Gülleansäuerung im Stall – Wunder gegen Ammoniak?

Klingt genial: Wer den pH-Wert in der Gülle schon im Stall absenkt, verringert die Ammoniakemissionen und rettet mehr Stickstoff für den Acker. Doch was kostet die Technik, die in Dänemark schon seit zwanzig Jahren im Einsatz ist?

Milchviehhalter kennen das Problem: Bei der Genehmigung von Offenställen wie Boxenlaufställen spielen die Ammoniak (NH3)-Emissionen eine große Rolle. Denn durch die offene Bauweise kann viel des umweltschädlichen Gases aus der Gülle entweichen. Oft sind deshalb große Abstände zu Wäldern einzuhalten oder großflächige Ausgleichsmaßnahmen umzusetzen. Für alle Landwirte kommt aber auch Druck von der EU: Schon allein die Emissionen aus der Landwirtschaft sorgen jedes Jahr dafür, dass Deutschland die zulässige Höchstmenge überschreitet. Ein Viertel der landwirtschaftlichen NH3-Emissionen kommt aus der Rinderhaltung, dabei sind die Emissionen der Gülleausbringung noch gar nicht eingerechnet. Die machen für alle Tierarten zusammen ein Drittel der NH3-Emissionen der Landwirtschaft aus.

Um ein neues Vertragsverletzungsverfahren zu verhindern, setzt die Politik auf Abdeckung von Güllebehältern, schnelles Einarbeiten von Gülle und emissionsarme Ausbringtechniken. Effektiver wäre es, die NH3-Emissionen gleich dort zu deckeln, wo sie entstehen, nämlich im Stall. Dass das geht, machen unsere Nachbarn in Dänemark vor: Viele Landwirte verschieben dort seit zwanzig Jahren durch die Zugabe von Schwefelsäure den pH-Wert der Gülle. So bleibt mehr Stickstoff in der Gülle, die Emissionen aus Haltung, Lagerung und Ausbringung reduzieren sich direkt um über 60% bei Schweinen und 50% und mehr bei Rindern. Schöner Nebeneffekt: Es kommt mehr Stickstoff aus der Gülle auf den Acker.

Dass die Technik in Deutschland bisher nicht verbreitet ist, liegt nicht nur daran, dass sie teuer ist, sondern auch z.B. daran, dass Landwirte Schäden am Beton der Güllebehälter durch die Säurezufuhr befürchten (s. Kasten S. 39).

Wir zeigen, was die Ausstattung von Rinderställen mit einer Gülleansäuerungsanlage kostet und wie sie in der Praxis funktioniert (siehe Seite 39/40).

Das Prinzip

Zurzeit bietet europaweit nur die Firma JH Agro Anlagentechnik zur Versäuerung von Gülle an. In Europa wurden bisher mehr als 300 Anlagen gebaut, über 200 davon in Dänemark und rund 40 in England. In Deutschland ging auf dem Milchviehbetrieb von Heinz-Hermann Hemme im niedersächsischen Landkreis Celle gerade die erste Anlage überhaupt in Betrieb (siehe Seite 40).

Das Prinzip dahinter: Zwischen flüssigem Ammonium und gasförmigem Ammoniak der Gülle besteht ein pH-Wert-abhängiges Gleichgewicht. Säure verschiebt dieses zugunsten des Ammoniums. Die Folge: Es gast kaum noch Ammoniak aus, sobald die Ausscheidungen auf die angesäuerte Gülle im Güllekanal fallen. Emissionen gehen dann nur noch von den verschmutzten Laufflächen selbst aus. Im Mastschweinestall verringern sich die Ammoniak-Emissionen so laut VERA um 64%. VERA ist eine Kooperation zwischen Dänemark, den Niederlanden und Deutschland zur Prüfung von Umwelttechnologien der Landwirtschaft. Im Rinderstall kommt es laut dänischem Umweltministerium zu rund 50% weniger Emissionen. Die geringere Reduktion erklärt sich dadurch, dass in Laufställen in der Regel mehr Exkremente auf den Laufflächen bleiben als in Schweineställen. Die Versäuerung verringert nicht nur die Emissionen. Auch das Stallklima verbessert sich.

Dafür...