Barrierefrei durchs Bauernhaus

Barrierefrei oder seniorengerecht wohnen: Für wen ist das interessant? Fest steht: Das frühzeitige Bauen und Umbauen „für später“, d.h. stufenlos, hell und offen, zahlt sich sofort für alle Generationen auf dem Hof aus. Barrierefreie Wohnbereiche sind nicht nur für Senioren, sondern auch für Familien mit Kleinkindern

Treppe rauf, Treppe runter: Wer mit Rollstuhl, Gipsbein oder Kinderwagen unterwegs ist, schätzt ebenerdige Wege. (Bildquelle: Heil)

Barrierefrei oder seniorengerecht wohnen: Für wen ist das interessant? Fest steht:
Das frühzeitige Bauen und Umbauen „für später“, d.h. stufenlos, hell und offen, zahlt sich sofort für alle Generationen auf dem Hof aus. Barrierefreie Wohnbereiche sind nicht nur für Senioren, sondern auch für Familien mit Kleinkindern (Kinderwagen) und vorübergehend Erkrankte (z.B. Gips nach Knochenbruch, Knie- oder Hüft-OP) optimal. Nicht zuletzt fällt es wesentlich leichter, Einkäufe in die Küche, Getränkekästen in den Vorratsraum oder Holzscheite zum Kamin zu transportieren. Viele Familien sind nach so einem Um- oder Neubau oft überrascht, wie sehr ihnen dies den Alltag erleichtert – und schätzen die „Barriere-Armut“ als echten Zugewinn an Lebensqualität.
Vorausschauend für die Senioren zu bauen, hilft außerdem, nicht erst im Notfall – unter oft großem zeitlichen und emotionalen Druck – handeln zu müssen. Dann sind meist nur noch schnelle, pragmatische Lösungen realisierbar.
Wie steht es um die Barrierefreiheit in ihrem Haus? Je öfter sie unsere Checkliste mit „ja“ beantworten können, desto besser. Sonst können Sie die Punkte als Anregung für mögliche Verbesserungen nutzen.

Hier können Sie sich die Checkliste zum direkten Ausfüllen herunterladen:


Außenanlage des Hauses
 
o   Ist die Hausnummer groß und kontrastreich, z.B. schwarz auf weiß?
o   Sind die Wege zum Haus ebenerdig und ohne Schwellen oder Stolpersteine?
o   Sind die Zuwege mindestens 1,20 m, besser 1,50 m breit?
o   Sind die Zuwege gut ausgeleuchtet und mit einem Bewegungsmelder versehen?
o   Ist der Hauseingang schwellenfrei oder ggf. über eine Rampe zu überwinden?
o   Hat die Rampe eine maximale Steigung von 6 %?
o   Ist auf der Rampe alle 6 m ein Zwischenpodest von mindestens 1,50 m Länge eingebaut?
o   Ist die Rampe mindestens 1,20 m breit?
o   Wurde die Rampe mit einem mindestens 10 cm hohem Fußsockel versehen?
o   Gibt es auf beiden Seiten der Rampe Handläufe in mindestens 85 cm Höhe, deren Enden nicht in den leeren Raum ragen?
o   Ist es ausgeschlossen, dass sich Wasserpfützen auf der Rampe bilden können?
o   Ist vor und hinter der Rampe eine Bewegungsfläche von mindestens 1,50 m x 1,50 m vorgesehen?
o   Ist der Hauseingang ausgeleuchtet und mit einem Bewegungssensor versehen?
o   Befindet sich der Türdrücker in einer Höhe zwischen 85 cm und 105 cm?
o   Gibt es eine Gegensprechanlage und einen elektrischen Türöffner?
o   Ist die Tür leicht zu öffnen?
o   Hat die Tür eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 90 cm?
o   Falls eine Treppe zur Tür führt: Wurde auf beiden Seiten ein Handlauf montiert?
 
Im Haus
 
o   Ist der Hausflur mindestens 1,20 m, besser 1,50 m breit?
o   Wurden Stolperfallen wie Kabel oder lose Teppiche beseitigt?
o   Ist an der Wand ein Handlauf zur Stütze montiert?
o   Haben die Türen eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 80 cm, besser 90 cm?
o   Haben die Türen eine lichte Durchgangshöhe von mindestens 2,05 m?
o   Sind die Türen ebenerdig und schwellenfrei?
o   Können die Türen leicht geöffnet und geschlossen werden?
o   Werden die Türen durch eine Drückgarnitur – nicht durch einen Drehknopf – geöffnet?
o   Sind Glastüren optisch zu erkennen?
o   Wurden die Türen, falls ein Rollstuhlfahrer im Haus lebt, mit einem horizontalen Griff versehen?
o   Sind die Fenster leichtgängig oder elektrisch zu öffnen?
o   Besteht die Möglichkeit im Sitzen aus den Fenstern zu schauen?
o   Führen die Handläufe im Treppenhaus ohne Unterbrechung über alle Etagen?
o   Gibt es auf beiden Seiten Handläufe?
o   Sind die Stufen und Schwellen kontrastreich gestaltet?
o   Haben die Stufen einen rutschfesten Untergrund?
o   Wurden Stolperfallen, z.B. Teppiche, aufgeschlagener oder abgenutzter Belag, entfernt?
o   Ist das Treppenhaus ausreichend beleuchtet?
o   Werden die einzelnen Stufen, bzw.Verwinkelungen im Treppenlauf, speziell ausgeleuchtet?
o   Gibt es einen Lift?
 
 
Badezimmer
 
o   Ist im Badezimmer überall ein rutschfester Untergrund verlegt?
o   Ist das Waschbecken mit einem Rollstuhl unterfahrbar?
o   Hat das Waschbecken eine ausziehbare Schlauchbrause (Handbrause)?
o   Ist die Waschbeckenhöhe an eine sitzende Person angepasst?
o   Hängt der Spiegel niedrig genug, um sich auch im Sitzen zu sehen?
o   Sind die Bedienelemente kontrastreich gestaltet und leichtgängig?
o   Öffnet die Badezimmertür nach außen?
o   Wichtig im Ernstfall: Kann die Tür von außen entriegelt werden?ß
o   Ist das WC an die Körpergröße anpassbar, z.B. durch einen Aufsatz, ein Podest oder eine mechanische Vorkehrung?
o   Kann die Spülung seitlich im Sitzen betätigt werden?
o   Sind eine Armlehne und eine Rückenstütze vorhanden?
o   Hat die Badewanne eine maximale Einstiegshöhe von 50 cm?
o   Sind um die Badewanne herum Stützmöglichkeiten, z. B. durch Griffe oder Handläufe gegeben?
o   Ist die Dusche ebenerdig?
o   Gibt es eine Sitzmöglichkeit und Stützhilfen in der Dusche?
o   Hat die Dusche einen rutschfesten Boden?
 
 
Küche
 
o   Wichtigste Frage: Sind alle Werkzeuge, Töpfe, Geschirre, die man täglich zur Hand nimmt, gut und bequem erreichbar und leicht zu verstauen? Verfügt die Küche über viel freie Bewegungsfläche, d.h. mindestens eine Fläche von 120 x 120 cm vor der Kücheneinrichtung?
o   Sind Herd, Arbeitsplatte und Spüle nebeneinander angeordnet, idealer Weise übereck?
o   Sind Geräte und Arbeitsfläche auf die individuell erforderliche Höhe (bequemes, angenehmes, rückenfreundliches Arbeiten im Stehen bzw. Sitzen montiert?
o   Verfügen alle verwendeten Gegenstände und Bedienelemente, z.B. elektronische Küchengeräte, sämtliche Schubladen und Schranktüren, über große und leicht greifbare Griffe?
o   Sind Bedienungselemente und Steckdosen sind in einer angenehmen Höhe von 85 cm, sodass gefährliches Bücken und Strecken vermeiden wird, angebracht?
o   Für Rollstuhlfahrer: Sind die Arbeitsflächen und Geräte in der Küche uneingeschränkt unterfahrbar? Ist ausreichend ebenerdiger Stauraum vorhanden oder gibt es alternativ herunterfahrbare Hängeschränke bzw. ausziehbare Schrankmodule? Sind wichtige Küchengeräte (Spülmaschine, Herd, Spüle usw.) in ergonomisch guter Höhe eingebaut?
 
 
Wohnräume
 
o   Haben Polstermöbel wie Bett oder Couch eine angemessene Härte?
o   Haben die Polstermöbel eine angemessene Höhe, um das Aufstehen zu erleichtern?
o   Sind die Möbel standfest?
o   Ist vor den Möbeln genug Bewegungsfläche?
o   Ist vor und neben dem Bett viel freie Bewegungsfläche?
o   Gibt es einen Lichtschalter und ein Telefon am Bett?
 
 
 
Weitere Infos zum Thema „Barrierefrei Umbauen/Wohnen“
Links, Ausstellungen und Literatur:
 
 
Link-Liste barrierefrei
 
www.opper-architekten.de
Architektur und Ingenieurbüro aus Kaarst (Nordrhein Westfalen) mit vielen Referenzen zum Thema Barrierefreiheit. Wählen Sie „Barrierefreies Bauen“ und dann „Weg zu einer Baumaßnahme“. Dort finden Sie eine Auflistung der notwendigen Dokumente die für den Umbau benötigt werden.
 
www.nullbarriere.de
Detaillierte Auflistung relevanter DIN-Normen und Planungshilfen für den barrierefreien Umbau. Unter der Kategorie „Wissenswert“ finden Sie Informationen zu verschiedenen Themen wie die Gestaltung von Küche, Bad und WC. Breit gefächerte Informationen zu verschiedenen Einschränkungen unter anderem auch für Blinde, Taube und Gehbehinderte Personen im privaten und öffentlichen Bereich.
 
www.online-wohn-beratung.de
Das Portal des Vereins „Barrierefrei Leben e.V. bietet verschiedene Checklisten für Bau- und Umbaumaßnahmen. Zusätzliche Leistungen sind die kostenlose online Beratung und ein 3D-Badplaner.
Tipp: Baulösungen werden sehr detailliert dargestellt: Wählen Sie z.B. den Bereich „Ratgeber für Ihr Zuhause“ und anschließend „Türen und Schwellen“. Dort finden Sie unter anderem eine Checkliste für Wohnungstüren, verschiedene Türschwellen und Türanschläge, Elektrische Türantriebe und DIN-Normen für barrierefreie Türen. Wenn Sie anschließend am Ende der Seite beispielsweise „Türen und Zargen“ auswählen gelangen Sie zu den verschiedenen Anbietern für die entsprechenden Systeme.
 
www.bda-bund.de
Homepage des Bundesverbands der Architektenkammern. Hier finden Sie schnell und unkompliziert einen geeigneten Architekten für Ihr Bauvorhaben. Wählen Sie auf der Startseite einfach „Architektensuche“ und anschließend im Fachgebiet „barrierefreies Bauen“
 
www.myhandicap.de
Homepage bietet ein unabhängiges Umfeld mit der Möglichkeit Erfahrungen, Rat und Unterstützung auszutauschen. Beinhaltet zahlreiche Informationen und Adressen rund um gesundheitliche Beeinträchtigungen. Wählen Sie den Bereich „Bauen und Wohnen“ an. Zusätzlich bietet die Stiftung eine App für Android und iPhone mit der Sie barrierefreie Cafés, Hotels, Ärztehäuser und Co. finden können.
 
www.rehadat.de
Info-Portal des Instituts der deutschen Wirtschaft e.V. Köln, mit detaillierter Suchfunktion. Liefert Informationen für die Ermöglichung der Barrierefreiheit, sowie einen Vergleich verschiedener technischer Hilfsmittel im privaten Bereich.
Sehr umfangreiche Auflistung, gibt eine gute Übersicht über die Möglichkeiten zur Alltagserleichterung.
 
www.serviceportal-zuhause-im-alter.de
Informationsseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Hier finden Sie verschiedene Programme und Projekte zum Thema „wohnen im alter“, sowie Finanzierungsmöglichkeiten für Um- und Neubaumaßnahmen. Zusätzlich bietet die Homepage eine Liste mit ersten Anlaufstellen für Interessierte Personen.
 
www.autoanpassung.de
Homepage zeigt verschiedene geeignete Fahrschulen in der eigenen Umgebung und unterstützt bei der Suche nach einem geeigneten Auto. Weiterhin gibt die Internetseite Informationen über Hilfen zur Finanzierung und über rechtliche Grundlagen.
 
 
 
Ausstellungen:

 
„Forum für Generationen“
Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik
Kostenfreie Dauerausstellung mit Beratung auf 1200 m2 Ausstellungsfläche mit mehr als 1000 Produkten. Voranmeldung erforderlich
GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik
Max-Planck-Str. 5, 58638 Iserlohn
Tel. 02371-9595-0
www.gerontotechnik.de
 
Kompetenz – Zentrum „Barrierefreies Bauen und Wohnen“
Dauerausstellung auf 600 m2 , Voranmeldung erbeten
MASSIV-HAUSBAU GmbH, Frerichs & Looschen
Dieselstraße 18, 49681 Garrel
Tel. 0447-8898
www.frerichs-looschen.de
 

 
Buch-Tipps:
 
„Altersgerecht umbauen“
Stiftung Warentest
Peter Burk
ISBN: 978-3868510041
19,90 €
 
„Barrierefrei bauen kompakt“
Vera Schmitz
Rudolf Müller Verlag
ISBN: 973-3-481-02966-1
39,00 €
 
„Barrierefrei – Bauen für die Zukunft“
Ulrike Rau
Beuth Verlag
ISBN: 978-3868510041
82,00 €

Artikel geschrieben von

Kathrin Hingst

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Arbeiten auf einer 840.000-Hektar-Farm

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