Zustand deutscher Wälder

Waldbericht: Stürme, Dürre und Hitze schaden dem Wald enorm

Der Waldbericht zeigt die Schäden in heimischen Wäldern, die Ursachen und die Situation in der Holz- und Forstwirtschaft von 2017 bis 2021. Fast alle Hauptbaumarten weisen Vitalitätseinbußen und Schadsymptome auf.

Der Waldbericht 2021 stellt die waldpolitischen Handlungsfelder und Aktivitäten der Bundesregierung auf nationaler und internationaler Ebene für den Berichtszeitraum Oktober 2017 bis Mai 2021 dar. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der Waldschäden, ihrer Ursachen und Auswirkungen sowie den erfolgten Maßnahmen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mit dem Bericht unterrichtet die Bundesregierung den Deutschen Bundestag über die Entwicklung der heimischen Wälder und über die Situation der Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland. Julia Klöckners Statement: „Der Bericht zeigt: Unsere Hilfen schlagen Wurzeln. Wir helfen den Waldbesitzenden effektiv, unkompliziert und schnell, neue widerstandsfähige und standortangepasste Mischwälder zu pflanzen und die Wälder damit besser an den Klimawandel anzupassen.“

Wald in Deutschland

  • Mit einem Waldflächenanteil von rund 32 % (11,4 Mio. ha) ist Deutschland eines der waldreichsten Länder Europas. Seit 1990 konnte die Waldfläche um mehr als 200.000 Hektar ausgeweitet werden.
  • Von den 11,4 Mio. ha Wald in Deutschland sind 48 % Privatwald und 19 % im Eigentum der Kommunen. Die übrigen Wälder sind im Eigentum der Länder (29 %) und des Bundes (4 %).
  • In Deutschland gibt es ca. zwei Millionen private Waldeigentümer. Die meisten davon sind sogenannte Kleinst-Privatwaldbesitzende mit einer durchschnittlichen Waldfläche von rund 2,5 ha.

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Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche wachsen Nadelbäume. Laubbaumarten finden sich auf 45 % der Waldfläche. (Bildquelle: Schulze Harling)

  • Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche wachsen Nadelbäume (Fichte 25 % und Kiefer 23 %). Laubbaumarten finden sich auf 45 % der Waldfläche (Buche 16 % und Eiche 10 %).
  • Mischwälder prägen mit einem Flächenanteil von 76 % den deutschen Wald.
  • Die jüngeren Wälder (bis 20 Jahre alt) sind zu 85 % aus natürlicher Verjüngung hervorgegangen.
  • Knapp ein Viertel des Waldes (24 % der Fläche) ist älter als 100 Jahre.
  • Der Holzvorrat in den Wäldern Deutschlands hatte 2017 mit 3,9 Milliarden Kubikmetern oder 358 Kubikmetern pro Hektar einen neuen historischen Höchststand erreicht. Der Totholzvorrat ist zwischen 2012 und 2017 um 14 % auf 22,4 Kubikmeter pro Hektar angestiegen.
  • In Bezug auf die Artenvielfalt weisen die Wälder in Deutschland eine hohe Vielfalt von waldtypischen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten auf. Fast 2.900 Pflanzenarten kommen im Wald vor.
  • Die Bedeutung verschiedener Ökosystemleistungen des Waldes für die Gesellschaft verdeutlichen folgende Kennzahlen: In den Wäldern Deutschlands sind gegenwärtig 2,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in lebender Biomasse, Totholz und Boden gebunden. Die jährliche Kohlenstoffspeicherwirkung des Waldes beläuft sich aktuell auf 57 Millionen Tonnen CO2 und die der stofflich genutzten Holzprodukte 4,2 Millionen Tonnen CO2. Zudem kann Holz andere Materialen ersetzen, die unter Nutzung fossiler oder mineralischer Rohstoffe erzeugt werden und damit Emissionen vermeiden.
  • Ohne Druckerei- und Verlagsgewerbe waren 2018 im Cluster Forst und Holz rund 735.000 Menschen beschäftigt, die einen Umsatz von rund 135 Milliarden Euro erwirtschafteten.
  • Über 55 Millionen Menschen bzw. 70 % der Bevölkerung nutzen den Wald für Erholung mindestens einmal im Jahr aktiv. Im Bevölkerungsdurchschnitt ergeben sich rund 28 Besuche pro Person und Jahr; jährlich gibt es in Deutschland schätzungsweise 2,3 Milliarden Waldbesuche. Wälder tragen maßgeblich zur physischen und psychischen Gesundheit der Bevölkerung bei.
  • Trinkwasser: Über 40 % der Fläche aller Wasserschutzgebiete liegen im Wald, das sind rund 2,1 Millionen Hektar Waldfläche (18 % Flächenanteil).

Waldschäden

  • Nahezu alle Haupt-Baumarten weisen Vitalitätseinbußen und Schadsymptome auf. Großflächig sterben vor allem Fichten auf schlecht mit Wasser versorgten Standorten ab. Standortgerechte oder klimatolerante Baumarten zeigen hingegen – trotz eventueller Schädigungen einzelner Bäume – weitaus geringere Schäden. Das BMEL hat mit Stichtag 31. Dezember 2020 bei den Bundesländern die Schadholzmengen und Schadflächen abgefragt. Dabei ergibt sich für den Dreijahreszeitraum 2018 bis 2020 ein Schadholzanfall in Höhe von 170,6 Millionen m3 . Davon entfallen 156,5 Millionen m3 auf Nadel- und 14,1 Millionen m3 auf Laubholz.

  • Damit sind etwa 16 % des in der BWI 2012 bundesweit festgestellten Fichtenvorrats als Kalamitätsholz angefallen. Auf Grundlage der Länderabfrage mit Stand 31. Dezember 2020 ist zudem von einer geschädigten Waldfläche von insgesamt 277.000 ha auszugehen, die wieder zu bewalden sind. Dabei sollten, wo möglich und sinnvoll, die Potentiale der Naturverjüngung und dynamischen Waldentwicklung genutzt werden.

  • Im Jahr 2020 erreicht die Fichte mit einer deutlichen Kronenverlichtung von 44 % (im Vergleich zu 2019 mit 36 Prozent) die höchsten Werte seit Beginn der Erhebungen. Die Absterberate der Fichte hat sich im Vergleich zu anderen Haupt-Baumarten sogar vervielfacht. Auch die Buche zeigt weiterhin einen Trend zur Verschlechterung. Nur noch 11 Prozent der Buchen sind ohne Kronenverlichtungen. 55 % der Buchen weisen deutliche Kronenverlichtungen auf. Trotz einer geringeren Verbesserung des Kronenzustands der Eichen, befindet sich das Schadgeschehen mit einer deutlichen Kronenverlichtung von 38 % weiterhin auf hohem Niveau. Der Anteil der Eichen in der Warnstufe ist im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 9 % auf 42 % angestiegen. Auch die Kiefer zeigt keine Anzeichen der Verbesserung. Der Anteil der deutlichen Kronenverlichtung bleibt mit 26 % auf dem hohen Niveau von 2019.

  • Die starken Stürme in den Jahren 2017 und 2018, die extreme Dürre und Hitzewellen in den Jahren 2018 bis 2020 sowie die massenhafte Vermehrung von Borkenkäfern haben in den Wäldern in Deutschland zu Störungen und massiven Waldschäden geführt. Nahezu alle Hauptbaumarten weisen Vitalitätseinbußen und Schadsymptome auf.

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Die massenhafte Vermehrung von Borkenkäfern durch Dürre haben in den Wäldern in Deutschland zu Störungen und massiven Waldschäden geführt. (Bildquelle: Schulze Harling)

  • Mit Stand 31. Dezember 2020 ist von einer geschädigten Waldfläche von insgesamt 277.000 ha auszugehen, die wieder zu bewalden sind.
  • Die Preise für Kalamitätsholz waren für viele Waldbesitzende nicht mehr kostendeckend. Betroffene Forstbetriebe stießen zudem an ihre personellen Kapazitäts- und logistischen Grenzen, um befallene Bäume zeitnah einzuschlagen und für einen Abtransport des Holzes und somit eine gewisse Eindämmung der Schäden zu sorgen.

Hilfsmaßnahmen

Insgesamt wurden zur Bewältigung der aktuellen Waldschäden für den Sektor Forst und Holz Unterstützungsmaßnahmen in Höhe von insgesamt rund 1,5 Milliarden € bereitgestellt. Das Ziel: Schnelle, aber langfristig wirkende, effektive und unkomplizierte Hilfen für private und kommunale Waldbesitzende.

Insbesondere durch die „Nachhaltigkeitsprämie Wald“ konnte ein dauerhafter Effekt erzielt werden: Anknüpfend an die Fördervoraussetzung konnten innerhalb kurzer Zeit über 865.000 ha Wald im Privat- und Kommunalwald erstmalig und neu zertifiziert werden.

Den Waldbericht 2021 der Bundesregierung finden Sie in Kürze zum Download unter: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/waldbericht2021.html

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Zum Glück ist die Zahl der Waldbrände 2020 deutlich zurückgegangen.