Liquiditätsplan: Wo bleibt mein Geld? Premium

Eine gründliche Liquiditätsplanung verschafft Überblick und ist im Ernstfall goldwert. Wir haben erfahrenen Beratern über die Schulter geschaut.

D er leidige Weg zur Bank – für viele Landwirte war das im vergangenen Dürrejahr die letzte Möglichkeit, um kurzfristig Geld für Futter zu bekommen. Mittlerweile wollen die Banken aber bei größeren Kreditanfragen einen Liquiditätsplan sehen. Wir erklären Ihnen, warum der Liquiditätsplan so wichtig ist und wie erfahrene Berater einen aufstellen.

Der Liquiditätsplan zeigt alle Einzahlungen und Auszahlungen eines Betriebes für einen bestimmten Zeitraum (meist ein Jahr) an. Sind die Auszahlungen dauerhaft höher als die Einzahlungen, ist der Betrieb nicht mehr liquide und er kann die Rechnungen nicht fristgerecht bezahlen. Mit dem Liquiditätsplan überblicken Sie Ihre Geldzu- und -abflüsse, sodass Sie schon frühzeitig reagieren können, falls das Geld knapp wird. Trotzdem ist der Liquiditätsplan nicht nur für Betriebe da, die einen Bankkredit aufnehmen müssen. Auch für anstehende Investitionen ist der Plan hilfreich. Mit ihm können Sie entscheiden, ob Sie mit oder ohne Kredit finanzieren möchten.

Planung bringt Sicherheit

„Das primäre Ziel ist es für jeden Betrieb, die jährlichen Betriebsmittel und die übrigen laufenden Ausgaben aus eigener Liquidität zu leisten. Wer das schafft, kann über die Eigenfinanzierung notwendiger Investitionen nachdenken“, spricht Jörg Claußen von der Landwirtschaftskammer in Schleswig-Holstein aus Erfahrung. Seit 2014 berät er den Milchviehhalter Marcus Rohwer aus Westerrönfeld, Schleswig-Holstein. Für ihn ist ein Liquiditätsplan nichts Neues. Schon bei dem Bau seines Melkzentrums brauchte er für die Nachfinanzierung diesen Plan. Gemeinsam mit seiner Frau Konstanze, einem Auszubildenden und einer Herdenmanagerin im Halbtag bewirtschaftet er einen Milchviehbetrieb mit 240 Kühen und 165 ha Acker- und Futterbau. Seit Rohwers 2011 das Melkzentrum mit Milchkammer und Strohstall neu gebaut haben, erstellen sie regelmäßig einen Liquiditätsplan. „Damals brauchten wir den Plan, weil wir einen Teil der Bausumme nachfinanzieren mussten“, sagt Rohwer.

Einmal im Jahr erstellen die Milchviehhalter gemeinsam mit Jörg Claußen ihren Liquiditätsplan. Sie wollen bewusst den Berater über den Plan gucken lassen. „Wir können sicherlich einen Liquiditätsplan selber aufstellen. Aber ich finde es wichtig, dass noch jemand Erfahrenes von außerhalb auf den Betrieb guckt und unangenehme Fragen stellt. Ansonsten werden wir auf Dauer betriebsblind“, ist sich Konstanze Rohwer sicher.

Wenn die Betriebsleiter das erste Mal einen Liquiditätsplan aufstellen, kann das bis zu vier Wochen dauern. Denn sie müssen sich mit dem Steuerberater, dem Banker und ggf. mit einem Unternehmensberater abstimmen. Auch Rohwers mussten 2015/16 wegen des schlechten Milchpreises einen Kredit aufnehmen. Da sie den Plan schon vorliegen hatten, war das Geld innerhalb weniger Tage auf dem Konto. „Gerade da haben wir gemerkt, wie wichtig der Plan ist. Außerdem war die vorausschauende Planung in dieser schwierigen Zeit haltgebend. Wir wussten ungefähr, wie sich das Konto bewegt und dass es spätestens mit den Prämienzahlungen wieder bergauf geht“, erinnert sich Konstanze Rohwer.

Wie erstelle ich einen Liquiditätsplan?

Unternehmensberater Jan Oke Sacht von der Agrarberatung-Mitte e.V. hat für den Liquiditätsplan ein Grundmodell, das er für jeden Betrieb individuell anpasst. Für den Milchviehhalter Peter Hansen (Name von der Redaktion geändert), der 400 Kühe hält, hat er erstmals einen für das neue Wirtschaftsjahr erstellt (siehe Übersicht Seite 40).

Der Landwirt...

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Artikel geschrieben von

Maike Schulze Harling

Redakteurin Betriebsleitung

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