Holzpreis-Boom

Fachmann hält 110 € pro Kubikmeter Rundholz für möglich

Schnittholz ist so teuer wie nie zuvor, die Sägewerke produzieren seit Monaten unter Volllast und dennoch wird auf Baustellen Material knapp. Auch mit der Fichte ist es irgendwann vorbei am Markt.

Noch nie sind die Holzpreise im Handel so hoch gestiegen wie in den vergangenen Monaten, stellt der Chefredakteur des Fachmagazins Holzkurier, Gerd Ebner fest. Auch das breite Interesse am Holz habe die Branche so noch nicht erlebt. Profiteure seien die Sägewerk, sagte er im Interview mit dem Spiegel.

Die Unternehmen wüssten dabei durchaus, dass es auch ein Morgen gibt. Stammkunden würden in der Regel noch zuerst beliefert, aber der Bedarf sei so hoch, dass nicht alle im gewünschten Umfang zum Zug kommen. Für brisant hält Ebner den Gegensatz aus billigem Rundholz und teurem Schnittholz. Das schüre bei den Waldbesitzern Emotionen. Aber spätestens im dritten Quartal erwartet er auch beim Rundholzpreis einen Anstieg. Und da werde ein Preis kommen, den es so noch nicht gegeben hat. Der Redakteur hält 110 € pro Kubikmeter für möglich.

Die Sägewerke hätten durch Stürme und Borkenkäferbefall in den vergangenen Jahren von einem hohen Bestand an günstigem Rohholz profitiert. Noch vergangenes Jahr wurden aus Deutschland 6 Mio. Kubikmeter Rundholz zu Schleuderpreisen in Containern nach China verschifft. Doch die Sägewerke bräuchten nun Nachschub, und Russland habe enorme Zölle eingeführt – ab 2022 gar einen Exportstopp verhängt. Hinzu kommt, dass Waldbesitzer in Deutschland derzeit nur beschränkt Fichtenholz schlagen dürfen, erklärt Ebner seine Einschätzung. Denn mitten im Schnittholz-Boom wurde dann eine seit Monaten geplante Verordnung erlassen, um die Preise beim Rohholz zu stabilisieren. Das alles wird die Rundholzpreise anziehen lassen, so der Fachmann.

Er rechnet mit einem Aufholprozesses in sehr kurzer Zeit, nachdem Stahl und Zement ja bereits über Jahre hin weg teurer geworden sind. Zudem liege Holz als klimaschonender Baustoff auch für große Projekte im Trend. Die Nachfrage werde also in den kommenden Jahren eher noch steigen.

Im Gespräch mit dem Spiegel sagte Ebner weiter, die Preislisten der Holzindustrien für das dritte Quartal zu kennen. So würden in den nächsten Wochen und Monaten die Preise noch steigen. Irgendwann werde es zwar eine Preiskorrektur geben, aber keinen so drastischen Preisverfall wie etwa nach der Finanz- und Immobilienkrise 2008. Damals hatte Holz als Baustoff noch keinen so hohen Stellenwert.

Nordamerika jedenfalls könne sich wegen Waldbränden und Käferschäden bei Schnittholz auf Dauer nicht mehr selbst versorgen, daher der Wunsch nach europäischem Schnittholz. Außerdem sei China als Großabnehmer dazugekommen. Selbst wenn der Holzpreis fällt, werde er auf hohem Niveau zum Erliegen kommen.

Für die kommenden Jahrzehnte erwartet der Chefredakteur sukzessive einen Mangel an Fichtenwäldern. Fichte ist derzeit der meistgenutzte Baum für Bau- und Konstruktionsholz, kommt aber mit der zunehmenden Trockenheit nicht klar. Da gelte es, Alternativen zu finden.

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