Ringversuch Fütterung

Überall weniger P füttern?

Funktioniert die Ferkel- und Mastschweinefütterung mit niedrigen P-Gehalten auch unter verschiedenen Haltungsbedingungen und mit unterschiedlichen Genetiken?

Die Rohprotein bzw. Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-reduzierte Fütterung ist in der Praxis in verschiedenen Abstufungen weit verbreitet. Dennoch tauchen immer wieder Diskussionen zur Umsetzbarkeit von P-reduzierten Fütterungsvarianten und möglichen Problemen mit der Mineralstoffversorgung bzw. dem Fundament bis hin zur Anzweiflung von Versorgungsempfehlungen auf. Die Praktiker fragen sich, ob die niedrigen Gehalte im Schweinefutter auch unter verschiedenen Management- bzw. Haltungsbedingungen und mit unterschiedlichen Genetiken funktionieren.

Versuch an vier Orten

Klarheit darüber sollte ein bundesweiter Phosphor-Ringversuch schaffen, bei dem man den Einfluss der P-reduzierten Fütterung parallel in mehreren unabhängigen Versuchsstationen untersuchte. Beteiligt waren die Landwirtschaftskammern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit den Versuchsstandorten Haus Düsse und Quakenbrück, die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft mit dem Staatsgut Schwarzenau sowie die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Sachen-Anhalt mit ihrer Versuchseinrichtung in Iden. Für die Versuche wurden insgesamt knapp 850 Tiere (jeweils zur Hälfte weibliche Schweine und Kastraten) aus unterschiedlichen Ferkelherkünften eingestallt. Die Haltungs- bzw. Futtervorlagetechniken waren je nach Versuchsstandort unterschiedlich, die Forschungen jedoch stets identisch. Die Versuche begannen mit der Ferkelaufzucht, da diese für die Fütterungsempfehlungen im Bereich der P-Versorgung mitentscheidend ist. Es geht schließlich um eine korrekte Skelettausbildung. Aufgrund fehlender Aufzucht- bzw. nicht ausreichend großer Mastkapazitäten wurden die Ferkel anschließend teilweise zur Mast an andere Versuchsstandorte verbracht. Ein Teil der auf Haus Düsse aufgezogenen Ferkel wurde beispielsweise in der Leistungsprüfungsanstalt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Quakenbrück weitergemästet.

Drei Phosphor-Varianten

In der Aufzucht wurde zweiphasig, in der Mast dreiphasig nach folgenden drei Konzepten gefüttert:

Variante 1: P-Konzentration im Futter nach DLG-Vorgaben zur P-reduzierten Fütterung von 2014: Der mittlere P-Gehalt betrug 4,5 g/kg Mastfutter.

Variante 2: P-Konzentration im Futter nach DLG-Vorgaben zur sehr stark P-reduzierten Fütterung von 2019: Der mittlere P-Gehalt betrug 4,1 g/kg Mastfutter.

Variante 3: P-Konzentration nach GfE-Vorgaben zur Versorgung mit verdaulichem Phosphor von 2006. Der mittlere P-Gehalt betrug 3,6 g/kg Mastfutter.

Alle Varianten wurden – bis auf den P- und Ca-Gehalt – mit gleicher Nährstoffausstattung geplant und aus den gleichen Komponenten zusammengestellt. Zu allen Ferkelfuttermischungen wurden einheitlich 1.000 Einheiten (FTU) Phytase dosiert. Die Produktion der Futtermittel fand zentral für alle beteiligten Einrichtungen beim Hersteller Wübken in Billerbeck nach Vorgabe der Versuchsansteller statt. Vor Versuchsbeginn wurden die Inhaltsstoffe durch zwei unabhängige Untersuchungslabore analysiert, die Mischungen bis zur Bestätigung vorgehalten und bei Abweichungen neu gemischt. Die Mineralstoffgehalte der drei Fütterungsvarianten sind in Übersicht dargestellt.

Fuetterung

Leistung auf hohem Niveau

In allen Versuchsstationen wurden die Tiere zu jedem Futterwechsel gewogen und die Futteraufnahme im jeweiligen Abschnitt erfasst. Die Beurteilung der Schlachtkörper erfolgte auf Haus Düsse und in Quakenbrück mittels Autofom-Messung. In Iden, Quakenbrück und Schwarzenau wurde über Speckmaße und Bonner Formel entsprechend der Richtlinie für die Stationsprüfung auf Mastleistung, Schlachtkörperwert und Fleischbeschaffenheit beim Schwein bewertet (BRS, 2019). Sowohl in der Ferkelaufzucht als auch in der Mast lag die Leistung der Tiere auf einem für die jeweilige Einrichtung durchweg hohen Niveau. Die konkreten Ergebnisse sind in Übersicht zusammengefasst. Während sich die Tierleistungen der Varianten 1 und 3 in der Ferkelaufzucht nicht statistisch absicherbar unterschieden, erzielten die Tiere der Futtervariante 2 in der Aufzucht an allen Standorten eine signifikant geringere Leistung (gekennzeichnet durch unterschiedliche Hochbuchstaben in Übersicht).

In Schwarzenau gab es dabei die größten Unterschiede in den Tageszunahmen der Ferkel zwischen der Variante 2 im Vergleich zu den Varianten 1 und 3. In der darauffolgenden Mast zeigten Tiere der zweiten Futtervariante gegenüber denen mit der ersten Futtervariante eine verbesserte Futterverwertung. Dieser Effekt war über drei Versuchsstationen hinweg gleichgerichtet. Bei der Schlachtkörperbewertung gab es an den Standorten Haus Düsse und Quakenbrück (Autofom) keine Unterschiede zwischen den Futtervarianten 1 und 3. Kastraten auf Haus Düsse, welche die Futtervariante 2 erhielten, hatten jedoch signifikant leichtere Schinken als Kastraten der Gruppe 3. Bei weiblichen Tieren und in Quakenbrück war dieser Effekt nicht zu sehen.

Es geht mit weniger Phosphor

Ein wichtiges Ziel der verringerten P-Gehalte ist die Schonung der Umwelt durch geringere Nährstoffausscheidungen mit der Gülle.

Übersicht 3 zeigt, wie sich die drei Fütterungsvarianten rechnerisch in dieser Hinsicht auswirken. Auf eine Darstellung der N-Ausscheidungen hat man aufgrund der einheitlichen Futterkonzentrationen und des nicht beeinflussten Futteraufwands/kg Zuwachs verzichtet. Die Werte lagen auf einem vergleichbaren Niveau von 3,2 bis 3,3 kg N pro Tier. Die Reduktion der P-Konzentration im Futter führte hingegen zu einer rechnerischen Verminderung der P-Ausscheidungen bei Futtervariante 3 gegenüber Futtervariante 1 von 204 g P pro Tier. Dies entspricht einer theoretischen Reduktion um 37%!

Die biologische Leistungen der Tiere und die Schlachtdaten im Ringversuch zeigen, dass eine P-Versorgung der Tiere über das Niveau einer sehr stark P-reduzierten Fütterung hinaus zu keiner Verbesserung der Leistung führt: Die Schweine der Versuchsvariante 1 erreichten trotz höherer P-Gehalte im Futter keine besseren Leistungen als die der Varianten 2 und 3. Ergänzende Untersuchungen zur Knochenmineralisierung, zu Blut- und Stoffwechselparametern unterstützen diese Ergebnisse. In Kombination mit der kalkulierten Nährstoffausscheidung verdeutlicht dies, dass eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt (weniger P in der Gülle) möglich ist. Die durchweg sehr hohen Leistungen der Schweine der dritten Versuchsgruppe über alle Einrichtungen hinweg zeigen daher, dass eine sehr stark P-reduzierte Fütterung unabhängig vom Stall und der eingesetzten Genetik bei einem hohen Leistungsniveau umsetzbar ist. Aus den Ergebnissen wird klar, dass der in den Futterkomponenten enthaltene native Phosphor selbst bei sehr geringen P-Konzentrationen bei entsprechender Phytasedosierung ausreicht, um Ferkel und Mastschweine mit ausreichend verdaulichem P zu versorgen. Unter Praxisbedingungen mit Getreide- und Extraktionsschrotbasierten Rationen kann also bei ausreichender Phytasedosierung in der Endmast auf den Einsatz von mineralischem P verzichtet werden.

Noch unbekannte Effekte?

Die in diesem Versuch festgestellte reduzierte Leistung von Tieren der zweiten Fütterungsvariante während der Ferkelaufzucht konnte nicht durch die analysierten Inhaltsstoffe der Futtermischungen erklärt werden. Da dieser Effekt unabhängig von der Versuchsstation festzustellen war, ist das Futter als Ursache dennoch sehr wahrscheinlich. Möglicherweise gab es Effekte nicht untersuchter Nährstoffe. Daher wurden die Futtermischungen 1 und 2 mit identischer Zusammensetzung erneut gemischt und in der Düsser Ferkelaufzucht wiederholt geprüft. Hierbei konnten keine Unterschiede zwischen den Fütterungsvarianten 1 und 2 festgestellt werden. Weshalb die Tiere der Variante 2 in den Versuchen unterschiedlich reagierten, lässt sich anhand der Ergebnisse nicht klären.