Erdkabel: Jetzt geht es los! Premium

Die Energiewende kommt in der Praxis an: Im westfälischen Raesfeld wird das bundesweit erste Hochspannungs-Erdkabel verlegt. Die betroffenen Bauern haben hart verhandelt und neue Regelungen zur Entschädigung durchgesetzt.

Als Landwirt möchte ich die Erdkabel eigentlich nicht in meinem Acker – doch für den dörflichen Frieden und das Gemeinwohl sehe ich keine andere Möglichkeit“, so schildert Landwirt Bernd Nienhaus seine gespaltenen Gefühle, wenn er an das Bauprojekt denkt, das ihn nun schon seit drei Jahren beschäftigt. Das, was im nordrhein-westfälischen Kreis Borken passiert, ist schlicht absolutes Neuland in Deutschland. Hier soll im Frühjahr 2014 der bundesweit erste Bau eines Erdkabels für 380 kV-Wechselstrom starten. Ein Pilotprojekt, das es in sich hat:

  • Die 3,4 km lange Erdkabel-Trasse benötigt 41,5 m Arbeitsstreifen.
  • Für 380 kV sind 12 armdicke Kabel nötig. Sie liegen in zwei Kabelgräben, jeweils 5 bis 6 m breit, rund 2 m tief, mit Spezialmaterial unterfüttert. Die Gräben mit Baustraße in der Mitte sind zusammen 22,60 m breit.
  • Die Kabel erwärmen sich an der Oberfläche auf bis zu 70 Grad.

Für Bernd Nienhaus, der in unmittelbarer Nähe der Trasse einen Sauenbetrieb mit Ackerbau bewirtschaftet, sind vor allem die erheblichen Erdarbeiten problematisch: „Wir haben bereits in den sechziger Jahren Gas- und Ölleitungen in den Acker bekommen – die Spuren sind bis heute sichtbar.“ Dazu kommt, dass es mit Leitungen dieser Größe bislang keinerlei Praxiserfahrungen gibt und nur wenige, kaum belastbare wissenschaftliche Untersuchungen. Nienhaus befürchtet wie die anderen betroffenen Landwirte vor allem die langfristigen Beeinträchtigungen:

  • Veränderungen des Wasserhaushalts, weil die Trassenunterlage die Kapillarkräfte unterbricht.
  • Die Erwärmung der Erdkabel im Trassenstreifen.

Dazu kommt die Sorge, dass schnell weitere Kabel hinzukommen, wenn erstmal eines verlegt ist. Um ihre Interessen besser zu vertreten, schlossen sich deshalb fast alle Grundstückseigentümer vor zwei Jahren zu einer Interessengemeinschaft für die Verhandlungen mit dem Netzbetreiber Amprion zusammen. „Weil eine starke örtliche Bürgerinitiative in Raesfeld für ein Erdkabel kämpfte, haben wir als Landwirte beschlossen, diesen Wunsch mitzutragen und gemeinsam etwas vernünftiges für alle auf die Beine zustellen“, erklärt Nienhaus.

Im Laufe der Zeit entstand eine ständige Verhandlungskommission aus Landwirt Nienhaus, zwei weiteren Landwirten, einer Grundstückseigentümerin und zwei Mitarbeitern des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) für die Verhandlungen mit...

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