CO2-Senkenfunktion

Diskussion um Honorierung von Klimaschutzleistung des Waldes nimmt Fahrt auf

Politik und Verwaltung arbeiten gerade an Details eines Honorierungsmodells für Klimaschutzleistungen des Waldes. Dieses muss möglichst einfach sein, um auch die Kleinprivatwaldbesitzer mitzunehmen.

Die Diskussion über die geplante Honorierung von Klimaschutzleistungen des Waldes nimmt Fahrt auf. Der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Josef Ziegler, warnte vor zu hohen Hürden für die rund 1,8 Mio. Kleinwaldbesitzer in Deutschland bei der Beantragung einer solchen Klimaprämie.

„Keep it simple“, so der Appell Zieglers an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, wo derzeit an den Details eines solchen Honorierungsmodells für Klimaschutzleistungen des Waldes gefeilt wird. „Hat ein Eigentümer mit 2 ha oder 3 ha Wald einen hohen Aufwand für Beantragung und Dokumentation von Maßnahmen, wird er kaum für zusätzlichen Klimaschutz im Wald zu gewinnen sein“, gab der Waldbesitzerpräsident zu bedenken. Damit drohten bundesweit insgesamt 2,5 Mio. ha Kleinprivatwald bei der geplanten Klimaschutzförderung außen vor zu bleiben.

Aus Sicht von Ziegler könnten die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse eine wichtige Rolle dabei spielen, die Ausgestaltung der Klimaprämie praktikabel zu gestalten. So könnte innerhalb von Forstbetriebsgemeinschaften ein noch zu erarbeitendes Zertifizierungsmodul etabliert werden. Einer solchen Klimaschutz-Zertfizierung könnten sich die Mitglieder der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse dann auf freiwilliger Basis unterziehen. „Angesichts der Strukturschwächen des privaten Waldbesitzes brauchen wir dabei die maximalen Freiheiten, die uns das Haushaltsrecht lässt“, erklärte Ziegler.

PEFC-Zertifizierung reicht nicht

Der Referatsleiter Nationale Forstpolitik im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Eckhard Heuer, wies unterdessen bei dem Pressegespräch darauf hin, dass auch die Kleinwaldbesitzer waldbauliche Leistungen über den gesetzlichen Standard hinaus werden erbringen müssen, um in den Genuss der geplanten Waldklimaprämie zu kommen. Die alleinige Zertifizierung nach PEFC-Standard wie bei der Beantragung von Fördermitteln aus der Bundeswaldprämie werde für den Erhalt der Klimaprämie nicht ausreichen.

Zwar habe das digitale Antragsverfahren zur Bundeswaldprämie den Praxistest bestanden; trotzdem bleibe diese eine einmalige Förderung und werde nicht verstetigt, stellte Heuer klar.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hatte vor der Sommerpause ein Modell zur Honorierung der Klimaschutzleistungen des Waldes auf den Tisch gelegt, das zuletzt auch Eingang in ihre „Waldstrategie 2050“ gefunden hat. Klöckners Modell sieht einen Sockelbetrag vor, mit dem der Erhalt, die Entwicklung und die Bewirtschaftung besonders klimaresilienter Wälder honoriert werden soll. Wer durch weitere Maßnahmen die CO2-Speicherleistung des Waldes erhöht oder sicherstellt, dass sein geerntetes Holz in langlebigen Holzprodukten verwendet wird, soll darüber hinaus einen Aufschlag erhalten.

Schlagabtausch über Klöckners Waldstrategie

Zu reichlich Diskussuionen hatte zuletzt die „Waldstrategie 2050“ geführt, die Julia Klöckner vorgelegt hat. Die CDU-Politikerin konterte Vorwürfe von Umwelt- und Klimaschützern, ihre nationale Waldstrategie sei zu stark an kurzfristigen Interessen der heimischen Forstwirtschaft orientiert. „Das, was wir in dieser Legislaturperiode mit dem ökologischen Waldumbauprogramm auf den Weg gebracht haben, wollen wir mit der Strategie 2050 verstetigen“, hob die Ressortchefin hervor. Wenn es um den Wald gehe, dürfe man sich nicht auf den Zeithorizont von Legislaturperioden beschränken, sondern müsse mindestens in Jahrzehnten denken und planen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze warf ihrer Kabinettskollegin indes vor, nicht einmal den Versuch einer Abstimmung unternommen zu haben. Der Alleingang stelle einen Verstoß gegen den Koalitionsvertrag dar, so die SPD-Politikerin. Schulze kündigte zugleich eine Änderung der Forstpolitik nach der Wahl an.

Senkenfunktion honorieren

Mit Blick auf die CO2-Senkenfunktion des Waldes erinnerte Klöckner daran, bereits ein eigenes Konzept für die Ökosystemleistungen des Waldes auf den Tisch gelegt zu haben. „Wer CO2 emittiert, der muss bezahlen. Und wer eine Senkenleistung erbringt, muss dafür honoriert werden“, stellte die Ministerin klar. Für den Leiter des Instituts für Waldökosysteme am Thünen-Institut, Prof. Andreas Bolte, sind Wiederbewaldung und Waldanpassung Schlüsselaktivitäten im Kampf für einen Klimaschutz mit Wald. „Dafür brauchen wir die richtige Forschung und Entwicklung“, betonte der Wissenschaftler gegenüber den Hauptstadtjournalisten. Entscheidend für einen erfolgreichen Waldumbau sei es, alle Akteure gleichermaßen mitzunehmen. Für Bolte zeigt die „Waldstrategie 2050“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums den Weg dahin.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Mit ihrer neuen Waldstrategie will Julia Klöckner Forstwirtschaft, Waldumbau und Klimaschutz unter einen Hut bringen. Weil sie das nicht mit dem Umweltministerium abgestimmt hat, ist die Kritik...