Klimaschutz im Wald

„Eine CO2-Honorierung ist logisch, gerecht und erforderlich“

Waldbesitzerverbände werben für eine CO2-Prämie für die Speicherleistung von Wäldern zum Klimaschutz. Offen für deren Ausgestaltung zeigt sich der Vorsitzende der Familienbetriebe, Max von Elverfeldt.

Die Krise im Wald ist überall im Land für alle sichtbar. Wie stellt sich die Lage jetzt nach dem dritten trockenen Sommer dar?

Von Elverfeldt: Die dramatische Krise des Waldes hält weiter an. Die Lage ist regional aber sehr unterschiedlich. Wenn Sie durch den Harz oder durch das Sauerland fahren, dann sind das sehr bedrückende Bilder. Aber unabhängig von der Region sind alle von dem zusammengebrochenen Holzmarkt betroffen. Das herkömmliche Geschäftsmodell der Forstwirtschaft funktioniert in weiten Teilen nicht mehr. Wir müssen neu denken, wenn wir den Klimaschützer Wald mit all seinen Funktionen erhalten wollen. Mit wir meine ich die Waldbäuerinnen und Waldbauern, aber natürlich in besonderem Maße auch die Gesellschaft, die Politik und die Industrie.

Sie werben seit längerem für eine Honorierung der CO2 Speicherleistung des Waldes. Wie stellen Sie sich die Waldklimaprämie vor?

Von Elverfeldt: Nach unserer Vorstellung sollte sich die Honorierung konkret am aktuell geltenden CO2-Preis orientieren. Ab 2021 sind das 25 Euro pro Tonne. Wir schlagen zudem vor, dass nur der Anteil des Zuwachses, der stofflich verwertet wird und so dauerhaft CO2 speichert, als Grundlage für eine Honorierung genommen werden sollte. Das sind im Schnitt 4,5 Tonnen CO2 pro Hektar. Eine solche Honorierung ist aus meiner Sicht logisch, gerecht und erforderlich. Logisch, weil der Schaden einer emittierten Tonne CO2 genau so groß ist wie der Nutzen einer Tonne, die der Atmosphäre entzogen wird. Wenn der CO2-Ausstoß nun einen Preis bekommt, muss dies auch für Klimasenken gelten. Gerecht, weil die Waldeigentümer diese Leistung der Gesellschaft bisher kostenfrei zur Verfügung gestellt haben. Erforderlich, weil viele Waldbäuerinnen und Waldbauern künftig ihren Wald mangels Einnahmen nicht mehr bewirtschaften können. Sie werden ihn dann auch nicht klimastabil umbauen können.

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