Wald und Klimawandel

Waldbesitzer fordern „klare Kurskorrektur“ beim Green Deal

Die Waldeigentümer fordern Unterstützung beim Waldumbau und kritisieren: Die EU blockiere den Umbau der Wälder und höhle nationale Zuständigkeiten aus.

Die „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) - Die Waldeigentümer“ hat von der Europäischen Kommission eine „klare Kurskorrektur“ bei der Umsetzung des Green Deal gefordert. Die Brüsseler Behörde bremse die Energiewende, den klimastabilen Waldumbau sowie die Motivation der Waldbesitzenden und greife massiv in die Eigentumsrechte ein, kritisierte AGDW-Vizepräsident Josef Ziegler vergangene Woche anlässlich des „Tages des Waldes“. Damit der Wald seine Rolle beim Klimaschutz übernehmen könne, müssten die Waldbesitzenden beim klimastabilen Waldumbau und bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung unterstützt werden.

Nach Einschätzung der AGDW blockiert die EU-Kommission mit ihren Verordnungen und Strategien die Stabilisierung und den Umbau der Wälder. Die Zuständigkeit der Nationalstaaten für die Forstpolitik werde ausgehöhlt und den Regionen jeder Spielraum genommen. Stilllegungen etwa sind für den Verband der falsche Ansatz. Ohne eine nachhaltige Bewirtschaftung seien die Umwelt- und Klimaziele nicht zu erreichen. Die EU sollte ihr Bestreben, immer mehr waldpolitische Themen an sich zu ziehen, „ernsthaft hinterfragen“. Laut dem AGDW-Vizepräsidenten sind einheitliche Regeln über verschiedene Klimazonen und waldgeschichtliche Entwicklungen hinweg möglicherweise ein „handwerklicher Fehler“ in den Bemühungen um Klimaneutralität.

Die Überführung der Wälder in ein deutlich wärmeres Klima sei eine „Mammutaufgabe“, die viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen werde. Umso wichtiger seien kluge ordnungspolitische Rahmen, aber auch verlässliche Staatsbeihilfen für die anstehenden Investitionen.

Transformation der Waldpolitik

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir betonte in seinem Grußwort zum AGDW-Symposium, dass die Klimakrise und der Verlust an Biodiversität ein Umdenken in „praktisch allen Politikbereichen“ erforderten. Gebraucht werde eine Transformation der Waldpolitik und bei der Bewirtschaftung der Wälder. Die Grundlage dafür wird dem Minister zufolge die geplante Novelle des Bundeswaldgesetzes liefern. Ziel sei es, die notwendige Anpassung der Wälder an den Klimawandel, den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung einschließlich der Risikovorsorge stärker zu berücksichtigen. Laut Özdemir sind im Haushalt für das laufende Jahr bereits 200 Mio. Euro für die Honorierung von Ökosystemleistungen des Waldes eingestellt.

Schutz des Privateigentums

Die zuständige Berichterstatterin des Europaparlaments für die Mitteilung der EU-Kommission zur Forststrategie, Ulrike Müller, unterstrich ebenfalls die Bedeutung der einzelnen Regionen. „Eine gemeinsame Strategie kann in den Wäldern nur dann die gewünschten Erfolge erzielen, wenn die Lokalität das Fundament ist und alle Instrumente von unten nach oben entwickelt werden“, so die agrarpolitische Sprecherin der Fraktion Renew Europe (RE). Privatwaldbesitzern dürfe nicht vorgeschrieben werden, dass sie Flächen stilllegen müssten.

Finanzierungslücken in den Forstbetrieben

Dr. Justus Eberl von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen (HAWK) wies auf die forstpolitischen Probleme infolge des Klimawandels hin. Laut dem Wissenschaftler entstehen in den privaten und kommunalen Forstbetrieben Finanzierungslücken, da die interne Quersubventionierung von Gemeinwohlleistungen aus dem Holzverkauf nicht mehr flächendeckend sichergestellt ist. Dieses ökonomische Problem werde durch die rechtliche Situation verstärkt, denn nach aktueller Rechtslage werde die Emission von CO2 zwar besteuert, die Speicherung aber nicht entlohnt.

Waldbewirtschaftung ausbauen

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) forderte derweil eine „umfassende Förderung und Unterstützung der Forstbetriebe in Deutschland“. Um nach den Waldschäden der vergangenen Jahre weitere Schutzmaßnahmen einzuleiten, wird laut Verbandspräsident Georg Schirmbeck ein Maßnahmenbündel von der finanziellen Unterstützung der Waldbesitzenden über Investitionen in die forstwissenschaftliche Forschung sowie eine Ausbildungsoffensive gebraucht. Gleichzeitig müssten die aktive Waldbewirtschaftung als Basis für klimaresiliente Wälder und die Förderung des nachwachsenden Rohstoffs Holz als Substitut zu emissionsstarken Rohstoffen wie Zement, Kies oder Stahl ausgebaut werden.


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