Milch: Erfolgsfaktor niedrige Kosten

Der Milchpreis steht durch die Coronakrise noch stärker unter Druck. Daher sollten Sie Ihre Produktionskosten unter die Lupe nehmen. Wir zeigen, an welchen Schrauben Sie drehen können.

Durch die Coronakrise hat sich die Diskussion um den Milchpreis noch einmal verschärft. Intervention, Lagerhaltung und eine verpflichtende Milchmengenreduzierung stehen zur Diskussion, um einen Preissturz zu verhindern. Wie erfolgreich ein Betrieb wirtschaftet, ist nicht nur vom Milchpreis abhängig. Auf die Produktionskosten kommt es an. Wie groß deren Einfluss ist, zeigen wir anhand von zwei Beispielen, die typisch sind für das Testbetriebsnetz Landwirtschaft in NRW.

Zehn Cent pro Kilogramm Milch – um diesen Wert unterscheiden sich die Produktionskosten der Milchviehhalter Heinrich Meier und Bernhard Hansen (Namen von der Redaktion geändert). Der Milchauszahlungspreis der beiden Landwirte liegt im Jahresschnitt dagegen nur 0,8 ct/kg auseinander (siehe Übersicht 1). Dies zeigt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Milchviehbetriebe nicht allein vom Milchauszahlungspreis abhängig ist. Vielmehr wirtschaften diejenigen erfolgreicher, die ihre Kosten im Griff haben.

Meier ist von den Leistungen seiner Tiere eher im unteren Bereich angesiedelt, während Hansen zu den erfolgreicheren Milchviehhaltern zählt. 110 Milchkühe hält Meier, und damit 20% weniger als der Durchschnitt der Testbetriebe. Mit der Milchleistung seiner Herde von 8700 kg/Kuh und Jahr liegt er etwa 6% unter dem Durchschnitt (siehe Übersicht 2). Bernhard Hansen besitzt 185 Kühe, die pro Jahr 9600 kg geben. Meiers Produktionskosten liegen bei 46,5 ct/kg ECM, Hansen produziert den Kilogramm Milch für 36,5 ct. ECM bedeutet, dass die Milch auf den gleichen Energiegehalt korrigiert worden ist. Die Standardwerte sind 4,0% Fett und 3,4% Eiweiß. Würde Meier seine Kosten um 10 ct drücken, könnte er bei gleichbleibender Milchleistung theoretisch 95700 € im Jahr einsparen. Außerdem bestehen Unterschiede auf der Einnahmeseite: Geben seine 110 Kühe 9600 kg statt nur 8700 kg Milch, bleiben bei einem Milchpreis von 37,9 ct/kg 37521 € mehr am Ende des Jahres. Insgesamt könnte Meier so seinen Erlös in der Theorie um 133221 € pro Jahr steigern, wenn er seine Produktion optimiert. Doch an welchen Stellschrauben müsste er drehen?

Direktkosten drücken

Das größte Sparpotenzial liegt bei Meiers Direktkosten. Hier produziert Hansen 5,4 ct/kg günstiger als Meier. Die Direktkosten fallen für Futter, Tierarzt, Remontierung etc. an. Also für alle Kosten, die im direkten Zusammenhang mit der Milchproduktion stehen. Mehr als die Hälfte der Direktkosten entfallen auf die Futterkosten. Hier zeigt sich, dass Hansen aus seinem Futter mehr Milch melkt. Er füttert pro Kuh zwar 1,1 dt mehr Kraftfutter. Da seine Kühe aber mehr Milch geben, braucht er für ein Kilogramm Milch 265 g Kraftfutter und damit 20 g weniger als Meier. Außerdem kauft er das Kraftfutter für 27,4 €/dt FM, während Meier 28,4 €/dt ausgibt. So spart Hansen pro Kilogramm Milch 0,7 ct Kraftfutterkosten.

Auch beim Grundfutter kann Hansen punkten. 3450 kg Milch geben seine Tiere allein aus Mais und Grassilage. Meier hingegen erreicht nur einen Wert von 2900 kg Milch. Die höhere Grundfutterqualität führt in Kombination mit einem...

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