Nebenerwerb: Den Gewinn richtig ermitteln Premium

Etwa die Hälfte aller landwirtschaftlichen Einzelunternehmen wirtschaften im Nebenerwerb. Wir zeigen, wie Sie mit der richtigen Gewinnermittlungsart Steuern sparen.

Aktuell wirtschaften etwa 52% aller landwirtschaftlichen Einzelunternehmen im Nebenerwerb. In Baden-Württemberg, Hessen, im Saarland und in Sachsen ist der Anteil der Nebenerwerbslandwirte am höchsten. Hier sind drei von vier Landwirten Nebenerwerbler, d.h. die Betriebsleiter erwirtschaften ihr Haupteinkommen außerhalb der Landwirtschaft.

Nebenerwerbslandwirte oder auch Landwirte, die in den Nebenerwerb wechseln, sollten sämtliche Möglichkeiten der Gewinnermittlungsarten kritisch prüfen. Es gibt drei verschiedene Optionen, wie Sie Ihren Gewinn ermitteln können: Den Betriebsvermögensvergleich, die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen (13a-Methode) oder die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR).

Welche Art der Gewinnermittlung für Sie die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, was Sie beachten müssen:

Betriebsvermögensvergleich

Beim Betriebsvermögensvergleich erstellen Sie zur Gewinnermittlung eine Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Zudem benötigen Sie ein Anlagenverzeichnis (§ 4 Abs. 1 Einkommensteuergesetz) sowie ein Anbauverzeichnis. Sie „müssen“ diese Gewinnermittlungsart nur dann anwenden, wenn Sie buchführungspflichtig sind. Das ist der Fall, wenn:

  • Ihr Umsatz einschließlich der steuerfreien Umsätze im Kalenderjahr mehr als 600000 € beträgt,
  • Ihre selbst bewirtschaftete land- und forstwirtschaftliche Fläche einen Wirtschaftswert von mehr als 25000 € hat oder
  • Ihr Gewinn aus der Land- und Forstwirtschaft im Kalenderjahr höher als 60000 € ausfällt.

Erreichen Sie diese Grenzen nicht, können Sie Ihren Gewinn auch nach einer anderen und einfacheren Methode ermitteln. Ihr Finanzamt muss Ihnen den Beginn (und das Ende) Ihrer Buchführungspflicht mindestens einen Monat vor Beginn des Wirtschaftsjahres bekanntgeben, in dem die Pflicht beginnt. Überschreiten Sie die Grenzen nur einmalig, können Sie beim Finanzamt sogar einen Antrag auf Befreiung von der Buchführungspflicht stellen.

So rechnen Sie:

Erfassen Sie Ihren Gewinn per Betriebsvermögensvergleich, müssen Sie folgendermaßen vorgehen.

  • Berechnen Sie die Betriebsvermögensänderung (Zunahme oder Abnahme) bzw. den Gewinn des Wirtschaftsjahres: Dazu ziehen Sie vom Betriebsvermögen am Ende des aktuellen Wirtschaftsjahres das Betriebsvermögen am Ende des vorangegangenen Wirtschaftsjahres ab.13

  • Zu der so errechneten Betriebsvermögensänderung bzw. dem Gewinn addieren Sie die Entnahmen des aktuellen Wirtschaftsjahres. Dann ziehen Sie die Einlagen des Wirtschaftsjahres ab. Das Ergebnis ist Ihr zu versteuernder Gewinn bzw. Ihr Verlust, den Sie in diesem Wirtschaftsjahr gemacht haben.14

Beispiel: Landwirt Lingen erfasst am Ende des Wirtschaftsjahres ein Betriebsvermögen von 120000 €. Am Anfang des Wirtschaftsjahres sind es 90000 €. Im laufenden Wirtschaftsjahr hatte er 50000 € für private Zwecke vom Bankkonto entnommen. Einen privaten Pkw legte er mit einem Wert von 20000 € in das Betriebsvermögen ein. Er muss demnach einen Gewinn von 60000 € versteuern (120000 €- 90000 € + 50000 € - 20000 €).

Vor- und Nachteile:

Insgesamt hat der Betriebsvermögensvergleich aber einige Nachteile. Sie müssen sämtliche Einnahmen und Ausgaben detailliert berechnen und angeben. Rechnen Sie einen größeren Erstellungsaufwand für die Gewinnermittlung und somit auch höhere Kosten für die Jahresabschlusserstellung ein.

Der Vorteil ist, dass Sie sämtliche Ausgaben steuermindernd geltend machen können. Außerdem erfassen Sie Ihre Einnahmen- und Ausgaben periodengerecht, d.h., kaufen Sie im Mai Dünger, bezahlen diesen aber erst im August, verbuchen Sie den Aufwand dennoch im Monat Mai.

Der Vorteil ist, dass Sie sämtliche Ausgaben steuermindernd geltend machen können. Außerdem erfassen Sie Ihre Einnahmen- und Ausgaben periodengerecht, d.h., kaufen Sie im Mai Dünger, bezahlen diesen aber erst im August, verbuchen Sie den Aufwand dennoch im Monat Mai.

13a-Methode

Etwa jeder vierte Betrieb – egal, ob Haupt- oder Nebenerwerb – ermittelt seinen Gewinn nach Durchschnittssätzen (§13a Einkommensteuergesetz). Betriebe, die in den letzten Jahren nur wenige Investitionen vorgenommen haben und die Gebäude und Maschinen bereits abgeschrieben haben, wären beispielsweise Kandidaten für die 13a-Methode. Sollten hingegen kurzfristig größere...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

ASP in Westpolen: 80 Kilometer von Grenze zu Brandenburg

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Dr. Maria Meinert

Redakteurin Betriebsleitung

Schreiben Sie Dr. Maria Meinert eine Nachricht

Das könnte Sie auch interessieren

Altenteilerhaus: Steuern zahlen?

vor von Arno Ruffer (16.06.2016 - Folge 24)

Gebrauchtwagen wie abschreiben?

vor von Arno Ruffer (30.07.2009)

Steuern für Flächenverkauf zahlen?

vor von Arno Ruffer (26.02.2015 - Folge 9)

Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen