Schöne digitale Welt?

Digitale Medien im Familienalltag

Die Digitalisierung verändert den Alltag und das Familienleben. Welche Konflikte entstehen? Was ist praktisch, was macht Spaß? Wir haben mit Bäuerinnen und Fachleuten diskutiert.

Alexa, spiel Bibi und Tina.“ Ein Satz, den man noch vor wenigen Jahren kaum je aus einem Kinderzimmer gehört hat. Doch nicht nur Sprachassistenten haben Einzug in die Haushalte gehalten. Auch Laptops, Tablets und Smartphones sind in vielen Familien heute Gebrauchsgegenstände für Groß und Klein. Daneben werden Streamingdienste, Spielekonsolen und smarte (Fitness-)Uhren eifrig und mit Begeisterung genutzt. Das zeigt: Für die meisten Kinder ist die digitale Welt heute ein selbstverständlicher Teil ihres Lebensraums geworden.

Die Onlinezeit fast aller Bundesbürger ist in den beiden Pandemiejahren weiter gestiegen. „Durch Corona sitzen die Kinder noch länger am Rechner“, hat auch Petra Bohnsack aus Einbeck-Erzhausen, Niedersachsen, beobachtet. Sie ist Mutter von vier Kindern zwischen 11 und 21 Jahren.

Nicht wenige Jugendliche würden auf die Frage, wie oft sie online sind, wohl antworten: „Immer.“ Und so unrecht hätten sie nicht, denn ihr Smartphone IST immer online. Es wird selten länger als 10 Minuten vom jugendlichen Besitzer aus den Augen gelassen. Das gilt auch für viele Erwachsene.

Immer und überall online?

Moritz Becker, Medienpädagoge aus Hannover, ist sich sicher: „Es wird in Zukunft immer schwieriger, Onlinezeit in Minuten oder Stunden zu messen.“ Vielfach werden sich Online- und Offlinebereiche noch stärker vermischen“, sagt er.

Das ist schon jetzt oft der Fall: Podcast hören auf dem Trecker? Mit der ­internetfähigen Küchenmaschine nach Anweisung kochen? Oder während der Doppelkopfrunde die Spotify-Playlist laufen lassen? Das ist inzwischen so normal, dass es uns kaum noch auffällt.

Doch nicht nur die Bereiche des Lebens, in denen wir online sind, haben sich vervielfacht. Auch die Beurteilung dieser Onlinezeit hat sich gewandelt: Drei 12-Jährige, die einträchtig TikTok-Videos schauen und sich darüber kaputtlachen. Eine Familie, die gern gemeinsam auf Geocaching-Schatzsuche geht. Eine junge Frau, die über einen Onlinekurs das 10-Finger-Schreiben lernt. Wer in sich geht, stellt fest, dass ihm kaum etwas davon problematisch erscheint. Im Gegenteil. Vieles gilt als wertvoll, praktisch und unterhaltsam.

Verhaltensweisen, die vor der Coronapandemie als abgedreht oder ungesund galten, sind heute im Alltag vieler Menschen notwendig. Viele Haushalte haben sogar technisch aufgerüstet, um Homeschooling und Videokonferenzen zu ermöglichen. Doch ob Zoom-Call mit Opa oder virtueller Mädelsabend – einige dieser Nutzungen werden auch wieder im Sande verlaufen, ist Becker sicher. „Der Mensch ist gesellig und braucht Kontakt zu anderen.“

Familien, deren Internetanschluss und Datenleitungen für so viele Internetaktivitäten nicht ausreichen, hatten es in den letzten Jahren schwer. Denn das ist auf einigen Höfen noch immer Realität. „Mit dem Internet sieht es bei uns eher schlecht aus. Deshalb nutzen wir meistens den Fernseher“, sagt Landwirtin Sabine Kapp (34) aus Rietheim-Weilheim in Baden-Württemberg.

Kontrolle ist besser?

Doch dort, wo es technisch möglich ist, sorgen die überall verfügbaren Medien zwischen Eltern und Kindern für jede Menge Zündstoff. Die Kernfragen: Wie lange darf der Nachwuchs online sein, welche Inhalte sind altersgerecht und welche Geräte braucht ein Kind? Da­rüber haben wir mit vielen Landwirts­familien gesprochen. Die Meinungen gehen weit auseinander. Sie reichen von „Wir nutzen kaum Medien“ bis hin zu „Ach, wir sehen das eher locker“.

Viele Familien bemühen sich, einen Mittelweg zu finden – die Kinder weder von den Medien fernzuhalten, noch ihnen unbegrenzten Zugang dazu zu gewähren. Denn: Kinder lernen den Umgang mit den sozialen Medien ganz in­tuitiv von ihren Eltern, wenn sie ihn im Alltag erleben. Da wird das gemalte Bild der 3-Jährigen...


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