Wie geht es den Bäumen in Höxter?

Im letzten Jahr haben wir einen Forstbetrieb in Höxter bei der Wiederaufforstung von 70 ha Kalamitätsflächen besucht. Seit 2018 wurden 230000 Großpflanzen gesetzt. Wie hat sich die Waldsituation entwickelt und wie schlagen sich die jungen Kulturen?

Ein kühler April, ein feuchter Mai – Wolfgang Freiherr von Wolff-Metternich kann dem Wetter im Frühjahr 2021 viel abgewinnen. Für unser Forstmagazin 2020 hatten wir den Betrieb im ostwestfälischen Höxter im Frühjahr des letzten Jahres erstmals besucht. Ende Mai dieses Jahres waren wir wieder in den Wäldern des Betriebes unterwegs.

Das Gut Maygadessen in Höxter-Gondelheim umfasst u.a. 350ha Wald mit der Hauptbaumart Buche. Außerdem betreut Förster Wolff-Metternich noch drei weitere Reviere in der Region für deren Besitzer.

Bei unserem ersten Besuch war die Familie damit beschäftigt, große Kahlflächen, die der Sturm Friederike, Trockenheit und die Borkenkäfer hinterlassen hatten, wieder aufzuforsten.

Parallel hatten sich bereits Ende 2019 Trockenschäden in den Buchen-Altbeständen gezeigt. Wie hat sich die Situation weiterentwickelt und wie geht es den neu gepflanzten Kulturen heute?

Zwar brachten der schneereiche Winter und das nass-kalte Frühjahr Entspannung, doch insgesamt sind weitere Schäden durch die Dürre- und Hitzejahre deutlich geworden. In der Wurzelzone der Altbestände hat der Grundwasserstand immer noch nicht sein übliches Level wieder erreicht. Der Oberboden – also die wichtige Zone für die neuen Kulturen – ist gut durchfeuchtet. Doch in 1 bis 1,50 m Tiefe bleibt die Lage angespannt.

Bei unserer Rundtour im offenen Geländewagen kontrolliert der Waldbesitzer die Regenmesser, die er auf den einzelnen Flächen aufgestellt hat. Er rechnet damit, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich die Lage nach den drei Trockenjahren normalisiert hat.

Schäden in der Buche

Das Ausmaß der Schäden, die Vielzahl der Baumarten, die massiv gefährdet sind, setzen Wolfgang von Wolff-Metternich zu: „Wer den Klimawandel leugnet, der ist meiner Meinung nach blind!“

Die Trockenschäden zeigen sich vor allem an der Hauptbaumart Buche, besonders auf den Standorten, die normalerweise gut durchfeuchtet sind. Die Schäden werden zunächst im Kronenbereich sichtbar. Teils stößt der Baum ganze Kronenteile ab. Es kommt durch die Saftstockung im Stamm zu Schleimfluss. Auch wenn sich der Baum vielleicht bei steigendem Grundwasserlevel wieder erholt und eine Sekundärkrone bildet – die Holzmängel bleiben über lange Zeit bestehen.

Wolfgang v. Wolff-Metternich schätzt, dass mittlerweile 1/3 bis 1/2 der älteren Buchen davon betroffen sind. Auf den flachgründigen Muschelkalkplateaus übrigens weniger als auf den guten Böden. Denn die Bäume dort sind Stress und Trockenheit gewöhnt. Die vitalsten Individuen haben sich dort durchgesetzt. Generell legt der Betrieb in den älteren Buchenbeständen Wert auf regelmäßige, aber sehr behutsame Eingriffe, um Sonnenbrand-Schäden möglichst zu vermeiden.

Seit letztem Jahr fallen auf Gut Maygadessen vermehrt auch Eichen aus. Wolfgang von Wolff-Metternich führt das direkt auf die Trockenheit zurück: „Weil wir keine zusammenhängenden Bestände haben, sind Wickler und Spanner nicht das Problem, wir haben kaum Primärschäden durch Schadorganismen beobachtet.“ Wenn eine Eiche abgestorben ist, muss sich der Waldbesitzer mit dem Einschlag beeilen. Denn der...