Kroatien: Landwirtschaft der extremen Gegensätze Premium

Riesige Agrarkonzerne und traditionelle Kleinbetriebe, die regionale Spezialitäten herstellen. Kroatiens Landwirtschaft ist voller Gegensätze. Petra Jacob hat das Land für top agrar besucht.

Kroatien ist seit 2013 Teil der EU und damit deren jüngstes Mitglied. Die Landwirtschaft des Landes ist vorwiegend kleinstrukturiert. Es gibt noch rund 160000 landwirtschaftliche Betriebe. Davon sind fast 90% kleiner als 10 ha. Daneben haben sich große Agrarholdings entwickelt, die seit dem Zerfall Jugoslawiens in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts extrem gewachsen sind.

Wir wollten wissen, wie es zu dieser Entwicklung kam und wie stabil diese so unterschiedliche Agrarstruktur in Kroatien ist.

Vom Kleinbetrieb zum Konzern

Die Region Slawonien im Osten Kroatiens ist die Milchregion des Landes. Hier startete Mirko Ervacˇi´c (54) aus Semeljci vor 26 Jahren mit „einer kleinen Landwirtschaft und drei Mitarbeitern“. Heute macht seine Osatina-Gruppe mit 1100 Beschäftigten rund 120 Mio. € Umsatz.

Längst ist Osatina kein reiner Milchviehbetrieb mehr. Zur Gruppe gehören Schweinezuchtbetriebe, eine Fleischverarbeitung, Obst- und Gemüseanbau sowie Energieproduktion. Das Unternehmen hat 15000 Rinder, davon 5500 laktierende Milchkühe und 9500 Trockensteher, Färsen, Bullen und Kälber. Nach Ansicht von Ervacˇi´c ist Osatina damit der größte Milchviehbetrieb in der EU.

Die Rinder sind auf vier Standorte verteilt. Auf zwei Betrieben werden die Kühe, reine Holstein-Frisian, gemolken, auf zwei weiteren das Jungvieh aufgezogen und die Bullen gemästet. „Auf jedem Betrieb gibt es einen Produktionsleiter, sechs Produktionstechnologen, einen Veterinär und acht Veterinärassistenten sowie je nach Saison zwischen 70 und 90 Beschäftigte“, beschreibt Ervacˇi´c die Arbeitskräfteausstattung.

150000 kg Milch pro Tag

Jeder der beiden Milchbetriebe hat zwei Melkkarusselle, in denen bis zu 240 Kühe in der Stunde gemolken werden. In der Regel gibt es zwei Melkzeiten, in der Hauptlaktationsphase auch drei. Die Melkstände sind daher bis zu 20 Stunden in Betrieb.

„Unsere Durchschnittsleistung liegt bei 9700 kg/Kuh bei 3,9% Fett und 3,45% Protein. Insgesamt melken wir jeden Tag rund 150000 l Milch“, erzählt der Firmenchef stolz. „Die Milch geht an eine Molkerei in der Region. Der Milchpreis liegt in Kroatien bei durchschnittlich 0,30 € pro Liter. Wir bekommen mehr, weil wir eine gute Milchqualität haben.“ Die Nachfrage ist stabil, weil Kroatien bei Weitem nicht genug Milch produziert, um den Inlandsbedarf zu decken.

Zur Osatina-Gruppe gehören 5000 ha eigene landwirtschaftliche Fläche. Davon werden 3000 ha mit Silomais, 500 ha mit Feldgras und weitere 500 ha mit Weizen bestellt, viertwichtigste Frucht sind Sojabohnen, die auf 300 ha angebaut werden.

„Im Moment reichen die Flächen bei Weitem nicht, um genug Futter für unser Vieh zu produzieren“, stellt Ervacˇi´c klar. Deshalb werden weitere 10000 ha von Landwirten bewirtschaftet, die für die Osatina-Gruppe Vertragsanbau machen. Das Kraftfutter kommt aus dem eigenen Futtermittelwerk...

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