Konflikt um Wildbesatz

CDU/CSU und SPD ringen weiter um Jagdreform

Die SPD-Bundestagsfraktion warnt vor einem Scheitern der Jagdrechtsnovelle. Nach einer wiederholten Verschiebung müsse der Bundestag sich spätestens nach Ostern einigen.

Die SPD macht die Union für die schleppenden Beratungen zur Jagdrechtsreform im Bundestag verantwortlich. „Auf der Ziellinie zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes droht das Vorhaben am Widerstand der Unionsfraktionen zu scheitern“, erklärten die SPD-Abgeordneten Isabel Mackensen und Rainer Spiering. Bereits verhandelte Kompromisse würden fallengelassen und der Gesetzesentwurf der Bundesregierung in Frage gestellt, beschweren sie sich weiter.

„Für die SPD-Bundestagsfraktion ist die im Gesetzesentwurf geregelte nachhaltige Anpassung der Rehwildbestände durch eine Neuregelung der Abschussplanung entscheidend, um die Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen zu ermöglichen“, so Mackensen und Spiering. Für die Etablierung klimastabiler Mischwälder sei es erforderlich die Rehwildbestände auf ein waldverträgliches Maß anzupassen, um die Schadflächen wieder zu bewalden und den Waldumbau zu ermöglichen.

Die SPD-Bundestagsfraktion begrüße die Regelungen zur Verständigung der Parteien des Jagdpachtvertrages über einen jährlichen Abschussplan. Grundlage hierfür soll ein Vegetationsgutachten sein, das auch Aussagen über den Lebensraum des Rehwildes enthalten kann.

Nun müsse Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Konflikt zwischen den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer und der Jägerschaft in den eigenen Reihen versöhnen, fordert die SPD.

Anfang der Woche war die abschließende Beratung der Novelle des Bundesjagdgesetzes im Bundestag erneut verschoben worden. Bereits Anfang März war die Novelle kurzfristig von der Tagesordnung genommen worden.

Um das Bundesjagdgesetz noch diese Legislaturperiode zu novellieren, muss das Gesetzesvorhaben in der Sitzungswoche nach Ostern abgeschlossen werden. Nur so kann es noch rechtzeitig den Bundesrat erreichen.

Das Bundeskabinett hatte im November 2020 erstmals nach 44 Jahren eine umfassende Reform des Jagdrechtes beschlossen. Es enthält neue Ausbildungsinhalte und Vorschriften zur Jagd sowie zur Eindämmung von Wildverbiss im Wald.

Der Gesetzentwurf sollte Konflikte zwischen Jägern, Waldbesitzern und Naturschützern versöhnen. Bisher sind jedoch alle drei noch aufgebracht. Jäger kritisieren, dass Waldumbau und Wiederaufforstung künftig allein durch Naturverjüngung und ohne Schutzmaßnahmen möglich sein sollen. Das hält der DJV für praxisfern. Der Forstwirtschaftsrat hingegen beklagt eine zu hohe Wilddichte, die die Widerbewaldung behindert. Notwendig seien vertragliche Abschussregelungen. Mit Verweis auf den Naturschutz fordern der NABU und der Ökologische Jagdverband (ÖJV) im Zuge der anstehenden Novelle des Bundesjagdgesetzes, den Abschuss von Rehen zu erhöhen. Nach Überzeugung des NABU lässt sich dafür jedoch keine statistische Vorgabe machen, sondern müsse immer die konkrete Situation vor Ort bewertet werden.

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Der Forstwirtschaftsrat beklagt eine zu hohe Wilddichte, die die Widerbewaldung behindert. Der Forst müsse ohne Schutzmaßnahmen auskommen. Notwendig seien daher vertragliche Abschussregelungen.