Auf Bio Umstellen?

Biotierhaltung: Mehr Platz, mehr Luft Plus

Was ist zu beachten, wenn Tierhalter auf Bio umstellen wollen? Wir haben in der Praxis nachgefragt.

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Mehr Platz im Stall, Außenausläufe, genug hofeigenes Raufutter, ausreichend Flächen oder Kooperationsbetriebe, um die Besatzdichten einzuhalten – beim Einstieg in die Biotierhaltung müssen die betrieblichen Gegebenheiten passen (s. Übersicht 1). Zusätzlich müssen Sie als Betriebsleiter Zeitreserven haben, um die Vermarktung zu organisieren und die Kontrollen zu meistern.

Verbände Sind strenger

Auch in der Tierhaltung gilt: Die EU- Ökoverordnung (EU-Öko-VO) bildet das „Grundgesetz“, die Verbandsrichtlinien sind strenger. Verbandsbetriebe haben aber oft mehr potentielle Abnehmer, profitieren von höheren Preisen und einem ausgeprägten Netzwerk zwischen den Betrieben. EU-Biobetriebe müssen viel selbst organisieren, haben aber bei den Produktionskosten oft Vorteile. Zudem ist bei EU-Bio die Teilung des Betriebes in konventionelle und ökologische Betriebszweige erlaubt, wenn unterschiedliche Gebäude und eine strikte Trennung der Bereiche möglich sind. Das kann sich bei Betrieben anbieten, die schrittweise in die Biotierhaltung einsteigen wollen. Weil es für die teilweise Umstellung keine Bioprämien der Länder gibt, ist das aber die Ausnahme.

Mehr Platz und Auslauf

Bei den Ställen sind Vollspalten verboten, der Liegebereich ist einzustreuen. Die Übersichten 2 und 4 zeigen, wie viel Stallplatz und Auslauf die neue EU-Öko-VO vorschreibt, die ab dem 1. Januar 2021 gilt. An diesen Flächenvorgaben orientieren sich auch die Verbände. Sie stellen aber z.B. bei Ausläufen, Fütterung und Weidehaltung weitere Ansprüche. Da einige Details der neuen EU-Öko-VO noch nicht feststehen, sollten Umstellungswillige sich unbedingt belastbar informieren!

UMstellung gut planen!

Biofutter ist für Biotiere Pflicht. Bei Raufutterfressern muss es zu 60% aus dem eigenen oder einem Kooperationsbetrieb derselben Region stammen, bei Schweinen und Geflügel zu 30%, so sieht es die neue Öko-VO 2018/848 vor. Bei den Verbänden sind teils höhere Anteile Pflicht. Kostengünstiges Umstellungsfutter von anderen Betrieben können Biobetriebe ab dem 1.Januar 2021 nur noch zu 25% statt derzeit zu 30% in der Ration einsetzen.

Ganz in der Biotierhaltung verboten sind gentechnisch veränderte Futtermittel, chemisch-synthetisch hergestellte Futterzusätze und Nichtproteinstickstoff wie Harnstoff, denaturiertes Eiweiß oder synthetische Aminosäuren. Max. 5% konventionelle Eiweiß-Futterkomponenten sind bei Monogastriern noch erlaubt, wenn entsprechende ökologische Nährstoffe nicht verfügbar sind oder z.B. Mangelernährung im Eiweißbereich droht (siehe unten).

In der Umstellungsphase dürfen Sie das eigene „Nulljahresfutter“, also die Ernte direkt nach der Anmeldung bei der Kontrollstelle, nur eingeschränkt nutzen. Einsetzbar sind z.B. 20% der eigenen Leguminosen oder der mehrjährigen Futterpflanzen. Diese Anteile müssen Sie aber auf die 25% mögliches fremdes Umstellungsfutter von anderen Betrieben anrechnen. Nach zwölf Monaten kann man das selbst erzeugte Umstellungsfutter zu 100% verfüttern.

Die Umstellungszeit für die Flächen beträgt zwei Jahre. Im Ackerbau gilt erst die Ware als ökologisch erzeugt, die Sie nach 24 Monaten Umstellung aussäen, was auch für Kleegras gilt.

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