Typisch Mann, typisch Frau? Premium

Männer denken anders, Frauen auch: Dr. Silvia Riehl erklärt, wie geschlechtertypische Denkmuster unsere Gespräche beeinflussen.

Manchmal wundert man sich, wie viele Ereignisse in einen einzigen Tag passen: Mais silieren. Problemgeburt im Stall. Trecker kaputt und wieder repariert. Aufstand der pubertierenden Kinder. Dringender Arztbesuch mit Oma.

Spätabends dann sitzen Bauer und Bäuerin am Küchentisch. Aus Petra sprudelt es heraus: „Alles gut mit der Silage? Das Kalb ist fit und gesund? Wie ärgerlich, das mit dem Trecker! Die Zwillinge mussten hier heute mal wieder ganz laut die Türen knallen. Und hatte ich schon gesagt, dass der Arzt neue Tabletten für die Oma verschrieben hat“ „Jo, alles gut. Gute Silage“, antwortet Peter nach einer kurzen Pause. Er denkt vermutlich: „Ist doch alles geklärt. Können wir jetzt nicht einfach in Ruhe essen“ Und sie könnte sich fragen: „Warum redet er wieder nicht mit mir? Immer muss ich ihm alles aus der Nase ziehen!“

Streit liegt in der Luft. Denn: Die Rede-Faulheit des einen Partners lässt den anderen regelrecht aus der Haut fahren – oder umgekehrt. Woran liegt das? Warum verhalten sich Männer und Frauen in Gesprächen oft so unterschiedlich? Viele Fachleute sagen heute: Weil sie verschieden denken. Nicht besser oder schlechter, nicht richtig oder falsch, sondern einfach anders. Und weil Männer und Frauen unterschiedlich „ticken“, sprechen und handeln sie abweichend voneinander.

Natürlich sind die folgenden Ausführungen verallgemeinernd. Sie versuchen, „typisch männliches“ bzw. „typisch weibliches“ Denken, Reden und Verhalten zu beschreiben – wie es uns im Alltag so häufig begegnet. Dass die Grenzen dabei fließend und die Verhaltensweisen bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, erklärt sich von selbst.

Strukturiert und problemorientiert

Das männliche Gehirn vergleichen Experten des Öfteren mit einem Schubladenschrank. Dort bekommt jedes Thema eine eigene Schublade. Maissilage: Schublade unten rechts. Trecker: Schublade oben links.

Beginnt der Mann ein Gespräch, dann deshalb, weil er in einer seiner Schubladen ein Problem entdeckt hat und es lösen will. Die männliche Strategie sieht vor: Wenn ich kommuniziere, dann sehr direkt. Ich komme gleich zur Sache. In unserem Eingangsbeispiel gab es für den Mann kein Problem, aus seiner Sicht also auch keinen Grund für eine Unterhaltung.

Männer denken verstärkt „nacheinander“, also Thema für Thema, Schublade für Schublade. Überspitzt gesagt: Wenn er pflügt, dann denkt er ans Pflügen. Wenn er die Kühe füttert, dann sind nur die Kühe wichtig. Und: Am liebsten sind dem Mann die Schubladen, in denen er erfolgreich ist. Das kann z.B. der Ackerbau sein oder die Viehhaltung, manchmal auch ein Bau- oder Bastelprojekt.

Je mehr Zeit er mit einer bestimmten Tätigkeit oder einem Hobby verbringt, desto eher wird er eine emotionale Bindung dazu aufbauen. So lassen sich viele seiner selbstvergessenen Stunden, z.B. in der Werkstatt, beim Schrauben oder beim Tüfteln erklären.

Es gibt aber auch leere Schubladen, die Momente, in denen der Mann nichts denkt und tut, sich ganz bewusst in diese Schubladen begibt und „einfach so“ da sitzt. Dann gibt es keine Probleme zu lösen und auch nichts zu reden. „Entspannung pur“ für ihn, manchmal schwer erträglich für sie.

Der bekannte,...

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