Fisch statt Schwein Plus

Gero Schnepel aus Wunstorf in Niedersachsen mästet seit etwa zwei Jahren Zander. Das Geschäft ist schwierig und kompliziert. Bereut hat er den Schritt trotzdem nicht. Ein Erfahrungsbericht.

Hundert Tonnen pro Jahr und mehr sollten es schon sein. Wer sich danach erkundigt, ab wann eine Aquakultur rentabel ist, bekommt genau das als grobe Richtschnur genannt. Kein Wunder, schließlich kosten die Indoor-Fischfarmen oft 500000 € und mehr und wie überall in der freien Wirtschaft gilt auch für diese Branche: Je größer die Investition, desto größer muss der Output sein.

Mit einer Produktionsmenge von rund 8 t pro Jahr wirkt die Anlage von Gero Schnepel dagegen wie ein „kleiner Fisch“. Dennoch hat sich der Landwirt bewusst dafür entschieden. Sein Erfolgsrezept: eine günstige Anlage, günstige Wärme aus seiner Biogasanlage, preiswerter Strom aus der Solaranlage und optimale Betreuung durch Max Hoersen, seinem Berater.

Vor zwei Jahren stellte er einen Bauantrag für einen Schweinemaststall. Zunächst sah alles danach aus, dass ihm der Landkreis grünes Licht erteilen würde. Kaum lag der Antrag aber auf dem Schriebtisch des zuständigen Beamten, verschärfte die Regierung das Bundesimmissionsschutzgesetz. Anstatt eines herkömmlichen Güllesilos sollte er nun ein luftdichtes Lager bauen. Die Zusatzkosten hätten sein ohnehin enges Budget gesprengt. Frustriert zog er den Antrag zurück.

Die Diva unter den Fischen

Schnepel hatte sich aber fest vorgenommen, seinen Betrieb mit einer Biogasanlage (526 kWel.), 150 ha Ackerbau und 1600 Schweinemastplätzen für die Zukunft zu rüsten. Neben dem Massenprodukt Schwein wollte er ein Standbein im hochpreisigen Segment aufbauen. Um seine Möglichkeiten auszuloten, ging er analytisch vor und setzte sich zunächst mit den Vorteilen seines Standorts auseinander – und die sprachen für die Aquakultur:

  • Er kann Wasser aus einem Hofbrunnen nutzen.
  • Seine Solarstrom- und Biogasanlage erzeugen günstigen Strom bzw. preiswerte Wärme.
  • Jede Aquakultur benötigt ein Abwasserlager. Dafür bot sich ein altes, ungenutztes Güllesilo an.
  • Durch die Nähe zur Großstadt Hannover gibt es viele potenzielle Kunden im näheren Umfeld des Hofes.

Allerdings hatte Schnepel zu dem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer von der Fischmast. Um die Wissenslücke zu schließen, holte er sich den Fischereimeister und Berater Max Hoersen aus Görzke (Brandenburg) mit an Bord. Dieser war es dann auch, der ihm riet, sich zunächst auf eine Fischart festzulegen und dann erst in die Technik zu investieren. Denn die Ansprüche der Tiere sind sehr verschieden, weshalb man nicht jeden Fisch in jeder Anlage halten kann. Schnepel entschied sich für den Zander, der für seine hohen Ansprüche bekannt ist und teuer gehandelt wird. „Die Diva unter den Fischen“, scherzt Hoersen. Als die ersten Angebote der Anlagenhersteller vorlagen, ließ Schnepel diese sicherheitshalber von Hoersen überprüfen.

Altanlage aufgerüstet

Das Urteil war schnell gefällt: 250000 € für eine eher kleine Anlage waren eindeutig zu viel – vor allem für eine Investition in einen neuen, unbekannten Betriebszweig. Außerdem enthielten die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Verkäufer typische Fehler: zu niedrige Futter- und Stromkosten sowie ein viel zu niedrig angesetzter Wasserverbrauch. Schnepel entschied sich daher gegen eine neue Anlage. Stattdessen kaufte er eine gebrauchte für 30000 €. Diese besteht aus acht Becken (je...

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