China zwischen Wunsch und Wirklichkeit Premium

1,4 Milliarden Menschen ernähren, die Lebensmittelqualität verbessern und Umweltprobleme lösen. Ob China das gelingen kann, hat top agrar vor Ort recherchiert.

Lachend kommt Herr Wang aus dem Stall. Das Hemd noch fleckig empfängt er uns freundlich aber mit großen Augen. Was deutsche Landwirte bei ihm wollen, versteht der Schweinehalter nicht. Mit seinen 700 Schweinen in zwölf Jahre alten Gebäuden sei er doch kein Vorzeigebetrieb der neuen chinesischen Landwirtschaft!

Doch deshalb sind wir hier. Die Volksrepublik ist zwar bekannt für Schweinehochhäuser, hundertausende Hektar große Staatsfarmen und vertikal integrierte Milchunternehmen. Doch die durchschnittliche Größe der rund 200 Mio. Betriebe beträgt schätzungsweise 10 Mu oder 0,6 ha (1 Mu = 669 m2). Die Strukturunterschiede sind riesig.

Dabei steht die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen: Die Bevölkerung hat sich innerhalb von 50 Jahren verdoppelt. Mit 1,38 Mrd. Menschen ist China das bevölkerungsreichste Land der Welt (s. Übersichten S. 21). Hinzu kommt eine wachsende Mittelschicht mit neuen Essgewohnheiten.

Obwohl das Land seine Getreideerträge in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat und mit 54 Mio. t Schweinefleisch pro Jahr weltweit an der Spitze steht, reichen die Lebensmittel für eine Selbtversorgung nicht aus. Woran liegt das und welche Lösungsansätze gibt es?

Wenig Ackerflächen:

Der begrenzende Faktor für eine steigende Produktion ist die knappe Fläche. Zwar ist China etwa 27 Mal so groß wie Deutschland. Doch das Land verfügt nur über schätzungsweise 10% landwirtschaftliche Nutzfläche, die zunehmend mit den wachsenden Großstädten konkurriert. Und während der Süden durch hohe Niederschläge und Temperaturen geprägt ist, bestimmen im Westen Trockenheit und Wüstenklima den Anbau. Im Norden begrenzen eisige Winter mit Temperaturen bis -50°C die Vegetation.

So lag der Fokus der letzten Jahre darauf, mehr Lebensmittel auf weniger Fläche zu produzieren. Das belastet die Boden- und Wasserqualität und reduziert die Anbaufläche zusätzlich. Verschärft werden die Umweltprobleme, weil Ackerbau und Tierhaltung in der Regel getrennt sind. Schweinehalter kaufen Soja aus Brasilien, Milcherzeuger Luzerne aus den USA. Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) bringen Landwirte im Schnitt über 250 kg Stickstoff und knapp 130 kg Phosphat pro ha auf die Flächen. „In den östlichen Provinzen drängen sich Tierbestände und Bevölkerung. Im Bereich Peking werden zum Teil über 15 Großvieheinheiten (GV) je ha gehalten“, so Dr. Sven Grupe, der im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaf (BMEL) ein Kooperationsprojekt für die Rinderzucht leitet und regelmäßig in China ist.

Folgen der Planwirtschaft:

Zudem ...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Claas präsentiert völlig neu entwickelte Lexion-Mähdrescher

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Anke Reimink

Redakteurin Rinderhaltung

Schreiben Sie Anke Reimink eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen