Waldumbau

Wiederaufforstung braucht hochwertiges Saatgut

Agrarministerin Julia Klöckner forderte am Donnerstag eine Pflanzoffensive in den Wäldern. Wie es dabei um Nachschub an hochwertigem Saatgut aussieht, erklärt die BLE.

Unwetter und Schädlinge haben den Wäldern in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Laut Bundesagrarministerium müssen 285.000 ha wiederbewaldet werden. Dazu wird vor allem herkunftssicheres, genetisch angepasstes und hochwertiges Forstsaatgut aus zugelassenen Beständen verwendet, informiert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Die reifen Samen der Laubbäume werden per Hand aufgelesen oder mit Netzen aufgefangen. Bei Nadelbäumen klettern meist Zapfenpflücker hoch hinauf, um die Zapfen zu ernten.

Statistik Forstsaatgut

In Deutschland gibt es auf insgesamt knapp 112.000 ha etwa 15.000 spezielle Flächen im Wald, die für die Saatguterzeugung zugelassen sind. Hier wachsen 28 der wirtschaftlich wichtigsten Baumarten. Auf diesen Saatguterntebeständen gewinnen Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe sowie Ernteunternehmen hochwertiges Saatgut, das später zur Wiederaufforstung genutzt wird.

Ernte per Hand

Sind die Früchte von Buchen, Eichen oder Kastanien reif, werden sie mit Netzen aufgefangen oder per Hand aufgesammelt. Die Zapfen von Nadelbäumen müssen jedoch gepflückt werden: Entweder von Zapfenpflückern, die dazu in die Wipfel von Tannen, Douglasien und anderen Nadelbäumen klettern oder vom liegenden Baum, wenn er zum Beispiel zu Waldpflegezwecken gefällt wurde. Dabei werden Fäll- und Erntetermin aufeinander abgestimmt, um möglichst viele reife Früchte zu gewinnen.

Die gesammelten Früchte werden anschließend gereinigt, getrocknet und entweder eingelagert, exportiert oder an Baumschulen zum Anziehen neuer Setzlinge verkauft. Nach zwei bis drei Jahren sind die Pflanzen groß und robust genug, um im Wald ausgepflanzt zu werden.

Natürliche Schwankungen in Ernteerträgen

Die aktuelle Erntestatistik für forstliches Saatgut der BLE zeigt: Im Erntezeitraum Juli 2019 bis Juni 2020 konnte eine überdurchschnittlich hohe Ernte bei der Großen Küstentanne (3.200 kg) und der Roteiche (178.000 kg) erzielt werden. Im Vergleich der vergangenen zehn Jahre gab es im Baumschuljahr 2019 außerdem hohe Erntemengen bei Rotbuche (116.609 kg), Esskastanie (13.880 kg), Douglasie (905 kg), Hänge- und Moorbirke (710 bzw. 128 kg) sowie der Robinie (593 kg). Für die Stiel- und Traubeneiche fiel nach einem starken Erntejahr 2018 die Ernte im Baumschuljahr 2019 gering aus. Diese Schwankungen ergeben sich aus der natürlichen Abfolge von ertragsreichen und ertragsschwächeren Jahren einer Baumart.

Klöckner fordert Pflanzoffensive

Im Berliner Grunewald hat Bundeswaldministerin Julia Klöckner unterdessen am Donnerstag die Deutschen Waldtage 2020 eröffnet. Dabei verwies sie auf die 1,5 Mrd. € Hilfe, die der Staat zum klimagerechten Waldumbau bereitgestellt habe.

„Wenn wir heute keine Bäume setzen, werden es uns die kommenden Generationen übelnehmen. In der Pflanzzeit jetzt im Herbst brauchen wir daher eine Pflanzoffensive für unsere Wälder. Um sie umzubauen und fit zu machen für den Klimawandel: stabil, klimaresilient und angepasst an den Standort. Dafür haben wir als Bund finanzielle Unterstützung bereitgestellt, zudem investieren wir massiv in die Waldforschung“, so die Ministerin.

Um einen klimaangepassten Waldumbau zu ermöglichen, würden in der Waldbewirtschaftung neue Wege beschritten. Geschädigte Waldflächen müssten in den meisten Fällen für die Wiederbewaldung vorbereitet werden, erklärte Klöckner weiter. Neben der klassischen Flächenräumung könnten zukünftig in bestimmten Situation alternative Varianten für die Flächenvorbereitung hilfreich sein, wie beispielsweise eine Teilräumung der Flächen.

Ähnliches gilt auch für die Wiederbewaldung. Um einen gezielten Waldumbau zu erreichen, sei die Pflanzung oft unumgänglich. In anderen Fällen könnten auch Saat oder natürliche Verjüngung ein Mittel der Wahl sein. Letztlich seien es die Gegebenheiten vor Ort, die – noch mehr als in der Vergangenheit – nach individuellen Lösungen für eine erfolgreiche Wiederbewaldung verlangen.


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