Reportagen

Das sagen die Forstexperten Premium

Wo liegen die Schwerpunkte des Waldsterbens und welche Erfahrungen haben die Fachleute vor Ort gemacht? Wir haben mit Förstern in ganz Deutschland gesprochen.

Franken: Kiefer und Fichte am stärksten betroffen

Mit Dr. Steffen Taeger, AELF Hersbruck, sprachen wir über die Situation in Franken: „Die Temperatur-Extreme und das zweite Dürrejahr belasten alle Baumarten stark. Bei uns in Franken ist die Kiefer unterschiedlich betroffen. Südöstlich von Nürnberg gab es immer wieder lokale Gewitter, die trotz wenig Regen die extremen Bedingungen offensichtlich abmilderten. Die Lage ist aktuell nicht schlimmer als im ebenfalls sehr trockenen Jahr 2015, als das Kiefernsterben erstmals stärker auftrat. Dramatisch sieht es 15 bis 20 km weiter nördlich im Stadtgebiet von Nürnberg, sowie in den Kreisen Neustadt-Aisch und Fürth aus.

Generell würde ich die Situation zwischen Nürnberg und Würzburg als katastrophal beschreiben. Hier sterben die Kiefern auf ganzen Flächen ab, es ist nicht mehr ein vorrangiges Problem an den Waldrändern. Ein normaler Holzeinschlag findet nicht mehr statt, es geht nur noch um die Zwangsnutzung.

Zwischen Lauf und Schnaittach im Nürnberger Land gibt es normalerweise etwa 800 mm Niederschlag pro Jahr. Hier wachsen Buchen-Fichten-Mischbestände – eigentlich eines der Zukunftsmodelle. Doch die Fichte stirbt auch hier nahezu komplett durch Borkenkäfer ab. Die Buche bleibt zurück, also ein Teil des Waldes noch erhalten. Die Buchen zeigen aktuell nur vereinzelt Absterbe-Erscheinungen. 2015 war die Trockenheit deutlicher sichtbar, damals verfärbten sich Buchen auf den Oberhängen bereits im August braun und warfen ihre Blätter ab. Sie trieben aber im Folgejahr größtenteils wieder aus.

Im Landkreis Neustadt-Aisch gibt es Mittelwälder mit hohem Eichenanteil. Vielerorts sind die Eichen massiv vom Schwammspinner kahlgefressen worden. Sie sind aktuell nur zu gut einem Drittel wiederbelaubt. Dazwischen stehen Eschen, die durch das Triebsterben abgestorben sind. In der Region ist die Fichte abgestorben, die Kiefer stark geschädigt. Die Situation macht mir durchaus Angst. Trotzdem sind wir überzeugt, dass Buche und Eiche ihre wichtige Rolle behalten. Allerdings bauen in unserem Landkreis auf 80000 ha im Wesentlichen nur vier Baumarten den Wald auf. Wir brauchen künftig dringend mehr Baumarten und müssen gezielt seltenere heimische Arten einbringen. Oder auch die Küstentanne oder die Roteiche. Es wird immer wichtiger, das Risiko zu streuen. Zusätzlich sollten wir „neue“ Baumarten wie die Atlas- oder Libanonzeder, die Esskastanie, Zerreiche oder Schwarzkiefer ausprobieren. Natürlich nicht wild gemischt, sondern mit Konzept.

Wir halten es für sinnvoller, nicht in Flächen zu denken, sondern besser jeweils truppweise zu pflanzen. Und dazwischen teils auch natürliche Bewaldung und Pionierbaumarten zuzulassen.

Es wird extrem schwierig, geeignetes Pflanzgut mit entsprechenden Herkünften bereitzustellen. Doch nur auf die natürlichen Anpassungskräfte zu setzen, halte ich für falsch. Denn nach einem artenarmen Wald wird sich in absehbarer Zeit automatisch...

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