Urlaub in Österreich

Mit dem Wohnmobil zum Bauern

Mit dem Wohnmobil kostenlos auf dem Bauernhof übernachten, als Dank im Hofladen einkaufen. Dieses Konzept hat sich in Österreich etabliert. Zwei Plattformen vernetzen dort Direktvermarkter und Camper.

Urlaub mit dem Wohnmobil boomt, nicht zuletzt wegen Corona. Diesen Trend haben auch Landwirte mit Direktvermarktung in Österreich erkannt. Sie stellen jetzt Wohnmobil-Urlaubern kostenlos bis zu drei Stellplätze für maximal 24 Stunden zur Verfügung. Als Dank für die Gastfreundschaft können die Camper im Hofladen der Betriebe einkaufen. Ein Gewinn für beide Seiten also.

Zwei Anbieter in Österreich

Während in anderen europäischen Ländern dieses Konzept schon weit verbreitet ist, gibt es dieses in Österreich erst seit dem Vorjahr. Über „Bauernleben“ und „Schau aufs Land“ können die Urlauber Österreichs Bauernhöfe finden. Dazu bieten beide Plattformen eine Jahresmitgliedschaft für rund 35 € an.

Bei „Bauernleben“ erhalten die Urlauber mit autarkem Wohnmobil oder Wohnwagen für das Geld einen Stellplatzführer in Buchform. Dazu gibt es eine eigene Kundenkarte, eine Bauernleben-Vignette und eine kostenlose App.

Geschäftsführer Franz Roitner erklärt, dass bereits über 400 Betriebe und Weingüter im Katalog enthalten sind. Er berichtet auch, dass Bauernleben Österreich-Partner im internationalen Stellplatz-Netzwerk FEFI ist.

Ähnlich funktioniert das Grazer Start-up „Schau aufs Land“. Diese Plattform ist seit Juni online und wird von Leonard Röser, Christian und Karin Gruber-Steffner gepflegt. Bei „Schau aufs Land“ steht der Stellplatzführer digital zur Verfügung. Eine App soll ab April das Angebot zusätzlich ergänzen.

Aufgenommen werden bei „Schau aufs Land“ aber nur Betriebe mit einer nachhaltigen Produktionsweise. Somit finden sich unter den über 200 Bauernhöfen und Weingütern vor allem Biobetriebe.

Keine Verpflichtungen

Während die Wohnmobil-Urlauber für die Mitgliedschaft bei beiden Plattformen bezahlen müssen, entstehen für landwirtschaftliche Betriebe keine Kosten. Zudem haben die Landwirte und Winzer keine Verpflichtungen. Das heißt, sie müssen den Campern weder Warmwasser, Strom oder eine Toilette zur Verfügung stellen. Denn die Wohnmobile sind voll ausgestattet. Auch die Müllentsorgung müssen die Betriebe nicht übernehmen.

Neue Chance für Landwirte

Zu beachten gibt es nur, dass die Gäste mit Wohnmobil keine Buchungen vornehmen können. Je nachdem, welche Art der Kontaktmöglichkeit der Betrieb angegeben hat, melden sich die Urlauber einige Tage vor der Ankunft.

Auch die Meldung an die Tourismusbüros entfällt, da dieses Konzept auf dem Einkauf im Hofladen basiert und für den Stellplatz keine Gebühr verlangt wird. Somit müssen die Betriebe auch keine Tourismusabgabe zahlen.

Im Großen und Ganzen sehen Landwirte die Camper als Chance, ihre landwirtschaftlichen Produkte an ein neues Kundenklientel zu verkaufen. Ebenso wichtig sind die Öffentlichkeitsarbeit und die Gespräche mit den Wohnmobil-Urlaubern. So können Bauern kritische Fragen aufklären und das Interesse an der Landwirtschaft stärken.