Mindestlohn: Sozial, aber teuer und bürokratisch Plus

Wie kommen Landwirte und Gartenbauer mit dem Mindestlohn klar? Das Thünen-Institut hat über 330 betroffene Betriebe befragt. Hildegard Garming stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.

Seit Anfang 2015 gilt in Deutschland ein Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde, der für die Landwirtschaft und den Gartenbau über tariflich festgelegte Anpassungsschritte bis Anfang 2018 erreicht wird (Übersicht 1). Davon sind vor allem die arbeitsintensiven Sonderkulturbetriebe betroffen. Wie haben sie sich an die neuen Regeln angepasst? Dazu hat das Thünen-Institut Ende vergangenen Jahres eine Online-Umfrage durchgeführt. 334 Betriebsleiter, viele davon mit den Schwerpunkten Äpfel, Spargel und Erdbeeren, haben daran teilgenommen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Ergebnisse vor.

Über Mindestlohn:

Mit der Einführung des Mindestlohns sind die Entgelte für saisonale Arbeitskräfte in den befragten Betrieben deutlich gestiegen. In den alten Bundesländern bekamen die Erntehelfer im Schnitt knapp 12% (+0,8 €/Std.) mehr, im Osten sogar fast 24% (+1,54 €/Std.) mehr als 2014 (Übersicht 2). Insgesamt lagen die gezahlten Stundenlöhne im Durchschnitt deutlich über dem für 2015 geltenden Mindestlohn.

Auch die ständigen Arbeitskräfte, die schon in der Ausgangslage 2014 über dem Mindestlohnniveau verdienten, profitierten von den Lohnsteigerungen. Um ein leistungsgerechtes Lohngefüge zu erhalten, haben die Betriebsleiter auch ihre Stundenlöhne angehoben, in der Produktion um mehr als 5% und in der Verwaltung sogar um mehr als 14% (Übersicht 2).

In vielen Betrieben gibt es für gute Saisonarbeitskräfte Leistungsprämien oder Akkordlöhne. Das war auch in den befragten Betrieben so. Dort hatten die besten Mitarbeiter im Schnitt 1,65 €/Std. (+23%) mehr in der Lohntüte.

Geringere Spreizung:

Der Mindestlohn begrenzt nun diese Möglichkeit der Lohnspreizung nach unten. Dadurch verringerte sich die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten Stundenlohn 2015 sowohl bei den saisonalen als auch bei den fest angestellten Mitarbeitern. Konsequenz: Die Betriebe müssen nun andere Leistungsanreize bzw. Sanktionsmöglichkeiten für unzureichende Arbeitsleistungen finden.

Deshalb legt jetzt mehr als die Hälfte der Betriebsleiter schon bei der Anwerbung und Einstellung von befristeten Arbeitskräften strengere Maßstäbe an (Übersicht 3, Seite 34). Außerdem geben mehr als 40% der Betriebsleiter an, dass sie bei unzureichenden Leistungen häufiger als früher vorzeitig kündigen. Die zeitige Ankündigung, dass nur die guten Mitarbeiter auch im nächsten Jahr wiederkommen dürfen, wirkt ebenfalls positiv auf die Arbeitsleistung.

Einige Betriebsleiter haben aber auch die Zahl der Mitarbeiter reduziert, und zwar die der saisonalen (16%) und die der ständigen Mitarbeiter (25%). Sie ersetzen die steigenden Lohnkosten durch eine zunehmende Mechanisierung der Produktion.

Dass 2015 mehr als 40% der befragten Betriebe mehr Saisonarbeitskräfte eingestellt haben, ist auf den ersten Blick nicht plausibel. Hintergrund ist hier aber nicht der Mindestlohn, sondern das Arbeitszeitgesetz. Danach darf eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten werden bzw. muss innerhalb von sechs Monaten ausgeglichen werden.

Mit der Einführung des Mindestlohns müssen die Arbeitszeiten mit Anfangs-, Pausen- und Endzeiten und der Angabe der Uhrzeit exakt aufgezeichnet werden. Damit können die Behörden nun auch ganz einfach die Regeln des Arbeitszeitgesetzes überprüfen. Wer diese bislang nicht exakt eingehalten hat, muss...


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