Ist Krautfäule noch in Schach zu halten?

Kartoffelanbauer müssen ab dieser Saison ohne den Wirkstoff Mancozeb auskommen. Unser Autor gibt Empfehlungen, wie man die Bestände trotzdem gesund halten kann.

V or allem die Kraut- und Knollenfäulnis sorgt jedes Jahr für Überraschungen. Entweder, weil kaum Befall auftritt, oder weil sie kaum zu kontrollieren ist, wie in 2021.

2021 – stärkster Krautfäulebefall seit Jahrzehnten

In der letzten Saison haben die überdurchschnittlichen Niederschläge von Mai bis Anfang September den Krautfäuledruck in vielen Regionen fast ununterbrochen auf hohem bis sehr hohem Niveau gehalten. Insbesondere die hohen Regenmengen im Mai und Anfang Juni führten z.B. in Baden-Württemberg zu einem frühen Phytophthora-Primärbefall. Ab Mitte Juli trat dann ein explosionsartiger Krautfäulebefall in den unbehandelten Monitoringflächen auf. Phytophthora-Sporen wurden fast während der gesamten Vegetation gebildet.

Problematisch war in 2021 außerdem noch, dass je nach Bodenart zum Teil das Knollennest sehr weit oben saß und der Dammaufbau zu flach war. Dadurch war das Risiko einer Braunfäuleinfektion durch das Einwaschen der Sporen in den Damm deutlich erhöht – denn die oben liegenden Knollen im Damm werden immer zuerst befallen.

Infektion oft bereits über das Pflanzgut

Generell überwintert der Pilz als Myzel in angesteckten Knollen und kann über latent (nicht sichtbar) infizierte Pflanzknollen verbreitet werden. Während früher latent infizierte Knollen im Lager verfaulten und nicht ins Feld kamen, sind infizierte Pflanzknollen heute eine der wichtigsten Infektionsquellen für Primärinfektionen. Dass mittlerweile durchschnittlich 10% der Knollen einer Pflanzgutpartie latent mit Phytophthora infiziert sind, zeigen aktuelle Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL Bayern).

Je nach Witterung wächst der Pilz dann nach dem Legen der Kartoffeln mit dem Stängel nach oben oder bildet bei genügend Feuchtigkeit im Boden sogenannte Sporangien aus. Mit deren Hilfe kann der Pilz über das Bodenwasser auch benachbarte Pflanzknollen infizieren oder er befällt bereits aufgelaufene Pflanzen. Der auftretende Primärbefall kann reichlich Sporen für eine neue Blattinfektion liefern. Dort beginnt dann der Kreislauf erneut.

Die ausgebildeten Sporangien gelangen durch Regenspritzer, Wind und teilweise auch durch Blattläuse auf Nachbarpflanzen und -schläge. Dort lösen sie dann einen Sekundärbefall aus. Bereits 2 bis 4 Tage nach erfolgter Infektion ist besonders auf den Blattunterseiten ein weißlich, graues Pilzgeflecht zu sehen. Bei feuchter Witterung kann sich eine Phytophthora-Epidemie schnell über den gesamten Bestand ausbreiten.

Sind Kartoffelschläge zu Beginn der Vegetationsperiode aufgrund ergiebiger Niederschläge über mehrere Tage nicht befahrbar, ist ein frühes und massives Auftreten von Stängel- und Wipfelbefall durch Primärbefall schon vor Reihenschluss sehr wahrscheinlich.

Um den Krautfäulepilz effektiv zu bekämpfen, ist Folgendes wichtig: Verpassen Sie keinesfalls den richtigen Spritzstart, optimieren Sie die Spritzabstände und wählen Sie die passende Fungizidstrategie.

Tipps zum Spritzstart und zu Folgeeinsätzen

Um eine Krautfäuleepidemie zu verhindern, muss der erste Spritztermin exakt zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Eine gute Hilfestellung zur Berechnung des Behandlungsbeginns bietet das Modell Simblight. Es ermittelt den Spritzstart anhand von Temperatur, Niederschlag, relativer Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchte. Neben einer regionalen Übersicht ist damit auch eine schlagspezifische Prognose möglich. Nach Angabe der Sorte, des Auflaufdatums (80% der Kartoffelpflanzen sind aufgelaufen), der Anbaudichte, Bodenfeuchte und Befahrbarkeit zeigt Ihnen das Modell dann den optimalen Tag der Behandlung an.

Um danach die richtigen Spritzabstände zu ermitteln, eignet sich das Prognosemodell Simphyt 3. Es berechnet den vom Wetter abhängigen Infektionsdruck, aus dem sich dann mittlere Spritzabstände in Tagen ableiten lassen. Beide Modelle können Sie kostenfrei unter www.isip.de abrufen.

Nicht anwendbar ist die Spritzstartprognose in Gebieten mit Folien-, Vlies- und Beregnungsflächen, die...

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