösungen zu finden, so Rothkötter. Darüber hinaus haben die AVEC-Vertreter Paul Lopez aus Frankreich im Amt als Präsident bestätigt.


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