Wolfsrisse

Bundeszentrum Weidetiere und Wolf eröffnet

Julia Klöckner hat das neue Bundeszentrum Wolf und Weidetiere eröffnet. Es soll sich unter anderem mit der Frage befassen, wie Wölfe und Weidetiere besser nebeneinander existieren können.

In Eberswalde bei Berlin hat Julia Klöckner am Mittwoch das von ihr neu gegründete ‚Bundeszentrum Weidetiere und Wolf‘ eröffnet. Es geht zurück auf eine parlamentarische Initiative der Großen Koalition. Aufgabe des Zentrums ist es, praxisgerechte Lösungen und Möglichkeiten der Koexistenz von Weidetieren und Wolf zu erarbeiten und Konflikte zu verringern, heißt es in einer Pressemeldung.

Wolfsbestand wächst rasant

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist ein Erfolg des Artenschutzes. Doch alle drei bis vier Jahre verdoppelt sich der Wolfsbestand. Durch die vermehrte Ausbreitung nehmen auch Wolfsrisse zu: Die Anzahl von verwundeten und getöteten Tiere ist von 40 Tieren im Jahr 2006 auf rund 2.900 Tiere im Jahr 2019 angestiegen. Mit 86 % überwiegen dabei Angriffe auf Schafe und Ziegen.

Klöckner will Wolf und Weidetiere schützen

„Wölfe und Nutztiere – beide haben Anspruch auf Schutz“, so Julia Klöckner. Und deshalb dürfe die Rückkehr des Wolfs nicht dazu führen, dass die Weidetierhaltung in einigen Regionen Deutschlands in Frage gestellt wird. Die Anzahl der Wolfsangriffe nehme drastisch zu – trotz Herdenschutzmaßnahmen. „Um diesen Konflikt zu entschärfen, habe ich das neue ‚Bundeszentrum Weidetiere und Wolf‘ gegründet.“ Es soll Lösungen und effektive Maßnahmen erarbeiten, wie ein gutes Nebeneinander und ein besserer Schutz von Nutztieren vor dem Wolf möglich ist.

Aufgaben des Bundeszentrums Weidetiere und Wolf

  • Erstellung einer jährlichen, länderübergreifenden Übersicht der angewandten Herdenschutzmaßnahmen (Zaun, Herdenschutzhunde) insbesondere in Wolfsgebieten, einschließlich der Erfassung der bei diesen Maßnahmen dennoch stattgefundenen Übergriffe – mit Ursachenforschung.
  • Optimierung von angewandten Schutzmaßnahmen unter anderem durch Rückkopplung mit Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaft, betroffenen Praktikern und Verbänden.
  • Entwicklung neuer Forschungsprojekte zu Herdenschutzmaßnahmen, auch unter Nutzung der Digitalisierung.
  • Optimierung von Abläufen nach einem Wolfsübergriff sowie Verbesserung der Verfahren der Entschädigungspraxis in Zusammenarbeit mit den Ländern.
  • Klärung von Finanzierungsfragen des Herdenschutzes.
  • Förderung des Dialogs zwischen Weidetierhaltern, den Verbänden des Naturschutzes und der Öffentlichkeit.
  • Rechtliche Klärung der naturschutzrechtlichen Einstufung des Wolfes sowie strategische Überlegungen zur Regulierung.

Das Bundeszentrum ist Teil der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Das Zentrum wird für 2021 und 2022 mit jeweils 300.000 € und drei Vollzeitstellen ausgestattet.

Die BLE setzt im ‚Bundeszentrum Wolf und Weidetiere‘ drei Arbeitsschwerpunkte: Vernetzung und Dialog, Wissenstransfer und die Identifikation von Forschungsbedarf. "Wir setzen dabei auf die Kooperation mit den Bundesländern und ihre Erfahrungen aus regionalen Beratungsstellen", so BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden.

----------

„Probleme werden nur zum Bund verlagert“

Schafe

Wendelin Schmücker sagt, Herdenschutz funktioniert nicht. Und das müsste die Politik endlich einsehen. (Bildquelle: A. Berig/ALFF)

Unzufrieden zeigt sich Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung: „Die Wolfsschäden nehmen immer gravierendere Ausmaße an. Wegen des unkontrollierten Populationswachstums ist die Weidetierhaltung in ganz Deutschland in Gefahr. Das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf ist keine Lösung, sondern nur eine Verlagerung der Probleme in die Hände des Bundes, der nicht mal den günstigen Erhaltungszustand ausrufen kann oder will“, erklärt der Schäfer.

Er fordert ein wirkliches aktives Wolfsmanagement statt einer Wolfsverwaltung. Die Gefühlswelt der Weidetierhalter und ihrer Tiere sei nicht verstanden worden und werde durch dieses neue Zentrum nicht besser. „Im Ergebnis ist man also nicht viel weiter als zuvor“, zeigt sich Schmücker enttäuscht. Dabei dränge die Zeit, denn die Zahl der Wolfsangriffe auf Nutztiere hat im vergangenen Jahr erneut deutlich zugenommen.

Herdenschutz hat seine Grenzen

Immer noch ist seiner Meinung nach in den Köpfen der Entscheidungsträger nicht angekommen, das Herdenschutz seine Grenzen hat. Nur mit Herdenschutzzäunen und Hunden allein sichere man keine Koexistenz zwischen Weidetieren und Wölfen. „Es gibt keine praktikable Herdenschutzmaßnahme, um Wolfsrisse zu verhindern, aber sie verursachen hohe Kosten und einen enormen Aufwand in den Betrieben. Eine Regulierung der Wölfe in Deutschland ist dringend erforderlich“, so Schmücker weiter. Die neue Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes helfe auch nicht weiter und eröffne immer noch nicht den längst überfälligen Einstieg in ein aktives Wolfsmanagement. „Das exponentielle Wachstum der Wolfszahlen führt zu wachsenden und größeren Problemen für die Weidetierhalter.

„Aber nicht nur die politische Ebene ist unser Problem. Auch so mancher Verbandsvertreter und Weidetierhalter muss sich an die Nase fassen! Solange irgendeiner meint, Herdenschutz muss nur bezahlt werden und wir brauchen nur die dummen Weidetierhalter schulen und in die unzähligen Zaunseminare stecken. Dann können die Wölfe in aller Ruhe kommen, der irrt sich gewaltig. In Wirklichkeit ist es so, dass allein in Deutschland jetzt schon siebenmal so viele Wölfe leben wie in Schweden, dass – obwohl ein Viertel größer – längst einen günstigen Erhaltungszustand von 300 Wölfen definiert hat“, so der Vorsitzende des Fördervereins.

Der FDS fordert, das Wolfs- und Herdenschutz-Experiment umgehend zu beenden, die Schutzstellung aufzuheben und das Raubtier endlich zu bejagen. Zudem müsse die FFH-Richtlinie vollständig in nationales Recht umgesetzt werden. Bei der Umsetzung wurden die Entnahmeregeln, die die Schutzjagd ermöglichen nämlich "vergessen". Deutschland müsse wie andere Länder auch den günstigen Erhaltungszustand gegen über Brüssel erklären. Der ist mit 18.000 Wölfen zu der auch die Wölfe in Deutschland gehören längst erreicht.

Die Redaktion empfiehlt

Landwirtschaftsministerin Kaniber fordert schnellere Entnahmen des Wolfs in Bayern. Auf die erschreckenden Wolfsrisse an Weidetieren müsse schnell reagiert werden.


Diskussionen zum Artikel

von Martin Schmidt

Ich wünsche mir

eine Ministerin, welche sich deutlich auf die Seite der Viehhalter schlägt.

von Wilfried Maser

Geht nur,

wenn entweder der Wolf oder die Weidetiere in wolfssicheren Gehegen gehalten werden. Alles andere ist Wunschdenken.

von Wilfried Brade

Richtig Herr Maser, aber

woher soll das z.B. ein Verwaltungsjurist, wie Herr Dipl-Jur. Eiden (= Dienstvorgesetzter des neuen Bundesweidetierzentrums mit integriertem Wolfschutz), der immer nur in der Schreibstube saß (und in Sonderheit speziell in der abgeschirmten Ministerialverwaltung) und damit niemals sein ... mehr anzeigen

von Norbert Thüning

Wolf

Niemand braucht den Wolf!!!

von Wilfried Brade

Leider doch, Herr Thüning: seit dem 31.März 2021 drei weitere BLE-Mitarbeiter und

künftig vielleicht noch mehr.....wie Herr Aussel ja schon richtig bemerkte (Kommentar unten)

von Norbert Thüning

Wolf

Niemand braucht den Wolf!!!

von Peter Beiersdorfer

Aber Hallo

Was spricht gegen ein Kompetenzzentrum Wolf und Weidetier, unsere unproduktivste Sippe( Beamten ) wollen doch verwalten. Deutschland wird nur noch verwaltet aber nicht mehr gestaltet. Wäre ja wirklich neugierig, was diese Beamtentruppe für Aufgaben hat. Naja Hauptsache es ist eine ... mehr anzeigen

von Gregor Grosse-Kock

Petition

Gegen noch mehr Staat - es schlägt dem Fass den Boden aus! Menschen die produktiv arbeiten - Fehlanzeige - nur Regeln und Besserwisserei!

von Jakob Lechner

Wolf und Weidetiere

Ohne Worte. Deutschland schafft sich ab.

von Kurt Brauchle

Ich schlage als

als beratender Mitarbeiter den Biologen Valerius Geist (googeln) vor, er bringt das nötige Wissen mit, und hat als Ruheständler vielleicht noch Kapazitäten frei.

von Peter Beiersdorfer

Herr Brauchle

nee haben Sie denn oben nicht richtig gelesen? Drei Vollzeitstellen a. 100000 € pro Stelle. Die Gehälter beim Bund sind üppig, das ist ja egal die Minister aller Couleur gehen mit unseren Steuergelder verschwenderisch um. Da wäre ein Ruheständler mit Fachwissen viel zu billig!

von Franz-Josef Aussel

Unsinnige Geldverschwendung

Und wieder wird Geld versenkt. Aus 3Stellen werden schnell 10. Der Herdenschutz muss nach dem Verursacherprinzip geregelt werden. Die Wolfsbefürworter kommen jede Nacht in die Schafherden, dann werden einige von Ihnen vernünftig.

von Gerhard Steffek

Besser gesagt -

die Wolfsbefürworter passen jede Nacht auf die Herden auf. Unterhalt und Pflege der "Wolfschutzzäune" (die wohl besser als Trainingsobjekt angesehen werden sollen, damit der Wolf das springen nicht verlernt und sein Hirnschmalz trainiert) natürlich auch nicht vergessen. Im Wettstreit ... mehr anzeigen

von Renke Renken

Herr ,laß es

Hirn regnen für diese wolfsverliebten ahnungslosen.....

von Wilfried Brade

Sehr gut, Herr Renken, doch

was ist mit den Nichtgläubigen? Und nun ein weiterer (nicht Ernst gemeinter Vorschlag) Früher fuhr der hochgeschätzte BLE-Präsident, Herr Ehlen, zu jeder Eröffnung eines neuer Fischbude oder eines neuen Gockel-Grillwagen...entsprechend gut genährt zeigte er sich.....nun kann er ... mehr anzeigen

von Hans-Peter Mahler

April April

Das kann doch nur ein Aprilscherz sein!

von Wilhelm Grimm

Die ganze Agrarpolitik ist ein Aprilscherz .

von Wilfried Brade

Danke Herr Burose für Ihre Beschreibung......

Es ist vorrangig eine rein statistische Dokumentationsstelle. Deshalb ist ihr Kommentar so richtig: es entstehen keine Schwielen beim Zaunbau für die Mitarbeiter....... Gern erwähne ich hier auch öffentlich, dass ich unzählige persönliche Briefe an Bundestagsabgeordnete (bei ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Danke für die Info!

Herr Brade! Aber auch ohne ihrer detaillierten Auskunft war mir schon im Vorhinein klar, daß das nur eine Versorgungsanstalt für ein paar fehlgebildete Besserwisser werden wird. Für Besserwisser, die mit ihren "paar Stunden" Bürostuhl breitsitzen wahrscheinlich aber um ein gut Ding ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

Die Vernunft geht mittlerweile betteln.

ja die 300.000 Euro nehmen, Kopfgeld für jeden erlegten Wolf dann wird die Bestie Wolf bald ausgerottet sein. Diese Spinner, der Wolf als Raubtier braucht auch eine Futtergrundlage wie soll das gehen - Füttern? dann wird die Population ... mehr anzeigen

von Martin Burose

Feine Posten

Da haben ja drei Mitmenschen einen feinen Posten bekommen....soll wohl keine Schwielen vom Zaunbau geben

von Gerhard Steffek

Beschäftigungsvorschlag!

Die sollen doch gleich mal die Schutzzäune bauen und dann aber auch unterhalten. Learning bei doing, sozusagen. Wird dann aber bestimmt wieder so ausgehen wie bei der "armen Wolfsberaterin" die das Kalb vor die Tür gelegt bekam.

von Hermann Helmers

unsinnig, Resozialisierungsprogramm für (...)

die 300.000 € sind bei mir besser aufgehoben

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen