Förster warnen

NRW: Vorherrschende Trockenheit befeuert Borkenkäferkalamität

Aus den Niederungsbereichen NRW‘s, aber auch aus dem Bergischen Land wird gemeldet, dass es bis Ende 2019 keine borkenkäferfreien Altfichtenbestände mehr geben könnte.

Mit hohen Dichten sind die Käferpopulationen in den Winter 2018/2019 gegangen. Untersuchungen vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW belegen, dass die Wintermortalitätsrate durchschnittlich bei vernachlässigbaren 11 % lag. Weiterhin konnten die Fachleute zeigen, dass in aufgearbeiteten Befallsflächen ca. 940.000 Käfer/ha im Boden überwinterten.

Die adäquaten Maßnahmen um diese Käfer im Frühjahr abzufangen war der Einsatz von Trinet-Linien. Bei fehlender Aufarbeitung befallener Fichten kamen noch 3,8 Mio. Käfer, die in den Rinden überwinterten dazu, also ca. 4,7 Mio. Käfer pro ha, heißt es in einem aktuellen Bericht. Da die Böden aktuell nach wie vor zu trocken sind und die Fichten nur wenig Harz produzieren können um die Borkenkäferattacken abzuwehren, nimmt die Befallssituation landesweit zu.

Auch aus den bisher glimpflich davon gekommenen Regionen wie der Eifel und dem Sauerland wird nunmehr erheblicher Neubefall gemeldet, so Wald und Holz weiter. Im Münsterland hat sich das Problem der Kupferstecherbefallssituationen in ca. 30-jährigen Beständen verschärft. Aus den Niederungsbereichen NRW‘s, aber auch aus dem Bergischen Land wird gemeldet, dass es bis Ende 2019 keine borkenkäferfreien Altfichtenbestände mehr geben könnte.

Borkenkäferfangzahlen in NRW –Werte pro Woche und Einzelfalle (Bildquelle: Wald und Holz)

Aufgrund der landesweit beim Borkenkäfermonitoring gefundenen extrem hohen Borkenkäferdichten empfiehlt der Landesbetrieb dringend drei Konsequenzen:

  1. Der bisherige Sicherheitsabstand von 500 m zwischen käferbefallenen Poltern und gesunden Fichtenbeständen sollte auf 3 km erhöht werden. 93 % aller Borkenkäfer fliegen nur 500 m weit. 7 % fliegen weiter. Die hohen Käferdichten in diesem Jahr lassen es allerdings nicht zu, dass man 7 % der Tiere unberücksichtigt lässt, da dieser Populationsrest Fichten, wegen der anhaltenden Trockenheit, in großer Zahl erfolgreich und letal attackieren könnte, heißt es weiter.
  2. Wo es möglich ist, wird empfohlen vergleichsweise vitale und somit schützenswerte Fichtenkomplexe auszuwählen. Mitarbeiter von Wald und Holz NRW könnten hierzu auf den neuen Kartenlayer „Vitalitätsabnahme“ (Sentinel 2 Daten + Eftas Algorithmus) in ForstGIS online zugreifen. Um diese Flächen herum ist unmittelbar eine Schutzzone anzulegen in der eine konsequente integrierte Borkenkäferbekämpfung einschließlich eines Pflanzenschutzmittel-Einsatzes (Ultima Ratio) in erster Priorität durchzuführenist. Die Schutzzone ist sukzessive auf 3 km auszudehnen. Sind Kapazitäten für Gegenmaßnahmen danach noch verfügbar, sind die gleichen Maßnahmen dann auf eine Schutzzone von 5 km zu erweitern. Zum Schutz benachbarter Bestände anderer Waldbesitzarten wird empfohlen analog zu verfahren.

    Hinweise:

    a) In einigen Revieren der Hauptschadensgebiete kann es aufgrund der enormen Befallssitution nicht mehr möglich sein vitale Fichtenbestände zu finden.

    b) bei der Ausweisung von Schutzzonen können ganze Reviere betroffen sein

    c) Förster von Wald und Holz NRW können ggf. helfen, schützenswerte Fichtenkomplexe zu finden.
  3. In Kleinprivatwaldflächen sind die unter Nr. 2 dargestellten Maßnahmen nur dann umsetzbar, wenn Solidargemeinschaften aus dem Waldbesitz selbst erwachsen. Dies ist in 2018 nicht gelungen. Im Rahmen der Beratung des Waldbesitzes sollte versucht werden das skizzierte Vorgehen auch hier umzusetzen. Die Bildung von Solidargemeinschaften erhöht die Chancen Fichtenbestände zu retten sehr deutlich.

Fazit

1. Aufgrund der nach wie vor trockenen Witterung könnte es in den Niederungen NRW’s und in Teilen der Mittelgebirgslagen bis Ende des Jahres keine unbefallenen Altfichtenbestände mehr geben. Im Münsterland bestehen auch in ca. 30-jährigen Beständen erhebliche Probleme mit letal verlaufendem Kupferstecherbefall.

2. Nach wie vorgelten die in 2018, für unterschiedliche Jahreszeiten veröffentlichten Vorgehensweisen der integrierten Borkenkäferbekämpfung. Nach wie vor bestehen Engpässe bei der Holzvermarktung, bei der Aufarbeitung, beim Transport und bei der Behandlung von Poltern mit Pflanzenschutzmitteln. Nur durch eine Priorisierung der zu schützenden vitalen Fichtenbestände und durch eine konsequente Umsetzung der Grundsätze einer integrierten Borkenkäferbekämpfung incl. dem Einsatz von Pflanzenschutzmittel als Ultima Ratio werden wir die Kalamität eindämmen können, denn auf die Witterung, die von wesentlicher Bedeutung für den weiteren Verlauf der Massenvermehrung ist, haben wir keinen Einfluss

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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