Das Rechnungsdebakel der NLG Premium

Bezahlt ist bezahlt. Die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) schert das wenig. Sie fordert von Landwirten für Planungsarbeiten Hunderttausende von Euros nach – rund drei Jahre nachdem diese ihre Abschlussrechnungen beglichen haben.

Impulsgeber für Niedersachsen. Mit diesem Werbeslogan wirbt die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) auf ihrer Homepage. Impulse der ganz eigenen Art hat sie bei einem Dutzend Landwirten ausgelöst: Unverständnis, Wut und Verzweiflung.

Anfang September nimmt Andreas Lindenberg zur top agrar-Redaktion Kontakt auf. Der Bauingenieur ist ebenfalls von dem Streit mit der NLG betroffen und macht sich für die Landwirte stark. Was er am Telefon erzählt, klingt abenteuerlich. So abenteuerlich, dass man es kaum glauben kann. Das weiß auch Lindenberg und untermauert seine Version der Geschichte mit fünf Urteilen, die er und die Landwirte vor Gericht erstritten haben.

Wenige Tage später liegen Kopien der Richtersprüche in unserem Postfach. Rund 55 Seiten. Sie lesen sich wie eine Abrechnung der Gerichte mit der Landgesellschaft.

Wie jedes Drama, nimmt auch dieses erst langsam Fahrt auf. Zwischen den Anfängen und den Gerichtsurteilen liegen Jahre. Ende 2009 überarbeitet der Gesetzgeber das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Der Bau von Biogasanlagen wird lukrativ. Auch die südniedersächsischen Landwirte wollen daran verdienen. Wie viele ihrer Kollegen gründen sie drei Gesellschaften, um in die Biogasproduktion einzusteigen (Übers. rechts).

Mit dem Bau der Anlagen beauftragen die Südniedersachsen verschiedene Biogasfirmen als Generalunternehmer. Wie in der Branche üblich, übernehmen diese nicht die kompletten Arbeiten. Stattdessen benötigen die Landwirte einen weiteren Planer, der sich um die Siloplatten, die Lkw-Waage, um die Genehmigungen oder beispielsweise das Wärmekonzept kümmert. Dazu holen sie sich verschiedene Angebote von Ingenieuren und Architekten ein – unter anderem auch von der NLG. Deren Festpreisangebote fallen zwar nicht durch niedrige Preise auf. Den Zuschlag bekommt das Unternehmen in allen drei Fällen dennoch, da es bei den Landwirten Vertrauen erweckt. Schließlich befindet sich die Landgesellschaft zu 52% in der Hand des Landes Niedersachsen. Die übrigen Anteile halten verschiedene Kommunen und Städte. Außerdem verfügt die NLG über reichlich Erfahrung. Bauingenieur Lindenberg war selbst einmal bei der halbstaatlichen Behörde angestellt. Er schätzt, dass sein Ex-Arbeitgeber Hunderte solcher Aufträge pro Jahr angenommen und abgearbeitet hat.

Die sechsfache Summe

„Wir waren hochzufrieden mit der Zusammenarbeit“, erinnert sich Frank Krösche. Er ist einer der Gesellschafter der Biogas Eschershausen und bewirtschaftet einen 200ha-Betrieb im gleichnamigen Ort. Ähnlich erging es auch den anderen Gesellschaften, weshalb alle nach der Bauabnahme ihre Rechnungen beglichen, auf denen gut lesbar „Schlussrechnung“ stand.

Auch die NLG war allem Anschein nach zufrieden. In ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 2011 führt sie die Projekte sogar als Referenz für eine erfolgreiche Geschäftspolitik an. Rund drei Jahre später unterliegt man in der Konzernzentrale offensichtlich einem Sinneswandel und konfrontiert die Landwirte mit neuen Rechnungen. Rund 400000 bis 760000 € sollen die einzelnen Gesellschaften nachzahlen – teilweise das rund Sechsfache der ursprünglichen Rechnungssummen. Fälligkeit: sofort. Wenig später erlässt die NLG auch noch Zinsbescheide gegen die Betroffenen. Zinssatz: 9%-Punkte über dem jeweils gültigen Basiszinssatz. Bis zu 190000 € brummt sie den Landwirten in einem Fall zusätzlich auf.

„Das ist dreist. Nach Jahren eine neue Rechnung verschicken. Aus unserer Sicht zu Unrecht und dann noch Zinsen für das angeblich ausstehende Geld verlangen“, ärgert sich Landwirt Barthold von Gadenstedt, der an der Bioenergie Ambergau...

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