Besser mit Ehevertrag!

Paare, die es bei den gesetzlichen Eheregeln belassen, riskieren ein finanzielles Desaster im Scheidungsfall – je nachdem für den Landwirt oder den eingeheirateten Ehepartner.

Heiratet ein Landwirt, geht es auch um den Hof – mit Chancen und Risiken. Eine große Gefahr: die Scheidung. Rund ein Drittel aller Ehen wird geschieden, auch auf den Höfen. Ist nichts anderes geregelt, gelten für die Vermögensauseinandersetzung die gesetzlichen Regeln der Zugewinngemeinschaft (s. Zusatzinfo „Einfach erklärt“ auf S. 44). Ein Risiko für beide Partner.

Für den Landwirt: Gewerbebetriebe, Bauland, ein aufgegebener Betrieb u.ä. werden nicht mit dem Ertragswert, sondern mit dem Verkehrswert bewertet, sodass der Landwirt ggf. einen unangemessen hohen Ausgleich leisten muss.

Für den Ehepartner: Bleibt eine Wertsteigerung des Betriebs aus und hat der Landwirt kaum privates Vermögen aufgebaut, geht der Ehepartner u.U. (fast) leer aus – besonders bitter, wenn dieser selbst kaum Vermögen bilden konnte. Ein Beispiel zeigt, wie es laufen kann.

Praxisfall zeigt Risiko

Jens und Lisa sind seit 2017 verheiratet. Einen Ehevertrag haben sie nicht, sie leben in Zugewinngemeinschaft. Jens bewirtschaftet einen 80 ha großen Milchviehbetrieb (50 ha Eigentum) mit 80 Kühen und weiblicher Nachzucht. 2020 hat er diesen vom Vater übernommen. Lisa kümmert sich um die zwei Kinder, den Haushalt sowie um Kälber und Büro. Ihren Beruf als Kauffrau hat sie vorerst aufgegeben. Für Jens und Lisa passt das. Aber was passiert, wenn sich das Paar auseinanderlebt, sich z.B. im Jahr 2032 scheiden lässt?

Dann geht es v.a. darum, zu ermitteln, wie hoch der sog. Zugewinn des Betriebs ist und welchen Ausgleichsbetrag Jens seiner Ehefrau dafür zahlen muss. Folgende Szenarien sind denkbar:

  • Jens erweitert den Betrieb bis 2032 auf ca. 140 Milchkühe und 100 ha Fläche. Es handelt sich um reine Landwirtschaft, die Berechnung des Zugewinns erfolgt deshalb nach Ertragswert. Entsprechend gering fällt mit 31000 € die Ausgleichszahlung an die Ehefrau aus. Bei Scheidung nach rund zwölf Jahren Mitarbeit sollte Lisa mehr zustehen.9

  • Zusätzlich zur erweiterten Milchviehhaltung errichtet Jens 2021 mit einem weiteren Gesellschafter ein größeres Solarfeld auf einer gewerblichen Eigentumsfläche. Der Solarpark geht mit dem Verkehrswert in die Zugewinnberechnung ein. Nach Scheidung müsste Jens seiner Ehefrau deshalb gut 115500 € für Hof plus Solarpark zahlen.10

  • Jens gibt den Hof endgültig auf, investiert aber in ein Solarfeld (siehe oben). Sowohl Solarfeld als auch der „Betrieb“ gehen mit dem Verkehrswert in den Zugewinnausgleich ein. Jens müsste Lisa deshalb einen Ausgleich von gut 260000 € auszahlen. Ohne Flächenverkäufe wäre dies kaum möglich.11

Faire Regeln aufstellen

Um derartige Schieflagen zu vermeiden, sollten die Eheleute einen Ehevertrag vereinbaren, der die Interessen beider Partner berücksichtigt. Beschäftigen Sie sich dafür mit den Fallstricken und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Nutzen Sie die Möglichkeit, den gesetzlichen Güterstand abzuändern und faire Regeln zu schaffen. Im Kern geht es meist darum, den Betrieb aus der Scheidung rauszuhalten und dem einheiratenden Partner einen kalkulierbaren, gerechten Ausgleich zu verschaffen. Gleichzeitig verhindern Sie so teure Gutachten-„Schlachten“ bei Scheidung.

Gütertrennung passt selten

Schnell geht es dann um die Gütertrennung als vermeintlich „sauberste“ Lösung. Sind und bleiben beide...