Ökoforstwirtschaft

Waldprämie: FSC-zertifizierte Wälder erhalten 20 % mehr

Mit FSC- oder Naturland-Waldzertifikat gibt es 20 % mehr Förderung. Eine Nachzertifizierung ist möglich. Von Steuerverschwendung nach dem Gießkannenprinzip sprechen dagegen Umweltverbände.

Die Antragsrunde zur Waldprämie hat begonnen.

Online-Antrag

FAQ

Die Leistung wird als nicht rückzahlbare Prämie gewährt. Die Höhe der Prämie je Hektar Waldfläche mit PEFC-Zertifikat oder einem vergleichbaren Zertifikat beträgt 100 € und mit FSC-, Naturland- oder einem vergleichbaren Zertifikat 120 €/ha.

Ökowald mit FSC wird belohnt

Mit der von der Bundesregierung beschlossenen Flächenprämie für Waldbesitzende wird der Mehrwert von ökologisch anspruchsvollen Waldzertifikaten nun auch finanziell anerkannt, zeigt sich das Forest Stewardship Council (FSC) erfreut.

"Damit erfahren Waldbesitzende, die ihren Betrieb bereits freiwillig auf eine zukunftsfähige Waldwirtschaft umgestellt haben, nun auch von offizieller Seite eine finanziell spürbare Anerkennung", so Dirk Riestenpatt, Vorsitzender FSC Deutschland. Sowohl für Waldbesitzende, die bisher kein Zertifikat für ihren Wald hatten, als auch für solche mit Zertifikaten mit niedrigen Umwelt- und Kontrollanforderungen, wird mit der nun möglichen Flächenprämie die FSC-Zertifizierung wirtschaftlich attraktiv, wirbt das Council. Darüber hinaus könnten Waldbesitzer je nach Bundesland (u.a. in Hessen) weitere Fördergelder beantragen, welche diese bei ihren Maßnahmen für eine ökologisch nachhaltige Waldwirtschaft mit FSC unterstützen.

Bisher sind bundesweit lediglich 12 % der Waldfläche nach unabhängigen, kontrollierten und anspruchsvollen Umwelt- und Sozialstandards wie denen von FSC oder Naturland zertifiziert.

In Deutschland sind rund 1,44 Mio. ha Wald FSC zertifiziert und rund 3.750 Unternehmen verfügen über eine Zertifizierung ihrer Produktkette nach den FSC-Standards. In deutschen Wäldern steht der FSC u.a. für eine Waldwirtschaft, die den Wald nicht übernutzt, die biologische Vielfalt fördert und die gegenüber interessierten Bürgern sowie Organisationen transparent handelt. Kahlschläge bei der regulären Holzernte sind untersagt und Pestizide dürfen nur eingesetzt werden, wenn dies gesetzlich gefordert wird. FSC setzt sich für die Mehrung natürlicher Mischwälder, die Schonung des Waldbodens, für den Schutz seltener Arten und Ökosysteme ein.

S T I M M E N

Gitta Connemann

Gitta Connemann (Bildquelle: gitta-connemann.de)

"Wir lassen Euch nicht allein.“ Dieses klare Zeichen sieht die stellv. Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Gitta Connemann, jetzt mit der neuen Waldprämie gesetzt. "Der Holzmarkt ist zusammengebrochen. Waldeigentümern geht finanziell die Luft aus. Gerade jetzt müssten sie aber räumen, pflanzen, wässern, umzäunen uvm", so Connemann.

Alois Gerig (CDU) ergänzt: „Dafür haben wir in Berlin gekämpft, denn ein gesunder und klimastabiler Wald ist wichtig für uns und besonders für unsere Kinder und Enkel!“, so der Politiker. Dass so viel Geld in so kurzer Zeit fließen kann, sei ein juristisch komplexes Unterfangen gewesen. Hier habe das Ministerium ganze Arbeit geleistet.

„Das ist ein Erfolg für uns und besonders für unseren Wald. Ich muntere alle Waldbesitzer, besonders die Kleinwaldbesitzer, deren Wald in den letzten Jahre gelitten hat, dazu auf, die Hilfe zu beantragen und diese in ihren Wald zu stecken! Eigentum verpflichtet und besonders ein eigener Wald bringt Verantwortung mit sich. Die Waldprämie unterstützt Sie nun dabei, dieser Verantwortung nachzukommen“, so Gerig.

Das sieht auch Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, so. Er spricht von einer wichtigen Hilfestellung. Allerdings biete die Einmalförderung keine Zukunftsperspektive. „Um unsere Wälder langfristig zu stabilisieren und sie als Multitalente zu erhalten, müssen wir in eine Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes einsteigen. Dies ist notwendig für den Aufbau klimaresilienter Wälder. Und es ist ein logischer Schritt, wenn Deutschland in 2021 in eine CO2-Bepreisung einsteigt“, so Elverfeldt.

AGDW-Präsident Hans-Georg von der Marwitz sieht Rückenwind für die Waldeigentümer, da sich diese in einer doppelten Krise befinden: „Sie leiden sowohl unter Trockenheit und Schädlingsbefall als auch unter den Folgen der Pandemie. Beide Krisen haben den Holzmarkt destabilisiert und die Holzpreise teils ins Bodenlose fallen lassen“, sagte der Präsident.

Der stellv. Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, wünscht sich, dass die Wälder langfristig stabilisiert und erhalten werden, beispielsweise durch den Aufbau klimaresilienter Wälder.“

Ein wichtiges Zeichen ist die Prämie, das weiß auch Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR). Er bedauert aber, dass die Prämie nicht für alle zugänglich ist. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Auszahlung der Hilfsgelder zusätzlich an eine Zertifizierungspflicht gebunden sind. Zudem erscheint die Privilegierung eines Zertifizierungssystems hierbei nicht hilfreich“, sagte er.

Nabu prangert Gießkannenprinzip an

Jörg-Andreas Krüger

Jörg-Andreas Krüger (Bildquelle: NABU/Die Hoffotografen)

„Mal wieder sollen die die, schon viel haben, in diesem Fall Waldfläche, am meisten Zuschüsse vom Steuerzahler bekommen“, ärgert sich dagegen NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

"Wir sehen, dass Waldbesitzer durch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald finanziell betroffen sein können. Doch das Geld, das aus dem Corona-Konjunkturpaket stammt, soll nun mit der Gießkanne verteilt werden. So ist es ein Tropfen auf dem heißen Stein und wird die Situation für den Wald nicht verbessern", kritisiert Krüger.

Der Nachweis eines Schadens sei nicht erforderlich. Ebenso wenig müssten die Waldbesitzer belegen, dass sie das Geld für die Verbesserung der ökologischen Funktionalität einsetzen. Vorstellbar wären hier zum Beispiel Maßnahmen, die dazu beitragen Wasser länger im Wald zu halten, wie der Rückbau von Entwässerungsgräben, die Mehrung von Totholz oder eine Verringerung der Befahrung der Waldböden. Auch der vollständige Nutzungsverzicht sollte finanziell unterstützt werden, schlägt Krüger vor.

"Steuerverschwendung statt Waldumbau"

Harald Ebner

Harald Ebner (Bildquelle: harald-ebner.de)

Für Harald Ebner von den Grünen ist die Waldprämie eine „dreiste Mogelpackung“. So würden nur Mitnahmeeffekte auslöst, statt die Ursachen der Waldkrise anzugehen. „Einzige Voraussetzung für die Flächenprämie ist eine Zertifizierung wie PEFC oder FSC, was auf rund 80 % der Waldflächen bereits zutrifft. Bei PEFC sind ökologische Vorgaben zudem nur sehr schwach und lückenhaft formuliert. Hier wird unter dem Deckmantel der Corona-Krise Geld nach dem Gießkannenprinzip ohne echte Gegenleistung ausgeschüttet.“

Ebner fehlen gezielte Anreize für eine Beschleunigung des überfälligen Waldumbaus hin zu naturnahen, klimastabilen Wäldern, oder die Entlohnung von biodiversitätsfördernder Bewirtschaftung. Geldregen ohne Konzept sei keine Antwort auf die Herausforderungen durch die Klimakrise, sagt er und sieht einen Fall von Steuergeldverschwendung.

Die Redaktion empfiehlt

Mit 100 €/ha sollen Waldbesitzer ihre Einnahmen- und Bestandesverluste kompensieren, meinen jedenfalls Julia Klöckner und Svenja Schulze. Für die Waldbesitzer ist das nicht mehr als ein...

Ab dem 20. November können Waldbesitzer eine Prämie von 100 € pro ha beantragen. Diese Hilfen sind laut Artur Auernhammer (CSU) dringend nötig.

Ab Freitag können Waldbesitzer eine Prämie von 100 €/ha bei der FNR beantragen. Die Bundesregierung hat die dafür nötige Richtlinie fertig.