Abfindung: Was ist gerecht, was verkraftet der Hof? Premium

Viele Betriebe verkraften keine umfangreichen Abfindungen. Je nach wirtschaftlicher Ausgangslage gibt es enorme Unterschiede, wie unsere Kalkulationen zeigen.

Egal ob der Betrieb nach der nordwestdeutschen Höfeordnung, einem Anerbengesetz oder dem BGB-Erbrecht übergeben wird: Im Ergebnis wird ein aktiver landwirtschaftlicher Betrieb geschlossen an einen Hoferben übergeben, während die weichenden Erben mit einem Geldbetrag vom Hof abgefunden werden. Dabei wird der Hofnachfolger in gewisser Weise privilegiert, weil er seine Miterben nicht nach dem Verkehrswert des landwirtschaftlichen Betriebes abfinden muss, sondern nach einem deutlich niedrigeren Wert. So billigt die Höfeordnung den weichenden Erben lediglich eine Abfindung auf der Basis des 1,5-fachen Einheitswertes, dem sogenannten Hofeswert zu. Davon können noch die vorhandenen Verbindlichkeiten bis zu maximal zwei Drittel des Hofeswertes abgezogen werden. Der verbleibende Betrag ist die rechnerische Vermögensmasse, die unter den gesetzlichen Erben (also meist dem Ehepartner und den Kindern einschließlich des Hofübernehmers) aufzuteilen ist.

Nach dem landwirtschaftlichen Sondererbrecht in Baden-Württemberg, Bremen, Hessen und Rheinland-Pfalz werden die weichenden Erben auf Grundlage des Reinertrages bzw. des Ertragswertes abgefunden. Und selbst bei der Vererbung eines Betriebes als Landgut nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch muss der Hofnachfolger seine Geschwister nicht nach dem Verkehrswert abfinden, sondern nach dem (niedrigeren) Ertragswert. Dieser Wert errechnet sich als kapitalisierter Reinertrag eines durchschnittlichen, ordnungsgemäß bewirtschafteten Betriebes.

Allen diesen Bestimmungen liegt der (richtige) Gedanke zugrunde, dass ein Hof zwar u.U. ein erhebliches Vermögen darstellt, das aber für den Hoferben nicht zu realisieren ist, da es sich um seinen Arbeitsplatz handelt.

Ausgangslage unterschiedlich:

Ein vorsorgender Landwirt wird sich bei der Abfindung der weichenden Erben aber nicht einfach auf das Gesetz verlassen, sondern individuelle Regelungen anstreben, die zu Betrieb und Familie passen. Um gute Lösungen zu finden, sollten die Eltern rechtzeitig Gespräche mit dem Hofnachfolger und den weichenden Erben führen. Faustformeln helfen dabei nicht weiter und sind auch für die weichenden Erben kaum nachvollziehbar. Sinnvolle Regelungen lassen sich nur aufgrund konkreter Zahlen des einzelnen Betriebes finden.

Am Anfang steht somit die gründliche Analyse des Unternehmens. Dafür sollten Sie die wirtschaftlichen Daten Ihres Betriebes über drei Wirtschaftsjahre, besser fünf -jahre zusammenstellen und diese als Grundlage für Diskussionen über die Höhe einer möglichen Abfindung nutzen. Wie die Übersicht 1 anhand einiger repräsentativer Kennzahlen für spezialisierte viehhaltende Betriebe der Sauen-, Mastschweine- und Milchviehhaltung im Schnitt der Wirtschaftsjahre 2012/13 bis 2016/17 zeigt, gibt es hier je nach Betrieb erhebliche Unterschiede der wirtschaftlichen Ausgangslage bzw. der Leistungsfähigkeit.

Im Schnitt halten spezialisierte Sauenhalter etwa 278 Sauen und verkaufen...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Bundesrat will Solaranlagen weiter fördern

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Das könnte Sie auch interessieren

Die Geschwister wie am Gewinn beteiligen?

vor von Arno Ruffer (06.08.2015 - Folge 32)

So gelingt die Hofübergabe

vor von Bernhard Gründken

Hofnachfolge wie sinnvoll regeln?

vor von Hubertus Schmitte

Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen