Nordrhein-Westfalen

Kommentar: Die Holzvermarktung stärken

Riesige Mengen Käferholz, eine ratlose Ministerin und der Borkenkäfer - ausgerechnet in dieser schwierigen Situation müssen sich die neuen Holzvermarktungsgenossenschaften etablieren.

Ein Kommentar von Kevin Schlotmann vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Die Borkenkäferkatastrophe hat ein unvorstellbares Ausmaß erreicht und hält weiter an. Allein in Nordrhein-Westfalen sind mittlerweile mehr als 9 Mio. fm Käferholz angefallen. Die Sägewerke sind überfüllt, weshalb sich die Holzpolter immer höher in den Wäldern stapeln.

Die Nachfrage nach Bauholz ist vergleichsweise hoch, nichtsdestotrotz fließt viel zu wenig Holz ab. Wegen der Marktsättigung und immer neuer Schadholzmengen findet eine Rohholzvermarktung kaum noch statt – zumindest regional.

Ad-hoc-Hilfe - aber wie?

Angesichts der Kalamität scheint mit den unverkäuflichen Holzbergen auch die Ratlosigkeit der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser zu wachsen. „Jetzt ist Ad-hoc-Hilfe gefragt“, stellte sie im Rahmen der „Task-Force-Borkenkäfer“ in der vergangenen Woche fest. Was die Waldbesitzer hierzulande darunter verstehen können, ließ die Ministerin offen.

Gebetsmühlenartig wiederholt sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit, Förderhilfen für die Aufarbeitung und den Abtransport des Schadholzes zahlen zu wollen. Grundsätzlich fehlen aber Unternehmerkapazitäten und Holztransporter, weshalb die Ankündigungen nichts wert sind. Zudem bleibt unverständlich, wieso das Ministerium zwar den Einsatz eines Unternehmers fördern will, die Eigenleistung der Waldbauern aber nicht.

Holzvermarktungsgenossenschaften: Finanzpolster schmilzt

Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation müssen sich die neu gegründeten Holzvermarktungsgenossenschaften am Markt etablieren. Sie suchen händeringend nach Lösungen, das Schadholz trotz der Krise an den Mann zu bringen. Allerdings ist der Verkauf von Käferholz zurzeit eine unlösbare Aufgabe. Kurzum: Die Genossenschaften stehen vor einem toten Holzmarkt.

Wird kein Holz verkauft, fehlen nötige Einnahmen: Die Vermarktungsgenossenschaften können nicht kostendeckend arbeiten. Das Finanzpolster aus den Geschäftsanteilen der Waldbesitzer schrumpft immer weiter, weil Löhne und Mieten weitergezahlt werden müssen – auch ohne Einnahmen aus dem Holzverkauf. Schlimmstenfalls droht den Genossenschaften die Insolvenz.

Holzvermarktung stärken

Deshalb ist Landwirtschaftsministerin Heinen- Esser gefordert: Statt Geld für Lohnarbeiten in Aussicht zu stellen, die sich nicht umsetzen lassen, sollte sie die Holzvermarktung stärken. Die vorübergehende Fortzahlung der Löhne und Mieten verschafft den Vermarktungsgenossenschaften Luft und ist darum als Förderhilfe nicht nur dringend nötig, sondern auch sinnvoll. Die Genossenschaften hätten weiterhin die Chance, sich am Markt festigen zu können, wodurch den Waldbesitzern tatsächlich eine Sorge genommen wäre. Wenngleich der Borkenkäfer unaufhaltsam weiter frisst.

Hinweis der Redaktion: Gastkommentare geben nicht in allen Bereichen die Meinung der Redaktion wieder. Wir veröffentlichen sie dann, wenn wir sie für einen interessanten Diskussionsbeitrag zur Weiterentwicklung der Landwirtschaft halten.

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Artikel geschrieben von

Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Überleben

Die Überlebenshilfe für die Vermarktungsgenossenschaften bringt aktuell der Holzvermarktung gar nichts. Aber trotzdem ist es besser, die Vermarktungsorganisationen erst mal das Überleben zu sichern, in der Hoffnung, dass sie in den nächsten Jahren ihre Aufgabe dann, hoffentlich unter besseren Bedingungen, erfüllen können. Nagls Idee mit den Holz häckseln ist vielleicht gar nicht so schlecht, aber nicht auf die Äcker sondern in die Wälder. Dafür sollte es Zuschüsse etc. geben. Fridays- for future lässt grüßen - oder erlahmt deren Motivation auch, wenn es Geld kostet????

von Hans Nagl

50 %

50% des Holz hacken und als Humusdünger auf die Äcker ausbringen.

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