Risiken und Chancen untersucht

Fichte bleibt bedeutsam im Mittelgebirge

Fast schon schien die Fichte wegen Dürre, Borkenkäfer und Sturm abgeschrieben: Eine Studie bescheinigt dem Baum aber für die Mittelgebirgslagen weiterhin eine hohe Bedeutung.

In den sächsischen und thüringischen Mittelgebirgslagen wird die Fichte auf geeigneten Standorten auch künftig wirtschaftliche und ökologische Bedeutung haben. Zu diesem Schluss gelangen die Projektbeteiligten des erfolgreich abgeschlossenen Verbundvorhabens FIRIS zur Risikoabschätzung der Bewirtschaftung der Fichte im Mittelgebirge.

Feuchtigkeit und Temperatur als wachstumslimitierende Faktoren

Für die Wachstumsanalysen werteten die Forschenden nach Zuwachsbohrungen entlang eines Messnetzes Jahrringzeitreihen und Daten der Bundeswaldinventur (BWI) aus. Neben langfristigen Wachstumstrends für Fichten in unterschiedlichen Höhenstufen konnten sie auch Prognosen zu den Auswirkungen extremer Witterungsereignisse auf das Fichtenwachstum treffen.

„Es hat sich erwiesen, dass extreme Trockenheit bei Fichten in tieferen Lagen zu einem stärkeren Einbruch des Radialwachstums führt als bei Fichten auf höher gelegen Standorten, an denen die Temperatur als wachstumslimitierender Faktor wirkt“, erklärt Dr. Jakob Wernicke vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha.

Damit konnte die Annahme einer erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeit durch extreme Trockenheit in Beständen unterhalb der 600-Meter-Grenze gestützt werden, berichtet Wernicke. Die Erkenntnisse flossen in eine Standorts-Leistungs-Modellierung ein, die dem Komplex von wachstumsbeeinflussenden Faktoren u. a. auch die Beschaffenheit des Bodens zuordnet.

Erhöhtes Windwurf-Risiko für hohe alte Bäume in Reinbeständen

Die Abschätzung der Prädisposition von Fichtenbeständen gegenüber biotischen und abiotischen Schadereignissen ergab für geschlossene Fichtenbestände im Alter von mehr als 60 Jahren mit einer Wuchshöhe von über 30 m ein erhöhtes Windwurf-Risiko. Außerdem steigt in Hochrisikobeständen für Fichten ungeeigneter Herkünfte und außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes die Gefahr eines trockenheitsbedingten Vitalitätsverlustes. Das hat neben verringertem Wachstum ein erhöhtes Befallsrisiko durch Sekundärschädlinge zur Folge.

Für die Risikoabschätzung werteten die Forschenden u. a. hochaufgelöste Satellitendaten aus. Zugleich vereinheitlichten sie die bislang unterschiedlichen Forsteinrichtungsdaten beider Bundesländer in einem eigentumsübergreifenden Rasterformat, das die Integration weiterer Daten und die Ableitung von Ursache-Wirkungsbeziehungen erleichtert.

Ziel der Projekt-Teams aus dem Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft Pirna im Staatsbetrieb Sachsenforst und aus dem Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha der ThüringenForst AöR (Anstalt öffentlichen Rechts) war es, das Fichten-Wachstum im thüringisch-sächsischen Mittelgebirgsraum zu analysieren und zu modellieren, die Risiken biotischer und abiotischer Stressoren für die Fichtenbestände abzuschätzen und waldbauliche Handlungsoptionen zur Risikominimierung und Wachstumsoptimierung vorzulegen.

Risikovorräte planmäßig abbauen

Als entscheidende Handlungsoptionen zur Verringerung der Windwurfgefahr und der trockenheitsbedingten Buchdrucker-Prädisposition der Bestände sehen die Projektbeteiligten die Stammzahlreduktion und die Förderung von Einzelbäumen an. Über das Einbringen von standortgerechten Baumarten kann zudem eine Risikostreuung erreicht und die Kontinuität aller Waldfunktionen gesichert werden.

„Basierend auf der Risikoanalyse aus dem Projekt kann mit differenzierten Erntenutzungs- und Verjüngungsverfahren der Waldumbau zu standortgerechten Kulturwäldern realisiert werden. Dazu gehört der weitgehend planmäßig vollzogene Abbau von Risikovorräten zu Gunsten von Baumarten- und Strukturvielfalt“, erklärt Dr. Kristian Münder vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Auf diese Weise sollen die ökologische Stabilität der Wälder erhöht und funktionale Einbrüche der Fichte abgepuffert werden können.

Die Projektergebnisse bestätigen und untersetzen die fachlichen Grundlagen für den systematischen Übergang von Fichtenforsten zu Kulturwäldern mit einer standortgerechten Baumartenzusammensetzung, Alters- und Raumstruktur. Vor allem in den Hoch- und Kammlagen der Mittelgebirge wird die Fichte in Mischung mit standortgerechten Baumarten und einem strukturreichen Waldaufbau auch künftig ihre wichtige wirtschaftliche und ökologische Funktion behalten, sind sich Münder und Wernicke einig.

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