Wald

Waldgipfel: Klöckner verspricht Hilfe aber keinen Ersatz der Schäden

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellt 800 Mio. € Hilfsgelder für den Wald in Aussicht. Den Umbau der Wälder sieht sie bereits in vollem Gange.

Feste finanzielle Zusagen gab es beim nationalen Waldgipfel am Mittwoch in Berlin nicht. „800 Millionen Euro stehen in den nächsten vier Jahren zur Verfügung“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei dem Treffen, zu dem Landesminister, Bundestagsabgeordnete, die Waldwirtschaft, Naturschutzorganisationen und Wissenschaftler gekommen waren. Davon soll der Bund 547 Mio. € beitragen und der Rest von den Ländern kommen.

Klimafonds ist noch nicht beschlossen

Fest verbucht sind die Gelder jedoch noch nicht. Sie habe das Geld beim Bundesfinanzminister Olaf Scholz angemeldet, sagte Klöckner. Es soll aus dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung kommen. „Aus meinem Haushalt alleine können wir das nicht stemmen“, sagte Klöckner. Doch für den Energie- und Klimafonds gibt es noch keinen Beschluss. Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch nur das vergangene Woche ausgehandelte Klimapaket ohne den zugehörigen Finanzplan beschlossen.

Hilfen zur Wiederaufforstung

„Der Bund wird nicht die Schäden ersetzen können, sondern Hilfen bei der Wiederaufforstung anbieten“, sagte Klöckner. Sie verwies dabei explizit auf die Dürrehilfen für die Landwirtschaft im vergangenen Jahr, bei der gleiches gegolten habe. Die Waldbesitzer hatten im Vorfeld des Gipfels von 3,5 Mrd. € Schäden gesprochen. Klöckner verteidigte die Waldbesitzer vor dem Argument, dass diese vermögend genug seien, die Anpassungen der Wälder an den Klimawandel alleine zu tragen. „Mir ist es egal wer den Baum pflanzt und der zukünftigen Generation auch“, sagte sie. Die Schäden in den Wäldern seien so hoch, dass es keine Alternative zum Handeln gebe.

Wälder sollen nicht leergefegt werden

Klöckner sprach von einem „Krisengipfel“, da mehr als 180.000 Hektar geschädigte Fläche wieder aufgeforstet werden müssten. Im April war das BMEL noch von 110.000 Hektar betroffener Fläche ausgegangen. In der Diskussion um die zu fördernden Maßnahmen warnte Klöckner vor schwarz-weiß Denken. Geschädigte Bäume müssten schnell herausgebracht werden. Der Wald solle aber keinesfalls leergefegt werden, da Totholz Lebensraum und Nährstoffquelle sei, betonte Klöckner. Die zeitliche Befristung für höhere Gewichte von Holz-LKWs bis zu 44 t werde verlängert, kündigte sie an.

Jagdgesetz soll gelockert werden

Zur Wiederbewaldung sprach sich Klöckner für Mischwälder aus verschiedenen Baumarten aus. Dabei solle auch die Naturverjüngung eine Rolle spielen. Beim Aufforsten wolle das Ministerium ein breites Spektrum heimischer, standortangepasster Baumarten bevorzugt fördern. Klöckner kündigte außerdem eine Anpassung des Bundesjagdgesetzes an. Nötig sei eine "stringentere Jagd", damit Baum-Sprösslinge nicht gleich wieder von Rehen gefressen werden.

Umweltbehörden wollen klare Vorgaben für Fördermittel

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) appellierte auf dem Waldgipfel für eine gute Zusammenarbeit zwischen Forst- und Umweltseite. Sie sprach sich für eine „naturnahe Waldbewirtschaftung“ aus. Die Fördergelder müssten an „klare Vorgaben“ gekoppelt werden, die eine „natürliche Waldentwicklung“ unterstreichen, sagte sie. Ein Besatz von 25% Fichte und Kiefer sei nicht die Vegetation, die natürlicherweise in Deutschland anzutreffen sei.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Schlueter

Es wäre so einfach

Wald und andere Landwirtschaftliche Flächen binden jedes Jahr Tausende Tonnen CO2. Es wäre einfach den Landwirten und Waldbesitzern das Handeln mit Verschmutzungsrechten zu erlauben. Je nach Kultur usw. Es steht doch außer Frage jede wachsende Kultur bindet CO2. Die Einnahmen kämen der wiederaufforstung und der durch Dürre und überschwemmung gebeutelte Landwirtschaft zugute. Geht aber nicht ,dann hätte der Staat nicht seine Hände mit drinn.

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