Hofübernahme: Erst die Zahlen prüfen!

Wer einen Betrieb übernimmt, sollte schon vor der Übergabe die wichtigsten Kennzahlen checken. Nur so lernen Sie das Potenzial Ihres Hofes kennen.

Der Landwirt Hendrik Böhling aus dem Sauerland und die Landwirtin Greta Schröter aus der Eifel sind beide gut 30 Jahre alt und potenzielle Hofnachfolger. Beide möchten im Jahr 2022 den elterlichen Betrieb übernehmen, beides Milchviehbetriebe mit ca. 110 Milchkühen.

Die Voraussetzungen zur Übernahme sind dennoch ganz unterschiedlich: Der Betrieb Schröter ist wirtschaftlich gesund, Vater und Tochter arbeiten seit Jahren vertrauensvoll Hand in Hand. Böhling dagegen ist nach Investitionen in Boxenlaufstall bzw. Siloplatte und nach den Preiskrisen der vergangenen Jahre in finanzielle Schieflage geraten, er musste sogar Land verkaufen. Das größte Problem: Der Junior weiß nichts davon. Fragt er mal nach, weicht der Vater aus und verweigert den Blick in die Bilanzen. „Damit kannst Du Dich später noch beschäftigen“ vertröstet er den Sohn dann.

Die wichtigsten Kennzahlen

So wie bei Böhling passiert es immer wieder: Wer den Hof dann „blind“ übernimmt, hat kaum Entwicklungsmöglichkeiten und muss sich stattdessen jahrelang abrackern, um den Betrieb vielleicht wieder ins Plus zu bringen. Manchmal hat der Nachfolger schon keine Chance mehr und muss spätestens im mittleren Alter aufgeben.

Übergeber und Übernehmer sollten sich deshalb frühzeitig vor der Übergabe einen Überblick über den wirtschaftlichen Zustand des Betriebes verschaffen. Der Nachfolger sollte wissen, welches Entwicklungspotenzial der Betrieb hat. Schließlich übernimmt er mit seiner Unterschrift unter den Übergabevertrag sämtliche Rechte und Pflichten des Betriebes und steht dafür gerade.

Dabei geht es darum, die Bilanzen der letzten Jahre zu beurteilen. Schon anhand weniger Kennzahlen können Übernehmer und Übergeber erkennen, ob ein Betrieb auf solidem finanziellen Fundament steht oder nicht. Im Einzelnen geht es um folgende Kennzahlen:

  • Ordentliches Ergebnis: Das ist der Gewinn oder Verlust, den der Betrieb (nach Bereinigung um zeitraumfremde Aufwendungen und Erträge) aus dem operativen Geschäft bezieht. Bei einer Betriebsgröße wie im Fall Schröter und Böhling könnte der Gewinn in der Spitze bei ca. 130000 € liegen, mindestens aber bei 90000 € bis 100000...